Startseite Zur Ordnungspolitik Ordnungspolitik Aktuell Zu wenig Kapitalismus führt unweigerlich in die Krise
Zu wenig Kapitalismus führt unweigerlich in die Krise PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 07. Juni 2009
„Die aktuelle Krise ist die Konsequenz eines Mangels an Kapitalismus!“ Diese Einschätzung formulierte der liberale französische Ökonom Pascal Salin in seinem einführenden Vortrag über die Ursachen der „Finanzkrise“. Die Formel durchzieht wie ein roter Faden nicht nur die anregenden Vorträge des vom Liberalen Institut in Zürich ausgerichteten Symposiums „Hayek, Friedman oder Keynes? Lehren aus der Finanzkrise“. Vielmehr bildet die Gewissheit, zu wenig Kapitalismus führt unweigerlich in die Krise, die gemeinsame Basis des Ensembles aus Publikum, Vortragenden und Veranstalter. Das kluge Publikum bewies im Forum und in den Pausen mit kritisch-liberalem Blick, dass das Liberale Institut eine bemerkenswerte Anziehungskraft für mündige Bürger besitzt. Zugleich dokumentierte das Symposium die Erklärungskraft der Österreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre. Hayek, Mises und Rothbard sind mit ihrer Geld- und Kapitaltheorie Monetaristen und Keynesianern weit überlegen. So verwundert es nicht, dass immer wieder die Forderung nach einer weitreichenden Liberalisierung des überregulierten Finanzsystems erhoben wurde. Nur „Free Banking“ kann monströse Konjunkturzyklen und Systemkrisen verhindern. Nur Free Banking kann das derzeit weltweit existierende schlechte, politisch monopolisierte Geld durch gutes Geld ersetzen.
Daniel Kohler zeigte wie die Regierungen Banken respektive ganze Volkswirtschaften in die Krise getrieben haben, mit falscher Regulierung und einem absurden Wechsel vermeintlicher Rettungsmaßnahmen. Hans Geiger wies darauf hin, dass es inzwischen viel einfacher geworden ist,  Banken unter Aufsicht der Regulierungsbehörden faktisch wie Hedge Fonds arbeiten zu lassen, als eine Lizenz für letzteren zu bekommen. Grandiose Fehler kennzeichnen die behördliche Regulierung, darunter die desaströse Vorschrift des „Value added Risk“-Verfahrens. Die Regulatoren versäumten hier ihre eigentliche Aufgabe, nämlich sich intensiv mit der einprozentigen Wahrscheinlichkeit systemgefährdender Entwicklungen auseinander zu setzen und beschäftigten sich stattdessen allenfalls mit der neunundneuzigprozentigen Scheinsicherheit, für die Regulatoren per se überflüssig sind.
Michael von Prollius zeigte auf, dass billiges Geld der Zentralbanken die Mutter der aktuellen „Großen Rezession“ ist. Die Inflationsbehörden entwerten kontinuierlich das Geld und verzerren die Entscheidungen von Millionen Menschen. Die staatliche Manipulation verursacht über irreale Zinssätze volkswirtschaftliche Verwerfungen, sie stört das Herzstück der Marktwirtschaft: das  Preisgefüge. Free Banking, das zudem Risiken parzelliert, ist als Rückkehr zu gutem Geld die Herausforderung unserer Zeit
Thorsten Polleit widerlegte die immer noch vorherrschende Auffassung, freie Märkte hätten die Krise hervorgerufen. Gestützt auf die „Ethik der Freiheit“ von Murray Rothbard zeigte er auf, dass systematische Eigentumsverstöße durch das staatliche Geldmonopol, mit seinem Konstruktionsfehler  Teilreservesystem, unvereinbar sind mit den Prinzipien einer freien Marktwirtschaft. Inflation und Krisen müssen die Folge einer monetären Zentralplanwirtschaft sein Kurzum: Schlechtes Geld zersetzt die Freiheit und führt zu einer Interventionsspirale.
Rahim Taghizadegan bettete die Vorträge in die Geschichte der Österreichischen Schule seit Carl Menger ein und bemerkte, auch dass Dreiviertel aller finanzökonomischen Veröffentlichungen durch die Zentralbanken finanziert werden. Die korrumpierende Nähe des Staates verschlechtert stets wissenschaftliche Erkenntnisse. In der abschließenden Diskussion zwischen Beat Kappeler – die „Marktwirtschaft drängt durch alle Regulierungsritzen“ und Robert Nef, die Krise lässt sich mit der Formel „Ent-Täuschung“ auf den Punkt bringen, zeigte dreierlei: Erstens wird unsere Welt dominiert von der Partei der „GOIs“, den „Gemäßigt Opportunistischen Interventionisten“. Zweitens werden wir Bürger die Zeche für das Staatsversagen zahlen müssen, mit Inflation, höheren Steuern und sozialem Unfrieden. Drittens sollten Liberale guten Mutes in die Zukunft schauen und für die Freiheit im Kleinem wie im Großen eintreten. Dazu gehört auch, dass Aktienbesitzer ihre Rechte wahrnehmen und jeder einzelne in seinem Umfeld für Freiheit, Privateigentum und die Herrschaft des Rechts eintritt. Nur der mündige, aktive Bürger wird für eine Wende zum Besseren sorgen können.
Das Symposium des Liberalen Instituts, von Christian Hoffmann im angenehmen Ambiente des Zunfthauses zur Waag gut moderiert, ist ein Schritt auf dem langen Marsch in diese Richtung.
 
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