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Führt Anarchokapitalismus zum Feudalismus? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: mvp   
Freitag, 27. August 2010

Anarchokapitalisten und Befürworter einer Privatrechtsgesellschaft greifen mit einer Vielfalt guter Gründe das staatliche Herrschafts- und Gewaltmonopol an. An dessen Stelle soll das völlig dezentralisierte Zusammenleben von Individuen treten, die - vielfach freiwillig in Gruppen zusammengeschlossen - ihren Schutz von Leben und Eigentum durch private Gewaltunternehmer sichern.

Klassische Liberale und Minarchisten halten das für eine Utopie, die in eine Dystopie umzuschlagen droht. Sie weisen auf das ungelöste, nur verschobene Machtproblem hin. An die Stelle des Staates treten nun Unternehmer. Erforderlich sei, in Anlehnung an Ludwig von Mises, eine Gesellschaft von Engeln. Zudem habe die Geschichte wiederholt die Unmöglichkeit eines herrschaftsfreien Daseins illustriert, aktuell am Beispiel Somalias. Leider sei der Staat eine der erfolgreichsten Institutionen der Geschichte, der der Natur des Menschen zu entsprechen scheine. Schon Aristoteles habe in „Politik“ den Menschen als „staatenbildendes Wesen“ charakterisiert.

Aus dem anarchokapitalistischen Lager erklingt reflexartig Schelte. Das Konzept werde missverstanden. Empirie sei kein Argument gegen eine logisch überlegen durchdachte, bessere Zukunft. Die real existierenden Bedingungen müssten so geändert werden, dass durch eine in allen Gesellschaftsbereichen staatsfreie Lebensweise eine Privatrechtsgesellschaft (institutionell) getragen werde. Wer über Eigentum statt Einkommen als Lebensgrundlage verfüge und in privaten Schulen gebildet werde, könne eine solche Ordnung aus Überzeugung mittragen.

Was bleibt? Eine sezessives echtes anarchokapitalistisches Experiment ist überfällig. Ansätze dafür gibt es, ob in Form des Seasteading von Patri Friedman oder in zumindest verwandter Weise die Charter Cities von Paul Romer.

Zugleich kann ein Blick in die Geschichte Denkanstöße geben. Das gilt insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Transformation in Richtung einer friedlichen Anarchie.

In der Auflösungsphase des Römischen Reiches wurde die Zentralgewalt zunehmend auf dezentrale Heerführer verlagert. Infolgedessen wurde ein Konflikt zwischen Kaiser und Generälen möglich. Institutionelle Regeln schwanden, personelle Bindungen gewannen an Bedeutung. Zwar waren die Römer vermehrt vom Kämpfen zum Bezahlen von Söldnern übergegangen. Eine Entmilitarisierung der Zentralgewalt schuf nun aber auch Konfliktpotenzial zwischen den Feldherren um (höhere) Kommandos.

Sind ähnliche Prozesse bei einer Privatisierung des Gewaltmonopols zu erwarten? Würde ein Wettbewerb der Gewaltunternehmer stabil bleiben? Gilt das auch ohne „Schiedsrichter“ über ihnen? Was wird aus dem Machtstreben, das einigen Menschen innewohnt? Führt Anarchokapitalismus zum Feudalismus? Wäre es dann noch möglich, das Territorium zu wechseln? Wer setzt die Herrschaft des Rechts durch? Es scheint als würden selbst ein paar Teufelchen unter vielen Engeln ausreichen, um ein territoriales Gewaltmonopol zu errichten.

 
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