Startseite Zur Ordnungspolitik Grundsätze „Free Banking“: Für gutes Geld!
„Free Banking“: Für gutes Geld! PDF Drucken E-Mail

Vor fast 500 Jahren schrieb Nikolaus Kopernikus in seinem „Memorandum über Geld und Inflation“: „Unter den unzähligen Übeln, welche den Zerfall ganzer Staaten herbeiführen, sind wohl vier als die vornehmlichsten anzusehen: innere Zwietracht, große Sterblichkeit, Unfruchtbarkeit des Bodens und die Verschlechterung der Münze. Die ersten drei liegen so klar zutage, dass sie schwerlich jemand in Abrede stellen wird. Das vierte Übel jedoch, welches von der Münze ausgeht, wird nur von wenigen beachtet, und nur von solchen, welche ernster nachdenken, weil die Staaten allerdings nicht gleich beim ersten Anlauf, sondern ganz allmählich und gleichsam auf unsichtbare Weise dem Untergang anheimfallen.“

Ursache der ersten Weltwirtschaftskrise des 21. Jahrhunderts ist Staatsversagen. Im Zentrum steht die Politik des billigen Geldes der Zentralbanken, ohne die es die aktuelle „Große Rezession“ nicht gegeben hätte. Seitdem US-Präsident Nixon im August 1971 die verbliebene Teildeckung des US-Dollars als Weltleitwährung durch Gold aufgehoben hat sind weit mehr als 100 Finanzkrisen weltweit zu beklagen. Zentralbanken, darunter auch die EZB mit zeitweise zweistelligen Wachstumsraten der Geldmenge, sind Inflationsbehörden. Solange sie das Monopol für die Geldproduktion innehaben, wird es weitere geldpolitisch verursachte monströse Konjunkturzyklen geben. Friedrich August von Hayek wies auf die tiefere Ursache mit den Worten hin: „Keine Behörde kann im Vorhinein feststellen, sondern nur der Markt kann entdecken, was die 'optimale Geldmenge' ist.“ Schlechtes Geld, im Mittelalter als Falschmünzerei bekannt, beeinträchtigt den Austausch von Gütern und Dienstleistungen und untergräbt die soziale Ordnung. Das Preissystem – Herzstück der Marktwirtschaft – wird durch die Inflationspolitik gestört und gerade die Zinsen können ihre Koordinationsfunktion nicht ausreichend wahrnehmen.

Eine neue gerechte Geldordnung ist folglich die zentrale Herausforderung unserer Zeit. Angesichts der Überschuldung vieler westlicher Staaten wird das Thema „Währungsreform“ ohnehin eher früher als später, auf der Tagesordnung stehen – verdeckt oder offen. Auf der Agenda für die Freiheit steht ganz weit vorn die Notwendigkeit, die überkommene staatsmonopolistische Geldproduktion marktwirtschaftlichen Regeln und damit dem Wettbewerb zu unterwerfen. Jörg Guido Hülsmann hat in „Die Ethik der Geldproduktion“ aufgezeigt, dass das aus ethischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Gründen notwendig ist. Nur so besteht die Hoffnung, staatspolitisch verursachte Krisen einschließlich Massenarbeitslosigkeit und Inflation zu vermeiden. Friedrich August von Hayek begründete das Vorhaben wie folgt: „Der Vorschlag, der Regierung das Geldmonopol und die Macht zu entziehen, Geld zum 'gesetzlichen Zahlungsmittel' zu machen, mit dem alle vorhandenen Schulden zu tilgen sind, erfolgte hier in erster Linie, weil Regierungen diese Macht im Laufe der Geschichte ständig und unvermeidlich grob mißbraucht und dadurch den automatisch arbeitenden marktwirtschaftlichen Steuerungsmechanismus, nämlich das Preissystem, schwerwiegend gestört haben.“

Nur zwei Jahre nachdem Hayek den Nobelpreis erhalten hatte, legte er mit „Die Entnationalisierung des Geldes“ seinen Vorschlag zu Beseitigung des staatlich angemaßten Monopols vor: „Freihandel mit Geld“ und „Freihandel bezüglich der Bankgeschäfte“. Das künstliche staatliche Privileg eines gesetzlichen Zahlungsmittels wird durch die Zulassung privaten Geldes abgeschafft. Hayek formulierte seine Idee wie folgt: „Der konkrete Vorschlag für die nahe Zukunft ... besteht darin, daß sich die Länder des Gemeinsamen Marktes ... gegenseitig durch formalen Vertrag binden, weder dem Handel in ihren gegenseitigen Währungen (inklusive Goldmünzen) noch einer in gleicher Weise freien Ausübung von Bankgeschäften seitens jeder in einem ihrer Territorien gesetzlich niedergelassenen Bank irgendwelche Hindernisse in den Weg zu legen.“
Erst durch die Privatisierung des Geld- und Kreditsystems kann Geld wieder zu dem wertvollen Gut werden, dass es über Jahrhunderte war. Schließlich ist Geld keine staatliche Erfindung, sondern Resultat eines sozialen Evolutionsprozesses genauso wie Traditionen und Recht auch. Gutes Geld ist knapp und nicht wie heute in inflationärem Ausmaß vorhanden. Von je her hat nur staatliche Falschmünzerei desaströse Folgen. Auch für die Geldproduktion gilt: Der Wettbewerb sorgt für besseres Geld als es die Regierungen jemals produzieren würden, geschweige denn könnten. Der Wettbewerb zwingt die Emittenten, den Wert ihres Geldes konstant zu halten. Gutes Geld würde rasch schlechtes Geld ersetzen. Wer möchte schon Geld besitzen, das im Vergleich mit anderen Zahlungsmitteln sichtbar an Wert verliert?

Der Übergang zum Free Banking lässt sich in einem zweistufigen Verfahren vollziehen. Zunächst werden die Verbindlichkeiten der Banken in einem festen Umtauschverhältnis an Gold angebunden, das noch in den Kellern der Zentralbanken lagert. Allen Geldhaltern wird zudem das Recht eingeräumt, ihre Bankguthaben jederzeit in Gold umzutauschen. Anschließend wird das Geldsystem  privatisiert, sodass die Menschen ihr Zahlungsmittel frei wählen und vertraglich vereinbaren können. Dann herrscht Freihandel mit Geld und bezüglich der Bankgeschäfte. Wie bei allen anderen Gütern auch wird sich Qualität durchsetzen, vielleicht in Form Gold gedeckter Währungen, die sich in der Geschichte durch besondere Wertstabilität ausgezeichnet haben. Es muss hier also nicht betont werden, dass es nicht um mehr Geld geht, sondern um werthaltigeres, knapperes Geld. Ziel sind gerade nicht möglichst viele billige Kredite, um die Wirtschaft anzukurbeln. Vielmehr geht es um ihre Eindämmung – im Gegensatz zu einigen Freigeldbewegungen.

Private Geldproduktion bedeuet das Ende der Zentralbanken als Monopolisten in ihrer heutigen Funktion, genauso wie das Ende der nationalen Währungs- und Geldpolitik. Das Bruchteilreservesystem verschwindet und die Zinsen werden nicht mehr manipuliert, sondern bilden sich auf natürliche Weise, in Abhängigkeit der Zeitpräferenz durch Angebot und Nachfrage. Zugleich gibt es weder den „Lender of last resort“ noch „Bailouts“ noch monetär bedingten „Moral hazard“. Ferner wird die Gefahr stärker als heute gebannt, dass die Geschäftstätigkeit das Ausmaß der Finanzinstitute und sogar der Nationalstaaten übersteigt.

Free Banking wird Banken-Krisen genauso wie exzessive Konjunkturzyklen verhindern. Und schließlich ist die in allen Wohlfahrtsstaaten praktizierte horrende Staatsverschuldung zur Finanzierung von Kriegen und einer längst absurden Umverteilung mit Free Banking unvereinbar. Die Privatisierung des Geldes ist also nicht nur der Schlüssel für gutes Geld, sondern auch für eine drastische Beschränkung des Schuldenstaates. Das ist zugleich ein Grund, warum die Regierungsapparate die Masse der Menschen in ihrem Glauben bestärken, Free Banking sei das Hirngespinst verwirrter Geister. Um auf Kopernikus zurückzukommen: Es mag wie eine umstürzende Erkenntnis klingen, aber die Sonne dreht sich nicht um die Erde!

 
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