Startseite Zur Ordnungspolitik Grundsätze Freiheit in Deutschland – eine historische Erklärung
Freiheit in Deutschland – eine historische Erklärung PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: mvp   
Donnerstag, 03. Mai 2012

Roland Vaubel, Professor für Politische Ökonomie in Mannheim, hat in einem lesenswerten Artikel in ORDO 2010 den Versuch unternommen, „das schwierige Verhältnis der Deutschen zur Freiheit mit ihren historischen Erfahrungen und den geographischen Gegebenheiten zu erklären“.

Das Ergebnis: Der Wettbewerb der fragmentierten Fürstentümer um mobiles Kapital, Eliten wie Kaufleute, Wissenschaftler und Künstler, hat in Deutschland Freiheit und wirtschaftliche Entwicklung gefördert. Freiheits- und Marktrechte wurden gewährt und konfiskatorische Besteuerungen begrenzt; zugleich konnten sich unparteiische Gerichte entwickelten, vor allem in den abgesehen von Norditalien einzigartig unabhängigen Städten. Allerdings war Deutschland, anders als man erwarten könnte, nicht treibende Kraft der europäischen Freiheitsentwicklung, die wie ein „europäisches Wunder“ anmutet, tatsächlich aber ein Wettbewerb der Herrscher um kreative und produktive Eliten war. Das liegt an retardierend wirkenden Sonderfaktoren wie der prekären Mittellage in Europa, welche in Verbindung mit fehlenden natürlichen Grenzen Deutschland wiederholt zum Schauplatz verheerender Kriege machte. Hinzu kommt das ambivalente Verhältnis der Kirche zur Freiheit. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg verfolgte Westdeutschland im Schulterschluss mit den Amerikanern wieder eine freiheitliche Wirtschaftspolitik. Dekartellisierung und Entflechtung, Gewerbefreiheit, keine Verstaatlichungen und auch keine Mitbestimmung in Unternehmen, ferner stabiles Geld und eine unabhängige Zentralbank, Dezentralisierung der Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie die Liberalisierung des Außenhandels waren die entscheidenden Politikfelder für den einzigartigen Wirtschaftsaufschwung. Nur in den beiden Politikfeldern Verstaatlichungen und Protektionismus hat es wenig drastische Rückschritte gegeben. Angesichts des ambivalenten Verhältnisses der Deutschen zur Freiheit, hier die historisch gewachsenen Wertvorstellungen, dort die freiheitliche Anforderungen für eine erfolgreiche Entwicklung der Gesellschaft, gibt es nur begrenzten Anlass zum Optimismus, es sei denn, man schraubt seine Erwartungen deutlich zurück.


Quelle: Roland Vaubel: Freiheit in Deutschland: Wettbewerb der Staaten, Einfluss der Kirche, amerikanisches Erbe - Versuch einer historischen Erklärung, in ORDO 61 (2010), 53-74.

 
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