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Freiheitskeime: Freiheit leben! PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: mvp   
Dienstag, 15. Januar 2013

Die Freiheitskeime 2013 herausgegeben von Henning Lindhoff sind erschienen. Das Saatgut hat im Vergleich zum Vorjahr mit 200 Seiten deutlich an Umfang gewonnen und enthält eine Reihe verschiedener Arten wie das gute Dutzend Autoren andeutet. Die Individualisten eint eine Abneigung gegen grassierenden Kollektivismus. Ihre Beiträge sind für kontroverse Diskussionen geeignet und enthalten manche Anregungen. Mehr demnächst hier bei Forum Ordnungspolitik. Vorab ein Beitrag von mir:

Freiheit leben!

Konsequente Liberale haben es heute immer noch schwer. Freiheit ist gut zwei Jahrzehnte nach der Implosion des Sozialismus nicht wirklich en vogue. Als Wert stellt Freiheit in Deutschland eher ein Lippenbekenntnis dar, zumal wenn Freiheit mit Sicherheit konkurriert. Das belegen Meinungsumfragen regelmäßig. Angesichts allgegenwärtiger Beschränkungen der Freiheit und der Vorherrschaft von Sozialingenieuren, die statt mündigen Bürgern nur beschützens- und bevormundenswerte Verbraucher sehen, ist es nicht erstaunlich, dass der Mainstream konsequenten Freiheitsfreunden regelmäßig mit Unverständnis und Kopfschütteln begegnet. Rückzug des Staates? Marktfundamentalismus! Flat Tax? Zutiefst sozial ungerecht! Geldfreiheit? Verrückte! Aufmerksamkeit erzeugt allerdings ihre Kritik. Kein Wunder, Angriffsflächen bieten der bürokratische Wohlfahrtsstaat und seine Apologeten im Übermaß. In der Staatsschuldenkrise sind zudem viele Diagnosen zum Allgemeingut geworden. Gleichwohl stecken die Freunde der Freiheit in einem Dilemma, die Forderung nach einer anderen Ordnung nimmt kaum jemand Ernst, die Kritik am Fiskal- und Geldsozialismus droht als ständige Nörgelei von Sektierern abgestempelt zu werden.

Was ist zu tun? Zunächst erscheint es gleichermaßen unerlässlich wie erfolgversprechend unaufhörlich profunde Kritik zu äußern. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass staatlich generierte Wohlfahrt im Kern ungerecht und ineffizient ist. Sie basiert auf einer Ausbeutung von Minderheiten durch wechselnde Mehrheiten. Staatliche Wohlfahrt bevorzugt Partikularinteressen, ist kurzfristig angelegt und folgt den Interessen der reihum herrschenden Parteien wie der sie unterstützenden Wähler mit ihrem teils naiven Anspruchsdenken. Der Wohlfahrtsstaat ist unauflöslich mit beträchtlichen Sickerverlusten durch überbordende Staatsbürokratie und Regulierung verbunden. Zugleich wird die „proportionierlichste Bildung der Kräfte“ (Wilhelm von Humboldt) eines jeden Einzelnen behindert, durch den Zwang, den Wohlfahrtsstaaten heute in allen Lebensgebieten ausüben. In der Euro-Krise nimmt der demokratische Wohlfahrtsstaat zunehmend autoritäre Züge an. Widerspruch ist also ein notwendiges Mittel: Die Abwrackprämie bedeutet, dass der Nachbar das neue Auto finanziert hat. Manchesterkapitalisten haben sich für die Armen eingesetzt. Kultursubventionen beruhen auf dem Verzicht des Volkes auf andere schöne Güter.

Darüber hinaus kommt einer anderen Geschichtserzählung eine maßgebliche Rolle zu. Geschichte, genauer die Deutung der Geschichte stellt die Grundlage für die Beurteilung aktueller Situationen dar. Deshalb sind Botschaften und Erzählungen wie diese so bedeutsam: Erst der Kapitalismus hat das Überleben von Millionen Menschen ermöglicht. Der New Deal hat die Weltwirtschaftskrise zur Großen Depression verlängert. Die Gründerväter der Sozialen Marktwirtschaft waren vehemente Gegner des Wohlfahrtsstaates.

Das Freiheitswerk hat auch aus diesem Grund den Tag der Freiheit ins Leben gerufen – am 17. Juni wird jedes Jahr die Freiheit gefeiert. So bietet sich eine Möglichkeit das historische Bewusstsein zu schärfen.

Schließlich ist ein entscheidendes Feld bisher weitgehend unbesetzt geblieben. Die Rede ist von den unzähligen positiven Seiten, die Freiheit und Kapitalismus innewohnen. Zum Schmunzeln können die Beispiele anregen, die Donald Boudreaux im Cafe Hayek in der Kategorie „Cleaned by Capitalism“ beschreibt, etwa öffentliche Herrentoiletten in Flughäfen, in denen man nichts mehr anfassen muss und so sauberer bleiben kann. Gerade Schmunzeln weist den Weg: Liberale können eine frohe Botschaft verkünden: Freiheit dient dem Leben! Eine Ordnung der Freiheit steht nicht nur für Eigentum, Verantwortung und Vertragstreue, sondern auch für Werte wie Nächstenhilfe, Freundschaft, Familie. Freiheit ermöglicht all das Gute in der Welt, ohne dass ein neuer Mensch geschaffen werden muss. Freiheit schafft Raum dafür, dass sich das Positive entwickeln kann. Sozialismus, Sozialstaat, Soziale Gerechtigkeit höhlen diese Werte aus, setzen bürokratischen Zwang an die Stelle eines emotionalen Engagements. Planwirtschaft erstickt das Leben – Freiheit dient dem Leben – Freiheit ist Voraussetzung für Lebensfreude!

Die klassischen Liberalen haben das Gesicht dieser Welt verändert. Sie haben Millionen Menschen erst zum Überleben und dann zum Erleben eines stetig wachsenden Wohlstandes verholfen. Die Manchester-Kapitalisten haben es vorgemacht. Cobden und Co. haben Zehntausende erreicht. Sie haben sich einer, nach heutigen Vorstellungen, linken Politik verschrieben. Was hindert uns, es ihnen nachzutun – im Großen wie im Kleinen? Richten wir die frohe Botschaft der Freiheit an die Massen! Begeistern wir die Menschen für die Freiheit. Und leben wir Freiheit vor, wo immer das ganz praktisch möglich ist.

Quelle: erschienen in: Henning Lindhoff (Hg.): Freiheitskeime 2013. Ein libertäres Lesebuch, BoD Verlag, Norderstedt 2012, 189-192.

 
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