| Freiheit versus Freiheiten |
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Was bedeutet Freiheit? Was verstehen wir Liberale unter Freiheit? Und welchem Missbrauch ist der Freiheitsbegriff ausgesetzt? Eine besonders präzise Antwort gibt Friedrich August von Hayek im ersten Kapitel seines Buches „Verfassung der Freiheit“. Die „Verfassung der Freiheit“ ist Hayeks jüngstes Alterswerk. Erschienen 1960 auf englisch und erst elf Jahre später auf deutsch, stellt der Band eine systematische wissenschaftliche Ausarbeitung der zum Teil populären Ausführungen dar, die Hayek 1944 in „The Road to Serfdom“ formuliert hatte. So steht Freiheit im Gegensatz zu politischer Freiheit. Letztere bedeutet eine Beteiligung der Bürger an der Wahl der Regierung und ist eine kollektive Freiheit. Die politische Freiheit bedeutet jedoch weder, dass es sich um ein Volk freier Menschen handelt noch ist diese notwendig, um als Individuum frei zu sein. Ein Sklave wird durch das Stimmrecht nicht frei. Freiheit steht im Gegensatz zur inneren Freiheit oder Willensfreiheit. Die Fähigkeit zu wählen und zu entscheiden ist wichtig; sie hat jedoch nichts mit Zwang zu tun. Überdies hat die dahinter verborgene Vorstellung, was wir tun sollen, um vermeintlich innerlich frei zu werden, nichts mit Freiheit zu tun. Ein Sklave wird durch innere Freiheit nicht frei. Macht stellt die gefährlichste Beeinträchtigung der Freiheit dar. Die Freiheit zu tun, was ich will, dies physisch zu tun, bedeutet nichts anderes als Allmacht. Hier droht die Gefahr, dass die Freiheit im Namen der Freiheit aufgehoben wird. Wohlhabenheit und Freiheit sind grundverschieden: „Ob ich mein eigener Herr bin und meiner eigenen Wahl folgen kann oder nicht, und ob ich andererseits die Möglichkeiten, unter denen ich wählen kann, viele oder wenige sind, sind zwei ganz verschiedene Fragen.“ Der komfortabel versorgte Kettenhund ist unfrei, der in der Wildnis nach Nahrung suchende Fuchs dagegen frei, so lautet bekanntlich das zutreffende liberale Credo. Mit dem besonders häufig geäußerten Vorwurf der Sozialisten, dass liberale Freiheitsverständnis sei bloß negativ, setzt sich Hayek anschließend auseinander. Er entgegnet Freiheit gehöre zu der gleichen Kategorie von Begriffen wie Frieden und Sicherheit. Insofern ist die Abwesenheit von Zwang anderer Menschen tatsächlich zuerst eine negative, weil abwehrende Definition. Das besagt aber über die Kategorisierung hinaus rein gar nichts. Überdies wir die Freiheit durch Gebrauch positiv. Freiheit ist nicht teilbar, Freiheiten sind Privilegien: „Der Unterschied zwischen Freiheit und Freiheiten ist derselbe wie der zwischen einem Zustand, in dem alles erlaubt ist, was nicht durch allgemeine Regeln verboten ist, und einem Zustand, in dem alles verboten ist, was nicht ausdrücklich erlaubt ist.“ Im Abschnitt "Freiheit, Zwang und das Recht" definiert Hayek Zwang als im Dienst anderer Menschen handeln zu müssen. Auf diese Weise wird ein Mensch zum Werkzeug. Zugleich werden sein Denken und sein Wissen ausgeschlossen. Allerdings ist Zwang nicht völlig vermeidbar, da nur Zwang dem Zwang begegnen kann. Den Zwang, den der Staat ausüben kann, gilt es zu minimieren. Auf diese Weise hilft der Staat den Individuen und gerade der Zwang wird zu einem Werkzeug, mit dem der Einzelne in der Verfolgung seiner Ziele unterstützt wird, aber nicht als Mittel zur Erreichung von Zielen anderer benutzt werden kann.
Wenn Sie von der geistigen Champions League in die Niederungen der kleingeistigen Kreisklasse hinabsteigen wollen, lesen Sie den verschwurbelten Text unseres früheren Kulturstaatsministers Julian Nida-Rümelin: Eine Verteidigung von Freiheit und Gleichheit, in Zeitschrift für Politik 53 (2006), 3-25. Hardy Bouillon hat in seiner Habilitationsschrift "Freiheit, Liberalismus und Wohlfahrtsstaat" Kritik an Hayeks Freiheitsbegriff geübt. Seine libertäre Alterative sorgt jedoch eher für Verwirrung. Demnächst erscheint von Philipp Graf Batthyany eine umfassende Arbeit über den Freiheitsbegriff Hayeks. |




