Startseite Zur Ordnungspolitik Ordnungspolitik Aktuell Die Lehre der Österreichischen Schule – eine Einführung
Die Lehre der Österreichischen Schule – eine Einführung PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 23. September 2007

Thomas C. Taylor: An Introduction to Austrian Economics, Cato Institute/ Ludwig von Mises Institute 1980, 97 S.

Unprätentiös kommt der kleine blaue Band von Thomas C. Taylor daher. Gleichwohl enthält er einen straffen Überblick über wesentliche Annahmen, Erkenntnisse und Theorien der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Tatsächlich handelt es sich um einen gelungenen Versuch, „to explain the essential ideas of the Austrian school“ (S. 7). Das liegt nicht zuletzt daran, dass Taylor sich immer wieder auf Mises’ Human Action stützt und es auf nur 90 Seiten beim Wesentlichen belässt. So erfüllt er seinen Anspruch, der Verwirrung der keynesianischen Ökonomie, der befremdlichen Künstlichkeit der Ökonometrie, den traurigen Misserfolgen ökonomischer Experten und unrealistischer Textbuchmodelle mit dieser Broschüre eine verständliche Einführung in die österreichische Volkswirtschaftslehre entgegen zu setzen.
Ihr Inhalt – gleichsam in einer Lektion – kann nachfolgend studiert werden:

In einer knappen Einleitung werden die Protagonisten Carl Menger, Friedrich von Wieser, Eugen von Böhm-Bawerk, Ludwig von Mises und Friedrich von Hayek sowie Israel Kirzner und Murray Rothbard gestreift. Sie eint der methodologische Individualismus.
Die folgenden sieben Kapitel befassen sich mit:

  • Soziale Kooperation und Ressourcenallokation als Grundlage entwickelter Wirtschaften:
    Das herausragende Problem ist die Koordination und der Wissensaustausch. 
  • Ökonomische Kalkulation:
    Das Preissystem dient in einer Doppelfunktion ökonomischer Kalkulation und koordiniert die Kommunikation. Preise geben das relative Verhältnis von Ressourcen und Konsumentenwünschen an, aber keinen Wert! Werte sind stets subjektiv.
    Jede Handlung ist Spekulation zu einem bestimmten Zeitpunkt mit Blick auf die Zukunft. Mit Hilfe von Geld und monetärer Kalkulation können Ressourcen für die drängendsten Bedürfnisse genutzt werden. Die Geldpreise dienen dabei der notwendigen Kommunikation der individuellen Pläne. Jeder Entscheider benötigt daher nur einen Teil des verstreuten Wissens. 
  • Die subjektive Werttheorie:
    Jede Bewertung ist subjektiv. Sie kann von niemandem auf objektive Größen oder Wertschätzungen reduziert werden. Das Gesetz vom abnehmenden Grenznutzen besagt, dass der Gebrauch eines jeden weiteren gleichen Gutes weniger Nutzen stiftet als das Vorausgegangene („legendäres“ Getreidebeispiel von Böhm-Bawerk). Geld ist heute primär Fiat Money (staatliches Papiergeld). Das Geheimnis des Unternehmertums beruht auf der Aufgabe, zu produzieren, um die Wünsche anderer Personen angesichts einer unsicheren Zukunft zu erfüllen. Jede Entscheidung beruht letztlich auf der Einschätzung, besser als die Alternative zu sein. Folglich gilt: „There is no such thing as an equal exchange.“ Verkäufer und Käufer glauben sich durch den Austausch besser zu stellen. Dabei spielt der psychische oder subjektive Gewinn eine dominante Rolle.
  • Markt und Marktpreise:
    Marktwirtschaft ist nichts anderes als ein Phänomen, das durch die Wahlentscheidungen und Handlungen von Individuen zustande kommt. Sie ist Folge der Wünsche der Menschen, zu interagieren, um ihre Lage zu verbessern. Der Austausch hat nichts mit Mechanik oder Unmenschlichkeit zu tun. Wenn Güter produziert sind, bestimmen nur noch die subjektive Wertschätzungen von Anbietern und Nachfragern, ausgedrückt in Geld, die Preise.
  • Produktion in einer “Evenly Rotating Economy”. Hier nur der Hinweis darauf, dass Zinsen nicht nur für Kapital spezifisch sind, sondern Bestandteil jedweder marktwirtschaftlichen Aktivität und damit Teil der Produzenten- und der Konsumentenrente sind.
  • Wirtschaft in der realen Welt:
    Gewinne entstehen dann, wenn Produktionsfaktoren zu geringeren Preisen gekauft werden als sie anschließend verkauft werden. Die Herausforderung für einen Unternehmer besteht in der möglichst zutreffenden Einschätzung der Konsumentenpräferenzen. Aus andere Perspektive: Ein Unternehmer sucht nach Situationen, in denen Ressourcen bisher falsch koordiniert werden. Künstliche Restriktionen durch den Staat führen zu Monopolen, Patenten, Urheberrechten, die genauso wie nicht künstliche Ressourcen in die Wertschätzung mit einfließen.
  • Inflation und Wirtschaftszyklen: Änderungen in den einzelnen Preisen, d.h. relative Preisänderungen, spiegeln veränderte Wertschätzungen und verfügbare Ressourcen wieder. Dabei gibt es keine Ursache für verbreitete Fehlinvestitionen und eine Rezession oder Depression. Erst die durch eine überschüssige Geldmenge der Zentralbank verursachte Inflation verursacht einen allgemeinen Preisanstieg. Daraus folgende (zu) niedrige Zinssätze sind falsche Signale für die Unternehmer über die tatsächlich vorhandenen Ersparnisse, die für Geschäfte zur Verfügung stehen. Der so entstandene Boom ist stets befristet. Rezession oder Depression sind Ausdruck einer Korrektur. Ihr Ausmaß hängt vom Ausmaß der Kreditexpansion ab. Der Wirtschaftszyklus wird zu einem „Perpetuum Mobile“. Inflation stößt ins Herz des Marktprozesses bis zu seiner Ausschaltung.
 
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