| Freiheit und Emotionen |
|
|
|
| Geschrieben von: mvp |
| Dienstag, 01. Januar 2013 |
|
Gedanken anlässlich der 1. Freihnacht, Berlin 2012 Weihnachten ist das Fest der Freude, der Liebe – Emotionen spielen eine große Rolle. Das gilt nicht nur für große Kinderaugen, deren Blick sich erwartungsvoll auf Geschenke richtet. Auch sonst geht es darum, jemandem, der einem nahe steht, eine Freude zu machen. Ich spreche als Insider, nicht nur wegen meiner beiden Töchter. Weihnachten ist ein Geburtstagsfest und damit ein Freudentag, nicht nur für Christen. Bei mir selbst hat es gerade noch geklappt mit dem Geburtstag; kaum war der Weihnachtsmann weg, da kam ich auf die Welt. Einen Feiertag gab es beim Freiheitswerk bereits im Sommer: Den Tag der Freiheit haben wir am 17. Juni gefeiert. Es ist uns ein Anliegen, den 17. Juni als Feier- und Gedenktag wieder zu beleben. Es geht dabei nicht zuletzt um eine emotionale Verankerung der Freiheit, die Verbindung von Freiheit und Freude. Eine der Aktionen, die am 17. Juni stattfanden, ist das Projekt „17 Zeilen für die Freiheit“; 17 Autoren haben 17 Zeilen der Freiheit gewidmet. Inzwischen ist es dokumentiert auch als kleines Büchlein erhältlich. Emotionen, besser Emotionsbezüge finden sich in den Beiträgen zwar schon, aber eher selten. Von „Mut zur Freiheit“ ist die Rede und von Glück. In vielen Beiträgen steckt eine gute Portion Gefühl. Allerdings ist von Freiheit und Emotionen kaum die Rede. Eine Ausnahme mag mein Beitrag „Freiheit ist der Schlüssel für Lebensfreude“ sein, der als kleiner Versuch dient, zweierlei anzustoßen, nämlich Freiheit und Emotionen zu verbinden und statt wohlfeiler Kritik eine positive Alternative aufzuzeigen. Letzteres ist ein wesentliches Merkmal des Freiheitswerks, dessen Leitspruch lautet: „Wir produzieren Freiheit und schaffen Lösungen für die Gesellschaftsform der Zukunft“. Auf der Startseite des Freiheitswerks sind vier liberale „Altmeister“ abgebildet. Ein knapper Blick in die Werke von dreien der „Granden“ fördert folgende Zitate zu Tage:
Dennoch – Emotionen und Assoziationen? Fehlanzeige! Die Verbindung von Logik und Emotionen kann als Schlüssel des Erfolgs in dem Film „The Great Debaters. Die Macht der Worte“ mit Denzel Washington und Forest Whitaker, produziert von Oprah Winfrey, angesehen werden. Das unbekannte, ländliche, nur von Schwarzen besuchte Wiley College gewinnt mit seinem Debattier-Team in den rassistischen 30er Jahren gegen das Elite-Team der Harvard University. Die Filmgeschichte ist inspiriert durch historische Begebenheiten. Ein Beispiel: Die Hypothese, für die ein Team affirmativ argumentieren soll, lautet: Die Arbeitslosenunterstützung sollte enden, wenn die Depression endet. Die Argumentation lautet etwa wie folgt: „Zurück ins Jahr 1536 – als die ersten Armengesetze verabschiedet wurden. Damals wurde Armenunterstützung oder Wohlfahrt ausschließlich von freiwilligen Spenden finanziert. Aber im Lauf der Zeit entwickelten die Engländer das Beihilfesystem – die erste Arbeitslosenunterstützung. Nur dass es jetzt durch unfreiwillige Spenden finanziert wurde, allgemein bekannt als Steuern. Das Beihilfesystem war katastrophal. Wahre Arbeitslosenunterstützung wäre, einem Mann Arbeit zu geben, aber dafür muss man die Wirtschaft beleben, nicht zu Tode besteuern.“ Die Rede hinterließ einen starken Eindruck. Indes siegten die Kontrahenten - pro Arbeitslosenunterstützung – mit folgendem Hinweis auf die einfachste und zugleich eindruckvollste Quelle: „Eine arbeitslose Mutter, die ihre Kinder nicht ernähren kann, deren Sohn mit blutenden Füßen durchs Baumwollfeld lief und dessen Schwester einen vom Hunger aufgeschwollen Bauch hatte. Fragen Sie hier nach Daddys Arbeitsethik?“ Freiheitskritiker sind erfolgreicher als wir, obwohl sie regelmäßig schwächere inhaltliche Argumente ins Feld führen. Ihre stärker emotional aufgeladenen Appelle überzeugen. Da ist etwa das Beispiel soziale Gerechtigkeit: Der Begriff Gerechtigkeit wird aufgeladen und umgedeutet. Die Freiheitsfreunde haben logisch bessere Argumente, aber die Emotionen siegen. Gerecht können nur auf Regeln bezogene Handlungen sein, aber keine Verteilungszustände. Da jubelt die Menge ... Die Studie „Myth of a rational voter“ von Bryan Caplan zeigt eindringlich, dass beispielsweise überzeugte Freihändler für Protektionismus stimmen, weil sie sich wohler fühlen. Gesucht wird also so etwas wie ein Homo emotionalis pro libertas. In diesem Sinne gilt es einem Ahnherr zu widersprechen: „Keine Sekte und keine politische Partei haben geglaubt, darauf verzichten zu können, ihre Sache durch den Appell an die Sinne der Menschen zu vertreten. Rhetorisches Wortgepränge, Musik und Gesang erklingen, Fahnen flattern, Blumen und Farben dienen als Symbole und die Führer suchen die Gefolgschaft an ihre eigene Person zu binden. Der Liberalismus tut da nicht mit. Er hat keine Parteiblume und keine Parteifarbe, kein Parteilied und keine Parteigötzen, keine Symbole und keine Schlagworte; er hat die Sache und die Argumente. Die müssen ihn zum Siege führen.“, urteilte bekanntlich Ludwig von Mises in Liberalismus. Tatsächlich gilt mehr denn je:
Fakten sind ein Grund zur Freude: Wir leben in einer besseren Welt. Die Empirie ist eindeutig. So benötigte Großbritannien 155 Jahre zur Verdopplung des Bruttoinlandsproduktes pro Kopf, während die USA und Deutschland nur 30 bis 60 Jahre für die Erlangung der zigfachen Wirtschaftskraft benötigten. China und Indien haben binnen gut 15 Jahren, also einem Zehntel, das Hundertfache erzielt! Zudem wird in den meisten Gesellschaften bis 2030 die Mehrheit der Mittelschicht entstammen und nicht mehr die Armen sein. Allein zwischen 1999-2004 wurden 150 Millionen Menschen aus der Armut befreit. Die Verbesserung von Gesundheit und der medizinische Fortschritt sind ohnehin atemberaubend. Ursache ist das Werk der Freiheit. Und die Begründung? Empirisch sprechen Indizes eine eindeutige Sprache, ob Economic Freedom Index, Easy of Doing Business Index oder World Competetiveness Report – überall führen freiheitliche Länder. Das liegt an den Institutionen. Offene Ordnungen, die individuelle Rechte schützen, insbesondere Privateigentum und die Verfügung darüber, sowie Unternehmertum ermutigen, sind nicht nur das Erfolgsgeheimnis aufsteigender Entwicklungsländer, sondern bald auch wieder der Schlüssel für den Wiederaufstieg abgeschlagener Wohlfahrtsstaaten. Und was bleibt emotional zu sagen? Freiheit ist die Voraussetzung für Lebensfreude! Freude entsteht, wenn die seelischen Bedürfnisse in einem Augenblick erfüllt sind. Sobald ich den Freiraum habe, meine Talente zu entfalten und zum Nutzen anderer einzusetzen, schaffe ich Gelegenheiten, mich zu freuen. Dazu gehört: Die Leistung eines Unternehmers, der für seine Anstrengungen und sein Wagnis entlohnt wird, durch zufriedene Kunden und Rendite. Nächtelang hat er durchgearbeitet, seiner Familie viel zugemutet, mit der Finanzierung persönlich haftend viel Risiko auf sich geladen. Und nun setzt sich sein Laser zum Vernähen einer abgelösten Hornhaut am Markt durch. Und dazu gehört auch der Arbeitslose, der einen kleinen Zeitungsstand aufgemacht hat und für viele Menschen der erste freundliche Morgenkontakt ist. Wilhelm von Humboldt mahnt uns: „Der wahre Zweck des Menschen, nicht der, welchen die wechselnde Neigung, sondern welche die ewig unveränderliche Vernunft ihm vorschreibt, ist die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen. Zu dieser Bildung ist Freiheit die erste und unerläßliche Bedingung.“ Wir können alle Freiheitsunternehmer sein, hier und jetzt! Wir sollten dafür eintreten – jederzeit und an jedem Ort – und heute Abend das Glas auf die Freiheit erheben! Die Gedanken zu Freiheit und Emotionen wurden von Michael von Prollius bei der "Berliner Freihnacht" am 19. Dezember 2012 vorgetragen. |




