Startseite Zur Ordnungspolitik Gute/Schlechte Ökonomen Gleichheit! – sozialistische Sprache im Visier
Gleichheit! – sozialistische Sprache im Visier PDF Drucken E-Mail

Es lohnt sich Wirtschaftsnachrichten bei zu lesen. Das liegt weniger am Inhalt, es sei denn Sie sind ein Freund der Freiheit und benötigen ein echtes Feindbild; dann bietet sich Wirtschaftschefredakteur Gabor Steingart als kollektivistischer Shooting Star an. Vielmehr ist es lehrreich sich das Vokabular genauer anzusehen, mit dem der Spiegel Stimmung gegen wirtschaftliche Freiheit macht.

Der jüngste Artikel „Soziale Unterschiede am Arbeitsmarkt verschärfen sich“ gibt unkritisch eine Untersuchung der Industriegewerkschaft Metall wieder. Billigarbeit soll auf dem Vormarsch sein. „Ausgezeichnet!“ würden Verfechter einer sozialen Marktwirtschaft rufen, endlich entsteht in Deutschland ein dringend notwendiger Niedriglohnsektor, zum Vorteil von Konsumenten und bisher Arbeitslosen.
Leider ist das nicht der Fall, wer das Jahresgutachten des Sachverständigenrates zur Kenntnis genommen hat. Zudem will der Spiegel ja suggerieren, dass Arbeit in Deutschland immer schlechter bezahlt wird. So sollen immer mehr Arbeitnehmer in einem „prekären Arbeitsverhältnis“ angestellt sein. Mit dem täuschenden Terminus prekär ist wohl schwierig, heikel, misslich gemeint. Nun existiert in der Volkswirtschaftslehre ein solcher Kampfbegriff nicht, da es sich um eine reine politische Deutung handelt, bei der Wissenschaftlichkeit lediglich vorgetäuscht wird. Freunde der Marktwirtschaft heißen einen deregulierten Arbeitsmarkt gut, da dieser bestmögliche Beschäftigungschancen für alle bietet. Schließlich können unternehmerische Anpassungen an sich ständig ändernde Marktlagen durch Entlassungen und Einstellungen schnell vorgenommen werden. Eine Entlassung bedeutet dann Arbeitsplatzwechsel und nicht Langzeitarbeitslosigkeit. Verfechter einer Nullsummengesellschaft, bei denen ein Arbeitsplatzverlust endgültig ist, müssen jedoch Veränderungen kritisieren  Es verwundert nicht, dass der Spiegel keine Ursachenforschung betreibt, sondern die Schuld mit dem schwammigen Begriff „Ausnutzungsbeschäftigung“ den Unternehmen in die Schuhe schiebt. Dass tatsächlich nicht die Unternehmen die Verantwortung tragen, für die feste Arbeitsverhältnisse aufgrund hoher Kosten und erschwerter Kündigungsmöglichkeiten unattraktiv geworden sind, sondern der Staat, dass hier offensichtlich nicht Marktversagen, sondern Staatsversagen vorliegt, passt nicht in die Gewerkschaftslinie. Schließlich haben diese ihr Tarifmonopol ja dem Staat zu verdanken.
„Soziale Unterschiede am Arbeitsmarkt“ zeigt beispielhaft die „Adornoisierung“ und das „Verhabermasen“: Hier werden das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage nach menschlicher Arbeit, das wir mit der Chiffre Markt versehen haben, mit einem völlig anderen Ordnungsbereich von Wirtschaft und Gesellschaft vermengt, dem Sozialbereich. Soziale Unterschiede können unter anderem Folge verschiedener Beschäftigungsverhältnisse sein, z.B. beim Professor für Kunstgeschichte und beim Fernfahrer. Sie sind aber vor allem durch die unterschiedlichen genetischen Voraussetzungen und Lebenswege der Menschen in ihrer Ganzheit bedingt. Menschen sind grundsätzlich verschieden, und das ist gut so, schon allein, weil sonst das Leben unglaublich langweilig wäre.
Und genau an dieser Stelle kommt die Ideologie zum Vorschein, die der Argumentation von Gewerkschaftsstudie und Spiegel zu Grunde liegt: die Menschen sollen gleich sein. Nicht gleich vor dem Gesetz, sondern materiell gleich. So lautet die Aufgabe, der sich die Gewerkschaften verschrieben haben: „die Einkommenskluft zwischen Stamm- und Randbelegschaft ‚möglichst klein zu halten’".
Die Folgen dieser Ideologie sind bekannt, ihr Aushängeschild ist der Trabbi. Für die Spiegel-Intellektuellen ist die (unwissentlich) propagierte Gleichheit in Armut vielleicht weniger problematisch als deren politisch zwangsläufige Konsequenz: ohne wirtschaftliche Freiheit gibt es keine politische Freiheit. Gut, dass zuweilen noch gilt: Spiegel-Leser wissen mehr.

 
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