| Sicherung von Wettbewerb und Freiheit gehen Hand in Hand |
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Der Wettbewerb ist der Motor des Marktsystems. Ohne den Wettbewerb kann ein Marktsystem nicht funktionieren. Der Wettbewerb ist unteilbar, da jeder Teil des Marktes wie auch alle Preise sich gegenseitig beeinflussen und von einander abhängig sind: „Alle Waren und Dienstleistungen stehen im Wettbewerb mit allen übrigen Waren und Dienstleistungen.“ urteilte Ludwig von Mises. Außerdem bestimmt der Wettbewerb den Koordinations- und Evolutionsprozess; er wird damit zum Problemlösungs- und Entdeckungsverfahren. Das Marktsystem ist eine geordnete, aber von keinem Menschen bewusst geplante und herbeigeführte Struktur. Sie resultiert aus der Koordination der Interessenverfolgung und Problemlösung einer Vielzahl von Menschen – dies geschieht wie von einer unsichtbaren Hand geleitet. Im Marktsystem werden Informationen vermittelt und Wissen verwertet, das niemand in seiner Gesamtheit kennen kann. Die ständigen Anpassungen im Marktprozess machen aus dem Ganzen einen evolutorischen Prozess, in dem es Innovation, Selektion, Imitation und zeitweise Stabilität gibt. Das Marktssystem ist eine „Zwillingsidee von spontaner Ordnung und Evolution“ (Hayek). Die Marktteilnehmer verfolgen ihre eigenen Ziele und Pläne frei entlang von allgemeinen Regeln. Vollständige Konkurrenz ist eine Fiktion. Wenn alle Marktteilnehmer die gleiche Macht haben, herrscht zwar Machtlosigkeit, aber auch ein wettbewerbsloser, stationärer Zustand ohne Evolutionsmöglichkeit. Vielmehr ist das Entstehen von Machtvorsprüngen, die sich aus der besseren Fähigkeit zu Beherrschung der Unternehmensumwelt ergeben, für den Wettbewerb genauso konstitutiv wie die Erosion derartiger Machtvorsprünge. „Wettbewerb lässt sich deshalb auch als ein sozialer Prozess der Neubildung und Erosion von Macht, die aus größerer Fähigkeit zur Beherrschung der natürlichen Umwelt fließt, beschreiben.“ (Erich Hoppmann). Wettbewerbspolitik kann daher nicht jede Macht bekämpfen, sondern nur dort ansetzen, wo sie den Wettbewerb beeinträchtigt. Allerdings ist Marktmacht ein ungeeignetes Kriterium, weil etwa Unternehmensgröße oder Konzentrationsgrad Gradmesser für erfolgreichen Wettbewerb sein können. Irrelevant ist auch das Kriterium des Marktanteils, schon allein wegen eines innovatorischen Monopols. Wettbewerbsbeschränkungen sind aber durch Verhinderung des Zugangs zu Ressourcen oder durch Ausüben von Zwang problematisch, weil Wettbewerb verhindert wird – und Freiheit eingeschränkt wird. Was ist zu tun? Die beiden wichtigsten Lösungen des Machtproblems bestehen im Unterlassen staatlicher Maßnahmen – einerseits durch Unterlassen staatlicher Interventionen zu Gunsten von Sonderinteressen, andererseits durch Unterlassen staatlicher Maßnahmen zur Wettbewerbsverhinderung. Die wesentlichen Wettbewerbsprobleme ließen sich so beseitigen. Dabei geht es nicht um einen funktionsfähigen Wettbewerb, da dieser ein offener Prozess ist und keine idealen Marktergebnisse zeitigt, anhand derer eben die Funktionsfähigkeit des Wettbewerbs gemessen werden könnte. Beim Wettbewerb und dem Marktsystem handelt es sich ja wie angedeutet noch nicht einmal um eine menschliche Erfindung, sondern um eine nachträgliche Entdeckung, die wir nur unvollständig durchschauen. Die Idee des funktionsfähigen Wettbewerbs ist eine Anmaßung von Wissen und beinhaltet den Glauben an die Fähigkeit einer zentralen Feinsteuerung. Statt dessen gilt es, die Freiheit des Wettbewerbs zu sichern. In den Fokus geraten Kartelle und andere beschränkende Verträge. Allerdings ist eine marktbeherrschende Stellung nicht wettbewerbswidrig, wenn sie auf dem Wege des Wettbewerbs gewonnen wurde (Hoppmann). Es kann bei der Sicherung der Freiheit des Wettbewerbs also nur um die Prinzipien, nicht aber die Ergebnisse gehen. „Wettbewerb ist ein Preisbildungsprinzip, er ist keine Maschine, die einen bestimmten besonderen Preis, bzw. bestimmte besondere Marktergebnisse hervorbringt.“ (Erich Hoppmann) Diskriminierende Praktiken und Aktionen, die Wettbewerber zu bestimmten Verhalten zwingen sollen, sollten als monopolistisches Verhalten illegal sein. Die Aufgabe in einer freien Gesellschaft besteht darin, in einem Prozess von Versuch und Irrtum Anti-Monopolisierungspraktiken zu entdecken. Dafür sind Konstanz und Kontinuität der Wirtschaftspolitik unerlässlich. Quelle: Erich Hoppmann: Marktmacht und Wettbewerb, Tübingen 1977. |




