Startseite Zur Ordnungspolitik Gute/Schlechte Ökonomen Was man sieht und was man nicht sieht – Tagfahrlicht
Was man sieht und was man nicht sieht – Tagfahrlicht PDF Drucken E-Mail

(via FAZ) Verkehrsexperten in aller Welt fordern die flächendeckende Einführung von Tagfahrlicht zur Unfallprävention seit Jahren. Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) prognostiziert einen möglichen jährlichen Rückgang um 16.000 Verletzte und fast 200 Tote im Straßenverkehr. In Österreich hat das Verkehrsministerium im Herbst 2005 das Einschalten von Abblendlicht am Tag bei Bußgeldandrohung vorgeschrieben – deutsche Autofahrer sind sehr willkommen in Österreich. Die Bilanz fiel zwei Jahre später ernüchternd aus: Die Unfallzahlen waren entgegen den Erwartungen nur geringfügig gesunken. In Deutschland gingen die Quoten in derselben Größenordung von 2,5-5% zurück, allerdings ohne den Tagfahrlichtzwang. Gleichzeitig stieg in Österreich die Zahl der getöteten Fußgänger und Fahrradfahrer im Vergleich zu Deutschland beträchtlich an.

Verkehrswissenschaftler sehen ihre Warnungen bestätigt, weil schwächere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Radfahrer und Motorradfahrer im Lichtermeer untergehen und in schwere Unfälle verwickelt werden. Die Autofahrer sehen nur noch was man sieht, weil es leuchtet. Der österreichische Verkehrsminister Werner Faymann will die Konsequenzen ziehen und die Lichtpflicht am Tag aufheben. Sein deutscher Kollege Wolfgang Tiefensee fordert hingegen die Einführung der Tagfahrlichtpflicht. Wie der österreichische Automobilclub ÖAMTC setzt er sich für den serienmäßigen Einbau von Tagfahrleuchten in Neuwagen ein. Diese scheinen ein idealer Kompromiss zu sein, weil sie weniger blenden als Hauptscheinwerfer und auch nur einen Bruchteil elektrischer Energie verbrauchen.
Allerdings ist auch diese politische Intervention nichts kostenlos zu haben, weder ökonomisch noch ökologisch. Fahren mit Licht am Tag verursacht einen durchschnittlichen Mehrverbrauch von 0,2 Litern pro 100 Kilometer. Bei rund 47 Mio. Pkw und einer durchschnittlichen Jahresfahrleistung von 15.190 Kilometern (laut DAT) summiert sich dies auf einen Mehrverbrauch von 1,14 Milliarden Liter Benzin und Diesel (bereits abgezogen sind 20% für Nachtfahrten) und einen zusätzlichen Kohlendioxidausstoß von 2,8 Mio. Tonnen. Dies entspricht ziemlich genau der Einsparung durch das von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel propagierte Tempolimit 130.
Wie schön, könnte man ausrufen, haben wir es doch mit einem klassischen Beispiel im Sinne von Frédéric Bastiats „Ce qu'on voit et ce qu'on ne voit pas“ aus dem Jahr 1850 zu tun. So bringt der behauptete, aber nie bewiesene Gewinn an Verkehrssicherheit im Fall der Realisierung ökonomische und ökologische Mehrkosten in Milliardenhöhe. Zusätzlich steigt das (tödliche) Unfallrisiko für schwächere Verkehrsteilnehmer. Was liegt näher als eine Beleuchtungspflicht für Fußgänger zu fordern? (Ähnliche Ideen haben Tiefensee bereits eine Auszeichnung mit der „Goldenen Galeere“ eingebracht)

 
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