Startseite Zur Ordnungspolitik Populäre Irrtümer „Der Osten jammert“ - Mythos Wohlstandsgefälle West-Ost
„Der Osten jammert“ - Mythos Wohlstandsgefälle West-Ost PDF Drucken E-Mail

Ostdeutsche sind unglücklicher als Westdeutsche und beklagen ihr Leid. Ursache ist die von ihnen als schlechter wahrgenommene Lebenssituation. Eine Studie der Technischen Universität Ilmenau zeigt, dass erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Zufriedenheit in West und Ost bestehen. Die Befragungswerte liegen in Ostdeutschland fast durchweg unter denen im Westen. Ihr Abstand ist seit 1997 nahezu konstant.

Das „Jammern“ in Ostdeutschland erscheint angesichts der Fakten befremdlich:

  • Erstens haben sich die Lebensbedingungen der Menschen seit der Wiedervereinigung in Ostdeutschland erheblich verbessert und an Westdeutschland angeglichen.
  • Zweitens hat sich das Realeinkommen der Ostdeutschen dem Westniveau nahezu angeglichen: Insgesamt verringerte sich der Abstand bei den realen Nettohaushaltseinkommen zwischen West und Ost von ehemals 30% im Jahr 1991 auf 3,9% im Jahr 1997. Seit 2000 beträgt der Mittelwert der Abweichung rund 4,7% oder absolut rund 46 Euro! Eindeutige Wendegewinner sind die älteren ostdeutschen Generationen, insbesondere die Rentenbezieher.
  • Drittens sind die Nettoeinkommensunterschiede zwischen West- und Ostdeutschland gerechtfertigt, sowohl wegen der geringeren gesamtwirtschaftlichen Produktivität als auch wegen 40 Jahren Sozialismus, der die Vermögensbildung behindert hat.

Tatsächlich scheint die empfundene Unzufriedenheit im Phänomen des „Neides“ bzw. des „Sozialneides“ (Gerd Habermann) zu wurzeln, also aus der subjektiv beobachteten scheinbar unterschiedlichen materiellen Ausstattung. Der Zugewinn politischer und gesellschaftlicher Freiheit, die Verbesserung der Konsummöglichkeiten und der Zugewinn an infrastruktureller Ausstattung werden in Ostdeutschland wenig oder kaum gewürdigt.

Die Autoren der Studie folgern: Gemessen an der Zufriedenheit der Ostdeutschen sei demnach seit der Wiedervereinigung eine umfassende Fehlleitung von Ressourcen zu konstatieren, der weder die Präferenzen noch die ökonomischen Potenziale der Ostdeutschen berühre. Der Transferstrom nach Ostdeutschland umfasst derzeit noch rund 85 Milliarden Euro bzw. 8,5% des westdeutschen Bruttoinlandsprodukts.

Die ausführliche Studie von Björn A. Kuchinke und Heiek Walterscheid – eine ökonomische Analyse der Ursachen der Unterschiede zwischen Ost und West anhand von Wohlfahrts- und Glücksindikatoren – gibt es unter: http://www.tu-ilmenau.de/fakww/Forschung.505.0.html (Nummer 46).

 
Facebook MySpace Twitter Digg Delicious 
 
 
Bild