Startseite Zur Ordnungspolitik Ordnungspolitik Aktuell Wozu taugen Ökonomen und freie Märkte?
Wozu taugen Ökonomen und freie Märkte? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: mvp   
Sonntag, 08. August 2010

Von Ökonomen wird erwartet, dass sie die Zukunft vorhersagen. Viele von ihnen tun das gerne. Institute prognostizieren die makroökonomische Entwicklung und leben davon. Das sollte aber nicht der Fall sein, zumindest nicht, wenn es um mehr als Mustervorhersagen geht. Friedrich August von Hayeks Mahnung, die er bei seiner Nobelpreisverleihung aussprach - „Die Anmaßung von Wissen“ - ist geradezu legendär. Tatsächlich werden Prognosen regelmäßig korrigiert, revidiert und konterkariert.

Angesichts der Aggregatsfixierung ist es nicht weiter verwunderlich, dass bei der Betrachtung „der“ Wirtschaft, der Arbeitslosigkeit, des Volkseinkommens, des Preisniveaus und so weiter und so fort der handelnde Mensch aus dem Blick gerät. Das ist umso bedauerlicher als die Aggregate mehr oder minder hilfreiche Analysewerkzeuge sind. Es handelt sich aber stets um künstliche Größen, die nicht in der Realität existieren. Was ist damit gemeint? Zwar lassen sich Erkenntnisse aus den verdichteten Daten gewinnen, es ist aber im Umkehrschluss nicht möglich, diese Aggregate (direkt) zu steuern, weil sie nicht existieren. Hinzu kommen das begrenzte Wissen um die Konsequenzen von (gut gemeinten) Eingriffen in das Wirtschaftsgeschehen.

Wozu taugt Ökonomie? Art Carden, Professor am Rhodes College in Memphis, und Steven Horwitz, Professor an der St. Lawrence University in New York haben in Forbes wesentliche Punkte im Rahmen einer Replik hervorgehoben:

  1. So liefert eine gute Volkswirtschaftslehre Erklärungen für die Folgen wechselnder Anreize bei gegeben menschlichen Präferenzen. Darin liegt ihre Stärke, nicht aber in einer Erklärung der Präferenzen.
  2. Ökonomen von Adam Smith bis Friedrich August von Hayek erkannten intrinsische moralische Grenzen. Sie sahen Individuen nicht als grundsätzlich gut an, sondern generell selbst bezogen, d.h. sie stellen ihre Interessen, einschließlich Familie und Freunde, an erste Stelle.
  3. Märkte dezentralisieren Macht unter einer Vielzahl privater Eigentümer und machen so das leben für die Starken schwer. Die Macht von Unternehmen stammt von ihren Kunden, die die Produkte kaufen, genauer: so lange sie ihre Produkte kaufen. Freunde freier Märkte müssen nicht Individuen trauen, sondern setzen darauf, dass gute Institutionen den Schaden begrenzen, den Schurken verursachen.
  4. Die menschliche Natur als betrügerisch, monopolisierend und bestechlich anzusehen, gilt für Freunde freier Märkte als Grund der Politik zu misstrauen und nicht den Märkten. Zentralisierung von Macht löst das Problem nicht; im Gegenteil, politische Anreize stören die guten Institutionen und bringen mehr Macht in die Hände der angenommenen prekären Gestalten.
  5. Kein Verfechter freier Märkte glaubt, dass Kinder ge- und verkauft werden sollten. Im Gegenteil, sie betonen, dass Märkte ohne die Respektierung von Rechten nicht funktionieren können. Märkte setzen das Eigentum und die Verfügung darüber voraus.
  6. Im Kapitalismus gibt es keine Abwärtsspirale (Race to the bottom), weder bei Löhnen noch bei Arbeitsbedingungen. Das Gesetz der komparativen Vorteile (David Ricardo) zeigt wie Handel Wohlfahrt entstehen lässt und den Lebensstandard hebt. Kapitalismus hat die Armut besiegt.
  7. Kritiker freier Märkte bringen Kapitalismus und Korporatismus durcheinander.  Kapitalismus im Sinne freier Märkte heißt gerade nicht, die Interessen von Kapitalisten politisch zu unterstützen, sondern Wettbewerbsmärkte, die häufig gegen deren Interessen arbeiten. Es gilt also die Wünsche um politische Unterstützung und vom Staat gewährte Monopole zurück zu weisen.

Mit den Worten von Ludwig von Mises: „Tatsache ist, dass es in einem kapitalistischen System letzten Endes die Verbraucher sind, die Befehle geben. Der Souverän ist nicht der Staat, sondern das Volk.“

Kurzum, Ökonomen sollten sich wirtschaftspolitisch insbesondere auf wirtschaftliches Handeln und die Folgen von Eingriffen in das Wirtschaftsgeschehen konzentrieren. Die Steuerung der Wirtschaft liegt bei den Marktteilnehmern in besten Händen – also bei uns allen – und bedarf keiner (politischen) Hilfe.

 
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