| Unsere sozialdemokratische Zukunft … |
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… hat der Politiker und Publizist Eugen Richter bereits 1891 vorweggenommen. In seinem Buch „Sozialdemokratische Zukunftsbilder“ hat der herausragende Gegenspieler Bismarcks das kollektivistische Ideal konsequent zu Ende gedacht. Gleiche Arbeits- und Lebensbedingungen erträumen sich die Sozialdemokraten damals wie heute und versprechen diese politisch zu gestalten. Was passiert, wenn im Namen der Gleichheit eine Gesellschaft umgestaltet wird, beschreibt Eugen Richter eindrucksvoll anhand der persönlichen Erlebnisse eines begeisterten Sozialdemokraten, die er in einem fiktiven Tagebuch niederschreibt. So werden zum Zwecke der Gleichheit Familien zerrissen und soziale Beziehungen zerstört, verfällt die Arbeitsdisziplin und müssen bald selbst Grundnahrungsmittel rationiert werden. Die Schäbigkeit und die Gleichförmigkeit des Alltagslebens sind schon allein bedrückend, sie werden aber durch einen wachsenden Terror lebensbedrohlich. Bemerkenswert ist, dass viele der Schilderungen Richters am Ende des 19. Jahrhunderts den Alltag kollektivistischer Systeme in der Sowjetunion, NS-Deutschlands und der DDR vorwegnehmen. Mit der Ausschaltung des Preismechanismus und der Zerstörung der Trias Eigentum – Familie – Religion ist der Marsch in den Totalitarismus vorgezeichnet. Am Ende entscheidet nicht mehr der Gerichtsvollzieher, sondern der Scharfrichter. Die totale Abwertung der Familie, ihre Auflösung und die Übertragung ihrer Funktionen an professionelle Staatsanstalten, dehnen den Handlungsspielraum des Staates auf Kosten der Familie aus. Auf einen aktuellen Anlass übertragen ließe sich hinzufügen, dass dem Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz die Zwangsabgabe der Kinder folgt. In dieser Perspektive wird klar, dass das „von der Leyen-Programm“ eigentlich ein Bebel-Programm ist. Beschämend ist die Tristess des Alltags, den eine derartige Spießerideologie hervorbringt. Alles ist gleich. Alles wird zugeteilt. Wie in der DDR bestehen Farbunterschiede in Schattierungen von grau, Asphaltgrau, Graphitgrau, Mausgrau. Wer nach dem Fall der Mauer durch Ost-Berlin geradelt ist, weiß wie schön der Farbtupfer eines kapitalistischen Coca-Cola Plakats sein kann. Kollektivismus und Individualismus sind die Pole einer möglichen gesellschaftlichen Entwicklung. Ein bisschen Kollektivismus ist nicht zu haben, er neigt zur schneeballartigen Ausbreitung und erstickt unter seiner Lawine immer mehr individuelle Vielfalt. Durch den immanenten Interventionismus ist der sozialdemokratische Marsch in den Totalitarismus keine polemische Parole, sondern eine Frage der Zeit und der Wehrhaftigkeit seiner Gegner. Überdies liegt die Vermutung nahe, dass der letzte Zweck nicht die Gleichheit ist. Vielmehr ist die Herrschaft einer anderen Klasse das angestrebte Ziel. Und das bedeutet nichts anderes als die Ausbeutung der Bürger durch die Funktionäre. Damit entpuppt sich Gleichheit einerseits als Realität, nämlich als Gleichheit in Armut, andererseits als Phrase angesichts der ungleichen Behandlung der Menschen unter dem Recht und der Drangsalierung aller anders denkenden. Die Gleichheit wird zum Transmissionsriemen für den Herrschaftswechsel. Eugen Richters Buch wurde in einer Massenauflage gedruckt und von Arbeitgebern an ihre Belegschaften verschenkt. Eine massenhafte Lektüre und damit Neuauflage ist diesem Text zu wünschen. Er ist heute so aktuell wie damals. |




