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Klassischer Liberalismus entlarvt neoliberale Irrtümer PDF Drucken E-Mail
Samstag, 09. Mai 2009
Dumpfe neosozialistische Vorwürfe über einen vermeintlich herrschenden „Marktfundamentalismus“ verdecken tatsächliche Unzulänglichkeiten der Neoliberalen. Klassisch liberale Argumente setzen zunächst an der Kritik der Neoliberalen selbst an. Ein Beispiel: Das soziale Elend des 19. Jahrhunderts ist keine Folge des Kapitalismus. Vielmehr hat erst der Kapitalismus den Hunger besiegt und das einzigartige Bevölkerungswachstum ermöglicht. Die Landflucht in die Fabriken war die Folge des Elends auf dem Lande. Erforderliche Lebensverbesserungen benötigten Zeit und sind der Marktwirtschaft, nicht aber staatlichen Eingriffen zu verdanken.
Zudem sind klassische Liberale nicht einem blinden Glauben an die „unsichtbare Hand“ verfallen, die nur optimale Ergebnisse zeitige. Vielmehr begreifen klassisch Liberale die freie Kooperation als vorläufiges gelungenes Ergebnis sozialen Handelns, welches ausdrücklich Irrtum und Versagen als Möglichkeit einschließt. Nichtwissen wird im klassischen Liberalismus so zur Tugend. Versuch – Irrtum – verbesserter erneuter Versuch im Wettbewerb zum Prinzip des Entdeckungsverfahrens. Die Regeln und Traditionen der Gesellschaft insgesamt sind somit das Ergebnis von menschlichem Handeln, nicht aber menschlichem Plan (Adam Ferguson).
Hinzu kommt Kritik am Neoliberalismus. Dies gilt insbesondere für den Versuch durch eine staatsfreundliche Abstützung den Liberalismus zu retten. So eröffnet die Vitalpolitik Rüstows einer obrigkeitlichen Bevormundung des Lebens unbegrenzte Möglichkeiten. Der liberale Interventionismus in Richtung der Marktgesetze von Wilhelm Röpke dürfte vielfach an mangelndem Wissen scheitern, welches erst auf Märkten entsteht und Experten fehlt. Schließlich trifft es einfach nicht zu, dass der Markt ein mechanischer Prozess ist, der keine Werte hervorbringt. Die Marktwirtschaft ist ein Wertesystem, beruht selbst auf einer Werteordnung. Sie erzieht zur Moral durch Reziprozität, Vertrauen und die Belohnung ehrbaren kaufmännischen Verhaltens.
Insofern wäre es klüger gewesen, die Soziale Marktwirtschaft – das politische Programm des Neoliberalismus nach dem Zweiten Weltkrieg – als ein konstitutionelles Ideal zu definieren, das sich auf die bedeutendsten ethischen und sozialen Grundwerte stützt: Frieden, Freiheit und Gleichheit vor dem Recht. Folglich läge das soziale Element nicht in der Erzeugung und Verteilung von Wohlstand, sondern im Verfassungsprinzip der Nicht-Diskriminierung, in der Abwesenheit von Privilegien. Die liberale Aufgabe unserer Zeit ist es, gegen die Privilegien der Herrschenden anzukämpfen.
 
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