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Die Ökonomen tragen keine Kleider PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: pk   
Freitag, 02. April 2010

James Buchanan, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften von 1986, ist über 90 Jahre alt und mischt sich mit klugen Einsichten in die Debatte um die Wirtschaftswissenschaften ein. In seinem Artikel, aus dem das Zitat des Monats stammt, argumentiert er, dass die keynesianische Trennung von Makro- und Mikroökonomie, die Mitte des 20. Jahrhunderts vollzogen wurde und echten wissenschaftlichen Fortschritt mit sich zu bringen schien, tatsächlich lediglich den Beginn einer verlorenen Epoche markiert, ohne haltbare Ergebnisse hervorgebracht zu haben.


Buchanan ist überzeugt: Ökonomen haben bis heute nicht verstanden, dass Aggregate und Aggregatvariablen zwar im Nachhinein mit mehr oder weniger akkurater Genauigkeit gemessen werden können, sich aber per se nicht kontrollieren lassen, weder direkt noch indirekt (Anmerkung PK: Aggregate sind intellektuelle Konstrukte, künstliche Gebilde, die nur in unserer Vorstellung, aber nicht in der Realität existieren und daher niemals steuerbar sein können).

Ursächlich sei ein fundamentales Missverständnis darüber, was die Wirtschaft eigentlich ist. Tatsächlich handele es sich bei der Marktwirtschaft um eine emergente, komplexe, dynamische Ordnung. Ein wichtiger Erkenntnisschritt, um Wirtschaft zu verstehen, sei die Anerkennung von Beschränkungen, von Regelsystemen, Anreizen, einer Verfassung. Ein grobes Missverständnis stelle hingegen das Denken in Größen dar, wie „die“ Wirtschaft, die funktionieren soll oder aber angeblich per se nicht funktioniere.

Entscheidende Bedeutung kommt für den Public Choice Theoretiker (ökonomische Erklärung politischen Handelns) der Aufmerksamkeit gegenüber der „konstitutionellen Struktur“ zu, der Ordnung, dem Rahmen – im deutschen Sprachraum also der Rahmenordnung, die durch die Ordnungspolitik gestaltet wird. Die entscheidende Frage laute: Wie funktionieren Märkte unter diesen oder jenen Arrangement konstitutioneller und institutioneller Beschränkungen?

James Buchanan fordert: Wir sollten unser Denken und Analysen auf eine Welt ausrichten, die ideal sein könnte, aber im Rahmen des Möglichen bleiben. Die Geldordnung sei dabei bislang völlig vernachlässigt worden. Hier sei eine geradezu dramatische Revolution erforderlich.

Welche Funktionen muss eine Finanz-Geld-Ordnung ausüben, um in einer ideal funktionierenden Marktwirtschaft zu funktionieren? fragt Buchanan und antwortet: Neutral im Hinblick auf die Verteilung, also begrenzt darauf, den Austausch zu ermöglichen und Transaktionskosten zu reduzieren.

Buchanan schließt mit der Bemerkung: Es scheint, als ob viele Menschen einen Esel geritten und dabei sehr komfortabel auf einem Sattel mit aufgeblasenem Kissen gesessen hätten, bis ein nicht vorhergesehener Riss das Kissen zusammenfallen ließ. Die Struktur der gesamten Geldwirtschaft sei fehlerhaft.

 
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