Liberale Großzügigkeit PDF Drucken E-Mail

„Aus klassisch-liberaler Perspektive kommt Großzügigkeit darin zum Ausdruck, was man mit seinem eigenen Geld tut und nicht mit dem Geld anderer Leute.“ schreibt der bekannte US-Ökonom Arnold Kling in seinem Artikel „Some Libertarian Basics“ in der Library of Economics and Liberty. Wer also viel Geld für wohltätige Zwecke stiftet ist großzügig. Anders verhält es sich mit dem Staat insgesamt, da Politiker und Bürokraten erst Menschen Geld wegnehmen müssen bevor sie es großzügig verteilen können. Sollten Sie also kollektive Maßnahmen wie staatliche Entwicklungshilfe oder Kultursubventionen fordern, müssen Sie andere zuerst besteuern, um deren Geld wohltätigen Zwecken zuzuführen. Das mag sinnvoll erscheinen oder auch nicht – auf jeden Fall ist es weder großzügig noch sozial.

Liberale stellen sich nicht nur die Frage, wer bedürftig ist, sondern auch wie die Versorgung Bedürftiger bestmöglich organisiert werden könnte. Angesichts knapper Ressourcen reicht es nicht aus, auf soziale Not einerseits und deren automatisch Linderung durch „öffentliche Kassen“ andererseits hinzuweisen. Es gibt gute Gründe ein gewisses Maß von Nothilfe kollektiv organisieren zu wollen, etwa für Gesundheit, Arbeitslosigkeit und Rente. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass der Staat diese Aufgabe übernehmen sollte. Zudem ist zwischen einer möglichen Versicherungspflicht und der Organisation der Aufgabe durch private Versicherungsunternehmen zu differenzieren. Nur weil die meisten Menschen eine Versorgung sehr armer oder sehr kranker Menschen gewährleisten möchten, bedeutet das nicht zwangsläufig dafür Steuern eintreiben zu müssen. Die private Wohltätigkeit hat vor ihrer Verstaatlichung sehr viel geleistet.

Arnold Klingt argumentiert, der Wohlfahrtsstaat gleiche aus libertärer Perspektive der Mafia, die mir die Hände breche, wenn ich nicht spende. Zugleich sei diese Wohlfahrt besonders schlecht organisiert, da eine Menge Geld in zweifelhafte Projekte ströme und bei der Durchführung trotz guter Absicht verschwendet werde. Tatsächlich mangelt es an Wettbewerb des Staates mit anderen Wohlfahrtsorganisationen. Selbstverständlich müsste dabei Chancengleichheit herrschen. Dann wäre es sehr wahrscheinlich, dass gerade sehr arme und sehr kranke Menschen mit mehr Geld auf effektivere Weise versorgt werden könnten als mit den bestehenden Regierungsprogrammen. Über den Wettbewerb hinaus würde die Chance einer freien Initiative ohne Zwang und Bevormundung freiwillige Solidarität entstehen lassen. Man müsste die Menschen nur machen lassen. Schon heute reicht die persönliche Großzügigkeit von Speisungen über zahllose Sozialprojekte von Clubs wie Rotary bis hin zu Hunderte-Millionen-Projekten beispielsweise der Gates-Stiftung.

Liberale haben kein kaltes Herz. Der „Kalte Hauch des Neoliberalismus“ ist eine böswillige Metapher derer, die private Initiative durch staatliche Bürokratie verdrängen möchten. Der Glaube, auf das Allgemeingut verpflichtete Politiker und Bürokraten würden an erster Stelle etwas anderes verfolgen, als ihre persönlichen Interessen, ist günstigenfalls naiv, mitunter aber einfach verlogen.
Liberale können warmherzig und freigiebig sein. Anders als die Befürworter staatlicher Sozialpolitik halten sie es weder für großzügig noch für sozial, wenn jemand fordert, andere Menschen müssten gezwungen werden ihr Geld für fremde Zwecke herzugeben. Liberale sind allerdings der Auffassung, dass man dann großzügig und sozial ist, wenn man mit seinem eigenen Geld zeigt was man tut. 

 
Facebook MySpace Twitter Digg Delicious 
 
 
Bild