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Free Banking: Reformvorschläge für ein neues Währungssystem PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: mvp   
Freitag, 12. Februar 2010

Free Banking bedeutet, dass nicht der Staat, sondern private Unternehmen Geld produzieren und es anders als heute keine spezielle Regulierung gäbe, also Geld wie jedes andere Gut auch, z.B. Schuhe, behandelt würde. Die Aufgabe des Staates beschränkt sich auf die Durchsetzung von Verträgen. Das gilt insbesondere für den Schutz des rechtmäßigen Privateigentums.
Für eine Ablösung des staatlichen Geldsystems durch eine marktwirtschaftliche Lösung gibt es unterschiedliche Vorschläge. Bei bemerkenswerten Unterschieden im Detail stimmen sie alle im Kern in einer Abschaffung der Zentralbank und des gesetzlichen Zahlungsmittels überein, ferner darin, die Geldproduktion einschließlich der Prägung von Münzen zu privatisieren und dem Handel mit Währungen keiner Regulierung zu unterwerfen.

Hayeks Entnationalisierung der Währungen
Friedrich August von Hayek, Nobelpreisträger 1974, war der erste, der nach dem Zusammenbruch des Systems von Bretton Woods im Jahr 1973 für eine Entnationalisierung, sprich Privatisierung des Geldes eintrat. In seinem gleichnamigen Buch „Die Entnationalisierung des Geldes“, zeigte er, dass keine Behörde im Vorhinein feststellen könne, was die „optimale Geldmenge“ ist. Allein der Markt sei dazu in der Lage. Hayek argumentiert, dass Geld in Form des „gesetzlichen Zahlungsmittels“ nicht knapp ist, dauerhaft funktionsfähiges Geld sich aber gerade dadurch auszeichnet. Als Tauschmittel führt das Aufblähen der Geldmenge (Inflation) zur Entwertung des Geldes und zu einer Veränderung der Preis-Relation aller Güter.
Der österreichische Ökonom und Sozialphilosoph hat bewusst keine Technik vorweggenommen oder einen detaillierten Transformationsprozess entworfen, sondern überlässt das dem Markt als Entdeckungsverfahren. Private Geldproduktion würde seiner Überzeugung nach aber das Ende der Zentralbanken als Monopolisten in ihrer jetzigen Funktion bedeuteten genauso wie das Ende der nationalen Währungs- und Geldpolitik. Das Bruchteilreservesystem würde verschwinden und die Zinsen würden nicht mehr manipuliert werden, sondern sich auf natürliche Weise bilden, in Abhängigkeit der Zeitpräferenz durch Angebot und Nachfrage. Zugleich würde es weder den „Lender of last resort“ noch „Bailouts“ noch monetär bedingten „Moral hazard“ geben. Auch für die Geldproduktion gilt: Der Wettbewerb sorgt für besseres Geld als es die Regierungen je tun würden und überhaupt könnten. Er zwingt nämlich die Emittenten, den Wert ihres Geldes konstant zu halten. Damit wäre die Gefahr stärker als heute gebannt, dass die Geschäftstätigkeit das Ausmaß eines privaten Unternehmens übersteigt.  
Hayek hat keine Blaupause, sondern eine ökonomisch-philosophische Grundlage für Free Banking formuliert, in deren Mittelpunkt der Wettbewerb steht. Die Frage des Eigentums bleibt ausgeblendet, die Kopplung an Preisindices von Waren-/Rohstoffkörben erscheint problematisch.

Huerta de Sotos Fünf-Phasen-Transformation
Jesus Huerta de Soto schildert in seinem Opus magnum “Money, Bank Credit and Economic Cycles” fünf Phasen eines Transformationsprozesses, weg von den zeitgenössischen Bedingungen hin zu einer freien Währungswahl:
1.    Ausgangspunkt: Die Zentralbank ist abhängig von der Regierung und betreibt ad hoc Geldpolitik ohne Geldmengenregel.
2.    Eine unabhängige Zentralbank agiert mit einer geldpolitischen Regel: Das Geldwachstum überschreitet das Produktivitätswachstum um 4-6% (Bundesbank-Modell). Ein System fester Wechselkurse besteht.
3.    Übergang zum gemischten System: Die unabhängige Zentralbank besteht fort. Das  Geldmengenwachstum wird auf ca. 2% begrenzt. Hinzu kommt ein radikaler Schritt, die 100%-Reservepflicht für Geschäftsbanken; infolgedessen werden Banken zu Fondsverwaltern. Es findet keine Kreditexpansion mehr statt (de Soto sieht hier den Zeitpunkt gekommen, die Staatsschulden und sozialen Sicherungssysteme durch ein Fondssystem zu bereinigen).
4.    Abschaffung der Zentralbanken und Etablierung des Free banking: Bindung des gesamten Geldes (Bar und Depositen) an Gold, freie Währungswahl, internationale Übereinkunft über einen reinen Goldstandard und 100% Reservepflicht.
5.    Vollständige Freiheit der Geldproduktion im Rahmen sonstiger Gesetze und 100%-Reservepflicht bei freier Währungswahl. Wird Gold der Maßstab aller Währungen bleiben?
Jesus Huerta de Sotos Vorschlag sieht zunächst einen Weltgoldstandard vor und dann den Übergang zu einem Free Banking. Das birgt die mit einem langen Transformationsprozess verbundenen Gefahren eines Stopps oder gar Zurückdrehens der Reformbemühungen; zudem läge der Transformationsprozess stets in den Händen des Staates, der an seiner geldpolitischen Entmachtung kaum Interesse haben dürfte.

Sennholz' „Kahlschlag“

Der vielleicht radikalste Vorschlag stammt von Hans Sennholz: „remove government from all monetary affairs“, der u.a. in „Money and Freedom“ für ein unverzügliches Abschaffen aller gesetzlichen Zahlungsmittel, das sofortige Ende der Zentralbanken und ein Eleminieren des Prägemonopols eintritt. So richtig die Forderungen auch sind, die Folgen wären möglicherweise desaströs. Es würde zu einem Bankenrun kommen, einer substantiellen Kredikontraktion, zudem würden Preise und Löhne voraussichtlich drastisch sinken bzw. gesenkt werden müssen. Schließlich bildet die Zerschlagung der Gewerkschaftsmacht eine wesentliche Voraussetzung.

Selgins Variationen von Free Banking
George Selgin hat in seinen historischen Untersuchungen die Funktionsfähigkeit von  Free Banking teilweise sehr nahe kommenden Marktlösungen nachgezeichnet. Das gilt sowohl für Schottland um 1800 als auch für die private Münzprägung in England zwischen 1775 und 1821. Überdies waren Banksysteme mit großer Freiheit weder fragil, noch bestand eine Notwendigkeit für eine Zentralbank als „Lender of last resort“. Die Turbulenzen in den USA um 1900 waren nachweislich das Ergebnis verfehlter Regulierung.
Der Mitbegründer der modernen Free Banking Schule plädiert im Grunde für eine völlig unregulierte Geldproduktion, also Laissez-faire Banking, ganz ähnlich dem Freihandel. Er diskutiert aber auch Varianten, in denen beispielsweise eine Zentralbank fortbesteht und die Geldmenge eingefroren wird. Zudem argumentiert er, dass eine völlige private Haftung zu größerer Effektivität führen könnte, aber statt Regulierung besser Märkten die Entdeckung eines „optimalen“ Banksystems überlassen sein sollte.
Wie alle zuvor gemachten Vorschläge, wird hier das absolute Eigentumsrecht missachtet. Mit anderen Worten wird der an der Garderobe abgegebene Mantel weiter verliehen. Damit sind mehr Garderobenscheine im Umlauf als Mäntel verfügbar, was die (österreichische) Konjunkturzyklik auslöst.

Grundlage einer Geldreform
Eine Reform des Geldwesens darf sich nicht an einer Bewahrung des Status quo orientieren. Vielmehr gilt es auf der Grundlage einer soliden ökonomischen Theorie, eine moralisch-ethisch gerechtfertigte Reform durchzuführen. Aus ökonomischen, rechtlichen, moralischen und spirituellen Gründen lässt sich kein staatliches Währungsmonopol rechtfertigen. Das zeigt Jörg Guido Hülsmann in seiner „Ethik der Geldproduktion“. Maximale Freiheit und aboluter Eigentumsschutz sind die beiden Voraussetzungen für eine Reform, die einen unternehmerischen Wettbewerbsprozess zum Wohle aller in Gang setzt. Gutes Geld ist nicht unmöglich, sondern genauso wie ein solides Bankensystem nur verboten. Zugleich gibt es kein belastbares Argument, weshalb Menschen nicht die ihrer Ansicht nach beste Form von Geld selbst frei wählen dürfen.

Rothbards Reform

Ludwig von Mises erarbeitete in weiser Voraussicht bereits in den frühen 50er Jahren des 20. Jahrhunderts einen Vorschlag, um das entfesselte Papiergeldsystem wieder im Gold zu verankern, und damit im Grunde den Weg zurück zum freien Marktgeld zu ebnen. Sein Schüler Murray N. Rothbard (1926 – 1995) errichtete nachfolgend eine eigene, auf Praxiserfordernisse zugeschnittene Mehrstufen-Strategie zur Umsetzung.  
In einem ersten Schritt wären die Papiergeldmengen in einem festen Umtauschverhältnis an die Goldbestände zu binden, die noch in den Kellern der Zentralbanken lagern. Gleichzeitig erhielten die Geldhalter das Recht, ihre Guthaben jederzeit in eine entsprechende Menge Feingold umzutauschen. Hierbei müsste in Kauf genommen werden, dass das Gold zunächst an die Banken und in das Mindestreservesystem zurückfließt und nicht an die ursprünglichen Goldbesitzer, was nach Ansicht von Philipp Bagus einem „last giant bailout for the criminal banks“ gleich käme.
In einem zweiten Schritt könnte das Bankensystem vollständig privatisiert (Bankenfreiheit) und in ein System des „Free Banking“ überführt werden. Die Zentralbank würde aufgelöst und das Papiergeld einen Anker erhalten, die Zahlungsfähigkeit der Banken wäre gewahrt und die Marktkräfte könnten frei entscheiden, ob neben Gold auch andere Medien als Geld Verwendung finden.
Schließlich würde der Preis für Gold (und auch Silber) freigegeben werden. Die Währung (und damit das Eigentum) wäre mit einem 100%-Reservesystem gesichert. Private Gold- und Silbermünzenprägungen würden voraussichtlich erneut auch qualitativ höherwertiges und wunderbar anzusehendes Münzgeld als heute hervorbringen, das zudem weniger fälschungsanfällig wäre.


Literaturhinweise

Das Ludwig von Mises Institute hat dankenswerterweise eine ganze Reihe von Büchern, Aufsätzen und Artikeln in seinem per Internet zugänglichen Archiv verfügbar gemacht.
Zu den hier angesprochenen Reformvorschlägen sind beispielsweise verfügbar:
Friedrich August von Hayek: Denationalisation of Money (Buch).
Jesus Huerta de Soto: Money, Bank Credit, and Economic Cycles (Buch).
Murray N. Rothbard: The Case for a Genuine Gold Dollar (Artikel).

Weitere Literatur können Sie beim Mises Institute unter Literature recherchieren.

 
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