Wie funktioniert Entwicklung? Drucken
Geschrieben von: mvp   
Mittwoch, 24. Dezember 2014

Entwicklung ist eines der Leitparadigmen der (westlichen) Welt. Es gilt gleichermaßen für den einzelnen Menschen wie für Gesellschaften. Für das Individuum gibt es eine Fülle von Ratgebern und Coaches, die zuweilen dem Ansatz folgen: Optimiere Dich! Tschakka, Du kannst es schaffen – mit den richtigen Techniken. Für ganze Staaten und gescheiterte Staaten gibt es eine kaum mehr überschaubare Vielzahl von NGOs und Entwicklungshelfern, die Entwicklungshilfestandards den jeweiligen Gesellschaften und Staaten überhelfen wollen.  Längst ist bekannt, dass Nation- und Statebuildung nicht funktioniert, dass Entwicklungshilfe zumeist mehr schadet als hilft. Woran liegt das?

Russ Roberts bietet in zwei Econ-Talk Episoden spannende Antworten.

In seinem Gespräch mit William Easterly, Autor des Buches „The Tyranny of Experts: Economists, Dictators, and the Forgotten Rights of the Poor“ geht es um die vernachlässigte wirtschaftliche und politische Freiheit, die technokratischen Entwicklungsansätzen zu eigen ist. Experten haben bestimmte Modelle, die sie im Ausland verwirklichen wollen. Diese Modelle sind zugleich mentale Modelle. Im Ergebnis schadet dieser zentralistische Ansatz regelmäßig besonders den Armen. Eine wirkliche Entwicklung erfordere viel mehr eine Selbstermächtigung statt der Ermächtigung herrschender Eliten. Entwicklungshilfe lässt sich demnach nur erfolgreich gestalten, wenn sie eine Unterstützung der sich Entwickelnden nach deren Bedürfnissen und Fähigkeiten sowie kulturellen Eigenheiten darstellt, die sich bei allen Unterschieden auf einen universellen Nenner bringen lässt: Die immer bessere Befriedigung von Bedürfnissen durch Human Action. Und das gelingt eben dann, wenn die sich entwickelnden Menschen und nicht die Entwicklungshelfer im Mittelpunkt stehen.

In seinem Gespräch mit Elizabeth Green, Autorin des Buches „Building a Better Teacher: How Teaching Works (and How to Teach it to Anyone)“ geht es um Lernen und Lehren. Die Quintessenz lautet: Der Lehrer sollte aus tieferer Einsicht nicht sich in den Mittelpunkt stellen, sondern mit handwerklicher Meisterschaft den individuellen Lernprozess des Lernenden unterstützen. Machtaspekte sind bei dieser Entwicklung völlig fehl am Platze, sie behindern oder zerstören den Lernprozess. Es geht nur und ausschließlich um die lernende Person. Mit den Worten von Russ Roberts Frau: „It's not about me. It's about them.“

Es ist gleichermaßen bezeichnend wie wenig verwunderlich: Sowohl bei der Entwicklung von Staaten respektive Gesellschaften als auch bei der individuellen Entwicklung ist die spontane Ordnung, die durch die Herrschaft des Rechts gesichert wird, der Schlüssel zum Erfolg. Es sind stets Menschen, die lernen (wollen) ihr Leben zu verbessern. Es ist ihr Leben. Es ist ihr persönlicher Weg. Entwicklung ist individuell. Hilfe kann nur in einem Angebot bestehen, dass eine spezifische Unterstützung bei der Selbstermächtigung bietet. Hilfe ist viel anspruchsvoller als gemeinhin angenommen.