Startseite Zur Ordnungspolitik Populäre Irrtümer Trugschluss „Bevorzugt regional gefertigte Produkte“
Trugschluss „Bevorzugt regional gefertigte Produkte“ PDF Drucken E-Mail

„Kauft Produkte aus unserer Region!“ ist nichts anderes als eine Form des Protektionismus auf kleiner Ebene. Zu diesem Ergebnis kommt die Kanadierin Karen Selick in ihrem lesenswerten Artikel „The Buy-Locally-Owned Fallacy“ in der Library of Economics and Liberty.

Ihre Argumente sind beachtenswert, basieren sie doch auf der Fähigkeit eine zunächst plausibel erscheinende, tatsächlich aber stark verengte Perspektive durch Erweiterung des Horizonts als Trugschluss zu entlarven. Karen Selick argumentiert:

Erstens, nicht die Gemeinde oder die Region, sondern die Befriedigung der Bedürfnisse des Einzelnen sind für eine Kaufentscheidung maßgeblich. Dies gilt umso mehr, wenn wir in Betracht ziehen, dass längst nicht alle Produkte lokal produziert und angeboten werden, geschweige denn zu einem wettbewerbsfähigen Preis. Das weltweite Einkaufen bietet uns eine größere Wahlfreiheit in kürzerer Zeit. Dies wird besonders beim Einkauf im Internet deutlich. Insgesamt gilt, dass es beim Tausch von Geld gegen Ware darum geht, unsere Lebenssituation zu verbessern. Gerade wenn wir Glück und Wohlfahrt aller Beteiligter regional bilanzieren, ist der rein regional beschränkte Kauf  niemals automatisch der bessere Kauf.

Zweitens, sobald jede Region nach der Devise „Kauft nur bei uns!“ verfährt, ist Abschottung die unweigerliche Folge. Dies bringt erhebliche regionale Wohlfahrtsverluste mit sich. Diese negativen Folgen liegen noch nicht einmal im Interesse derer, die die Devise ausgegeben haben. Die unbeabsichtigten Propageure des Protektionismus haben nur den potenziellen Gewinn lokaler Käufer für ihr Geschäft berücksichtigt, aber außer Acht gelassen, dass sie bei strikter Befolgung der Devise Kunden aus der Nachbarregion verlieren werden.

Hinzufügen ließe sich, dass internationale Arbeitsteilung und Freihandel der zentrale Erfolgsfaktor für steigenden Wohlstand aller Beteiligter sind. Das Robinson-Crusoe-Modell taugt nur für ihn und Freitag. Hinzu kommt, dass die Masse der regional angebotenen Produkte ohne die Unterstützung weltweiter Zulieferer nicht existieren würde. Die Geschichte „I pencil“ von Leonard E. Read ist hierfür die wohl anschaulichste Illustration.

Karen Selick hat Recht, wenn sie daher fordert, dass wir uns auf keinen Fall einem falschen Gemeinschaftsverständnis unterwerfen sollten. Vielmehr sollten wir je nach Bedarf lokal, regional, global oder auf eine dazwischen liegenden Art und Weise einkaufen. 

 
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