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Dynamische Effizienz in der Wiesenmühle PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: mvp/mtk   
Montag, 12. Juli 2010

In der Wiesenmühle (Fulda) haben die Teilnehmer des Hayek Juniorenkreises Wissenschaft auf ansprechendem Niveau über das Konzept der "dynamischen Effizienz" diskutiert – bei teilweise großer Hitze, beflügelt vom 4:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen Argentinien.

Die Lösung des Koordinationsproblems ist die zentrale Frage jeder Gesellschaft. Wir sind Adam Smith zu Dank verpflichtet, der das Bild der „unsichtbaren Hand“ für die bestmögliche Lösung geprägt hat, sobald Menschen auf Märkten handeln. Die (ältere) neoklassische Sicht der Volkswirtschaftslehre und die landläufige Meinung sehen das Koordinationsverfahren dann als effizient gelöst, wenn ein Gleichgewichtszustand (nahezu) erreicht wird. Herausgefordert wird diese Auffassung durch das Konzept der dynamischen Effizienz. Demnach ergibt der statische Effizienzbegriff, der eng mit dem Konzept von Gleichgewichtszuständen verbunden ist, aus einer dynamischen Sicht auf den Markt als Prozess der Koordination wenig Sinn. Vielmehr gleicht der Marktprozess als Entdeckungs- und Entmachtungsverfahren einem Suchalgorithmus, ähnlich dem der Evolution, bei der ebenfalls keine „optimalen“ Lösungen bestehen, sondern das Augenmerk eher auf die Anpassungsfähigkeit gerichtet wird, also auf die Fähigkeit des Systems und seiner Elemente, in einer sich dynamisch ändernden Umwelt zu bestehen. Probleme werden durch diesen Prozess entdeckt, genauso wie Lösungen, die sich aber beide permanent ändern können. Ein solcher Prozess kennt keine Statik und auch keine Annäherung an einen bestmöglichen Zustand, da das, was gelöst werden muss genauso wie das, was sich als Lösung bewährt, keinem festen, bekannten Punkt zustreben kann. Das Wissen um die Probleme und die Lösungen entsteht erst im Entdeckungsverfahren (Hayek) selbst.

Im Sinne von Huerta de Soto ist dynamische Effizienz die Fähigkeit eines System, unternehmerische Kreativität und Koordination zu fördern, um suboptimale soziale Lösungen zu entdecken und zu verbessern, mit der Folge, dass die Anpassungsfähigkeit des Systems erhöht wird. . Vereinfacht gesagt besteht die Voraussetzung für dynamische Effizienz darin, dass jedes Individuum über das Recht verfügt, sich die Ergebnisse seiner kreativen unternehmerischen Aktivität anzueignen. Die Theorie und Wertvorstellungen der Eigentums- und Verfügungsrechte im Sinne einer Verfassung und Ethik der Freiheit bilden Grundlage und Rahmen für das Konzept der dynamischen Effizienz.

Ausgangspunkt ist das Verständnis des Marktes als ein Prozess (im Sinne von Kirzner), der Profitmöglichkeiten und Fehler im Rahmen komplexer Arbeitsteilung selbst für so simple Produkte wie einen Bleistift insbesondere durch Preise (im Sinne von Mises und Hayek) aufzeigt. Unternehmer – darunter verstehen wir alle „Lebensunternehmer“ und Arbitrageure – entdecken in einem Wettbewerbsverfahren Möglichkeiten profitablen Handelns. Dabei entstehen Innovationen und Inventionen (im Sinne von Schumpeter). Welche Produkte und Verfahren sich durchsetzen entscheiden die Konsumenten, so dass unternehmerisches Handeln per se spekulativ und risikobehaftet ist. Interventionismus und zentrale Steuerungsversuche stören das fein gewobene Kooperationsnetz und zeitigen in der Regel unbeabsichtigte kontraproduktive Folgen. Globale Effizienz ist wie der Gleichgewichtsbegriff ein Mythos, schon allein deshalb, weil es nur individuelle, subjektive und per se begrenzte Handlungen gibt, deren Zusammenfassen in einer „sozialen Nutzenfunktion“ aufgrund methodologischer Bedenken als illegitim angesehen werden muss. Für Rothbard resultiert Effizienzstreben auf volkswirtschaftlicher Ebene in einem Kampf um die verbindlichen Ziele (und geeigneten Ressourcen). Demnach kann es kein Marktversagen geben, da der Markt – wiederum ähnlich wie der natürliche Evolutionsprozess – einfach stattfindet und dabei selbst völlig wertfrei daher kommt. Im Sinne Huerta de Sotos lassen sich Ungleichgewichte überhaupt erst ex post feststellen, und zwar nur dann, wenn wir konkret nach ihnen suchen. Statt Effizienz sollte in dieser Sicht konsequent die Ethik der Freiheit zum Primat erhoben werden, denn nur sie ermöglicht die größtmögliche Entfaltung des eingangs erwähnten evolutiven Suchalgorithmus (In der Praxis involvierte Individuen kennen die konkreten Umstände von Ort und Zeit besser als ein intervenierender Planer und können eine raschere Anpassung an eine dynamische Umwelt herbeiführen).

Wie dynamische Effizienz in der Praxis angewandt werden kann zeigen Rox Cordato anhand der Umweltpolitik, der für einen Wechsel von effizienter Ressourcenallokation zur Konfliktlösung zwischen Individuen plädiert, und Randall G. Holcobe, der argumentiert, dass öffentliche Güter privat produziert werden können. Schließlich können wir dem Werk der Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom auch in praktischer Hinsicht entnehmen, welche Vorteile und Grenzen polyzentrische Systeme bei der experimentellen Ausgestaltung von Lösungen der Allmendeproblematik bieten. Die Einbindung der Beteiligten im Suchprozess erweist sich auch hier gegenüber zentralistischen Effizienzansätzen als überlegenes Verfahren.

Die Interdisziplinarität des Hayek-Seminars hat sich einmal mehr als wertvoll und inspirierend erwiesen. Themen gerecht dominierten zunächst "etablierte" Ökonomen insbesondere aus Hohenheim. Herausgefordert wurden sie von einer philosophischen Koalition aus Berlin und Hamburg. Wie bei der dynamischen Effizienz kamen keine Gleichgewichtslösungen zustande, vielmehr entstanden Suchverfahren, die immer wieder neue, teilweise überraschende Lösungen und Fragestellungen hervorbrachten.
Fortsetzung folgt.

 
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