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Quergelesen - für eine freie Gesellschaft (7) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: mvp   
Montag, 23. April 2012

Ludwig von Mises ist im Mainstream angekommen. Wer hätte das gedacht? Die Wirtschaftswoche hat ein längeres Portrait unter dem Titel „Der unbeugsame Visionär“ publiziert. Darin schreibt der Chefvolkswirt Malte Fischer: „Hätte man die Finanzkrise vorhersehen können? Ja. Man hätte nur die Werke von Ludwig von Mises lesen müssen. Seine Arbeiten zur Geld- und Konjunkturtheorie sind so aktuell wie nie zuvor.

Der gut geschriebene Beitrag enthält für Kenner naturgemäß nichts Neues, wendet sich aber auch an die breite Leserschaft. Im Mittelpunkt der chronologisch-thematischen Darstellung tehen Konjunktur- und Geldtheorie. Der Schluss enthält zudem eine einordnende Abgrenzung zum Anarchokapitalismus: „Ob Mises Rothbard gefolgt wäre, mag dahingestellt bleiben. Für Mises hatte 'Liberalismus mit Anarchismus nicht das Geringste zu tun'. Doch hat auch er die 'Aufgaben, die die liberale Lehre dem Staat zuweist', mit dem Schutz des Eigentums, der Freiheit und des Friedens eng definiert.

Und auch der Anarchokapitalismus hat es in den Mainstream geschafft. Verantwortlich dafür ist Eugen-Maria Schulak, der in „Die Presse“ eine Besprechung des jüngsten Bandes von Hans-Hermann Hoppe unter dem Tiel „Das Ende des Maskenballs“ publiziert hat – Tenor: „Hans-Hermann Hoppe ist einer der radikalsten Denker der Gegenwart. Sein neues Buch setzt dort an, wo Staatsphilosophen aufhören: bei der Demokratie als Quelle andauernder Missstände.“ und weiter heißt es „Gerade heute, wo die demokratischen Sozialstaaten ins Wanken geraten und langsam zugrunde gehen wie einst die sozialistischen Diktaturen im Osten, ist es für hellhörige Zeitgenossen durchaus sinnvoll, sich den wahren Ursachen dieser Entwicklung philosophierend und lesend anzunähern – auch wenn es für diese Runde vermutlich nichts mehr bringt. Denn wie könnten jene, die sich die Muße nahmen, hinter den Vorhang zu blicken, die Ereignisse jetzt noch aufhalten.

Trotzdem: Zum einen ist es lehrreich zu erkennen, mit wem man es gleichsam am Ende dieses Maskenballs, wenn die Masken langsam fallen, eigentlich zu tun gehabt hat. Das stärkt die intellektuelle Abwehrkraft und macht Mut, das Kommende gelassen zu erwarten. Zum anderen besteht allemal die Chance, es in der nächsten Runde besser zu machen. Im Sinne Hans-Hermann Hoppes, der Philosoph ist, bedeutet das, vor allem weiteren politisch motivierten Handeln erst einmal gründlich darüber nachzudenken, ob man überhaupt noch jemals irgendeinem Politiker sein Vertrauen schenken will und soll."

Einer der wenigen vernehmbaren österreichisch inspirierten Protagonisten in der Bankenwelt ist Thomas Mayer, Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank. In der Zeitschrift für Wirtschaftspolitik argumentiert er nicht mit Hayek, sondern mit Hyman Minsky. Zunächst zeigt Mayer Sinn und Zweck der praktizierten Zentralbankpolitik auf um dann das „Ausstiegsdilemma“ zu benennen: „Bisher gibt es kein Beispiel für einen erfolgreichen Ausstieg aus einem Regime, bei dem eine Nullzinspolitik (Zero Interest Rate Policy, ZIRP) mit unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen (Non-Standard Monetary Policy, NSMP) kombiniert wurde. Es erscheint sogar recht unwahrscheinlich, dass ein problemloser Ausstieg aus einem solchen Regime organisiert werden kann.“ Die aktuelle Geld- und Zinspolitik gleiche der Spätphase des Kreditzyklus mit unvermeidlicher Korrektur. Und wie geht es weiter? Mayer vermutet, dass der Vertrauensverlust in das Fiat-Geldsystem zu tief sein könnte. „Dies würde darauf hindeuten, dass eher mit einer Umstellung von einem Fiat-Geldsystem auf ein auf realen Vermögenswerten basierendes Geldsystem zu rechnen ist. … dazu könnte möglicherweise eine chinesische Währung, die an Gold oder einen Rohstoffkorb gebunden ist, zum neuen Standard für ein globales Geldsystem nach der Krise werden, in dem China die Rolle der weltweit dominierenden Wirtschaftsmacht spielt.

Indes ist das Thema Regulierung etwa von Ratinagenturen weiter en vogue. Ein guter ordnungspolitischer Kommentar stammt von Ines Läufer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Wirtschaftspolitik, Köln, unter dem Titel "Die Geister die ich rief oder: Über mächtige Rating-Agenturen und das Risiko staatlich verordneter Sicherheit.": „Durch die Regulierungsvorschriften werden den Ratingagenturen staatliche Aufsichtskompetenzen übertragen. In Verbindung mit den staatlichen Zulassungsbestimmungen für Rating-Agenturen erhalten die großen Akteure eine Macht, die ihnen andernfalls vermutlich niemals zugekommen wäre. Diese Regulierungspraxis verhindert Wettbewerb um die beste Maßnahme zur Risikoeinschätzung. Im Falle einer europäischen Rating-Agentur würde das Monopol der Gesetzgebung möglicherweise missbraucht, um politisch opportune Ergebnisse herbeizuführen, wie bspw. eine im Vergleich zu anderen Agenturen deutlich positivere Einschätzung der Bonität gewisser Staaten.“ Folgerichtig urteilt Ines Läufer: „Eine Europäische Rating Agentur würde schnell zum Spielball der Politik und eine Finanzierung der Staatsschulden über die Europäische Zentralbank schleichend zum Normalfall. Der Sicherheit und Stabilität des Finanzsystems wäre damit aber nicht gedient.

Auch Altmeister Anthony de Jasay hat auf seine unnachahmliche Weise die Forderungen nach einer EU-Ratingagentur in EconLib kommentiert: „Since, however, rating agencies will almost necessarily be created in a free market, and their self-fulfilling prophecy spoils the natural scheme of things and makes for market failure, such agencies ought to be outlawed or severely regulated. This, in a nutshell, is the view if much of the Brussels bureaucracy and of semi-educated European commentators. It is becoming parrot-talk."

Die frohe liberale Botschaft wird inzwischen von einer Fülle unterschiedlicher Medien verbreitet, bewusst und unbewusst. Um froh zu sein bedarf es nun nur noch eines hinreichenden Hörvermögens der Entscheidungsträger und natürlich verantwortungsvollem Handeln.

 
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