Startseite Zur Ordnungspolitik Grundsätze Wir brauchen mehr Ungleichheit!
Wir brauchen mehr Ungleichheit! PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 16. September 2007

FotoUngleichheit gilt vielfach als Missstand, dem es abzuhelfen gilt. Einer jüngsten Umfrage zufolge halten über 80% der Deutschen die Einkommens- und Vermögensverteilung für sozial ungerecht. Sie sitzen damit einem großen Irrtum auf, zu dem sie von den Sozialdemokraten aller Parteien verleitet werden.
Friedrich August von Hayek hat sich im März 1981 in einem Interview in der Wirtschaftswoche zur Ungleichheit und zur „sozialen Gerechtigkeit“ geäußert. Es lohnt sich, den großen klassischen Liberalen noch einmal zu Wort kommen zu lassen (Dank an GB):

Hayek: Was wir heute erleben, ist das Ergebnis einer grundsätzlichen Konfusion, die von dem angeblich liberalen britischen Denker John Stuart Mill ausging. In seinen „Prinzipien der politischen Ökonomie“ schrieb Mill einen Satz, der die Grundlage für alle sozialistischen Ideen bildet: „Ist das Sozialprodukt erst einmal da, kann man damit machen, was man will.“ Dabei wurde völlig übersehen, dass der Produktionsprozess nicht unabhängig ist vom Verteilungsprozess, das heißt, man kann mit dem Sozialprodukt eben nicht machen, was man will.

WiWo: Wollen Sie damit sagen, eine ungleiche Verteilung des Sozialprodukts sei Voraussetzung dafür, dass es überhaupt erst entsteht?

Hayek: Genau das. Ungleichheit ist nicht bedauerlich, sondern höchst erfreulich. Sie ist einfach nötig. Leider Gottes ist das Sozialprodukt nur da, weil Menschen nach ihrer Produktivität entlohnt und dorthin gelockt werden, wo sie am meisten leisten. Gerade die Unterschiede in der Entlohnung sind es, die den einzelnen dazu bringen, das zu tun, was das Sozialprodukt entstehen lässt. Durch Umverteilung lähmen wir diesen Signalapparat. Und nicht nur das: Wir unterbinden auch die ständige Anpassung an sich laufend verändernde Umstände, durch die allein die Wirksamkeit unseres Produktionsapparates erhalten werden kann, Umstände, von denen der einzelne nichts weiß, über die er nur durch den Marktmechanismus informiert werden kann.

Friedrich August von Hayek hat vor mehr als einem Vierteljahrhundert zwei zentrale Probleme des demokratischen Wohlfahrtsstaates angesprochen, die heute für die deutsche Malaise verantwortlich sind: Mangelnde Ungleichheit und mangelnde Anpassungsfähigkeit als Folge staatlicher Zerstörung des Preismechanismus. Diese staatliche Anmaßung hindert uns daran, das zu tun, was, was wir tun sollten, weil eben die Preise vielfach als Signalgeber nicht mehr funktionieren. Die Folgen sind Massenarbeitslosigkeit, ein im Raum stehender Staatsbankrott und ein relativ zurückbleibender Wohlstand. Die ideologische Grundlage dieser schweren Störung liefert Hayek in einem späteren Teil des Interviews:

WiWo: Umverteilung, national wie international, ist Ausfluss der heute nahezu allgemein akzeptierten Idee sozialer Gerechtigkeit. Halten Sie davon denn gar nichts?

Hayek: Nein, nicht das geringste. Was heißt denn hier Gerechtigkeit? Wer ist denn da gerecht oder ungerecht? Die Natur? Oder Gott? Jedenfalls nicht die Menschen, da die Verteilung, die aus dem Marktprozess hervorgeht, nicht das beabsichtigte Ergebnis menschlichen Handelns ist. Daher ist der Begriff soziale Gerechtigkeit in einer marktwirtschaftlichen Ordnung mit freier Berufswahl völlig sinnlos. Soziale Gerechtigkeit kann es nur in Befehlswirtschaften geben, wo der Staat über die relativen Einkommen der einzelnen Bürger bestimmt.

Ich bin der festen Überzeugung, der größte Dienst, den ich meinen Mitmenschen erweisen kann, besteht darin, Schriftsteller, Journalisten und Redner dazu zu bringen, sich zu schämen, diesen Begriff jemals wieder zu verwenden. Diese unglückselige Idee so genannter sozialer Gerechtigkeit behauptet, dass die Entlohnung des einzelnen nicht davon abhängen soll, was er tatsächlich zum Sozialprodukt beiträgt, sondern davon was er verdient.

WiWo: Ist das nicht fair?

Hayek: Das ist leider Unsinn. Ein faires Rennen ist nicht eins, in dem der gewinnt, der es verdient, sondern in dem nicht geschoben wird, in dem sich alle an die Spielregeln halten, Der Wert der menschlichen Leistung ist nun einmal sehr verschieden vom subjektiven Verdienst des einzelnen. Auch wenn man mit dem größten Eifer sich bemüht, wenn es für die anderen Marktteilnehmer nichts wert ist, so hilft’s nun mal nicht,

WiWo: Was heißt dann für Sie Gerechtigkeit?

Hayek: Es gibt für mich nur eine Gerechtigkeit, das ist die Gleichheit vor dem Gesetz. Jede Abweichung davon selbst mit besten Absichten, öffnet der Willkür Tür und Tor, zerstört die Freiheit und damit den höchsten Wert, weil Voraussetzung für alle anderen Werte. Wer soll denn bestimmen, wer was verdient? Und wer verhindert, das über kurz oder lang nicht mehr die Gruppen begünstigt werden, die es, nach welchen Maßstäben auch immer, verdienen, sondern schlicht und einfach die, die den größten politischen Nutzen abzuwerfen versprechen?

FOP: Trotz der derzeit erdrückenden Dominanz der Ideologie der "sozialen Gerechtigkeit" (siehe auch das Allgemeine Gängelungsgesetz) hilft die Globalisierung dabei, die Ungleichheit zu vergrößern. Es besteht die Hoffnung, dass sich die "soziale Gerechtigkeit" im weltweiten Wettbewerb tot läuft. Dass diese Schande, um mit Hayek zu sprechen, ein Ende findet, daran können wir alle mitwirken, jederzeit und überall.

 
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