Die 22 Euro Grenze PDF Drucken E-Mail
Haben Sie über das Internet schon einmal Produkte in den USA gekauft, zum Beispiel bei Amazon? Dann waren Sie vermutlich auch schon beim Zoll. Noch nicht? Vermutlich haben Sie etwas verpasst – ein eindringliches Beispiel für die Einmischung des Staates in Ihre Privatangelegenheiten.
Eines Tages landete in meinem Briefkasten eine grüne Postkarte vom Zoll mit der Nachricht, eine Postsendung warte auf meine Abholung. Immerhin war die Adresse des Zollamtes angegeben, wenn auch nicht die Öffnungszeiten. Auf der Suche nach dem abgelegenen Gebäude, dass nur wenige zehn Kilometer entfernt liegt, ging mir die Frage durch den Kopf, welche Sendung auf mich warten könnte. Sollte es sich etwa um vor geraumer Zeit bestellte Bücher handeln? Aber was hatte der Zoll damit zu tun?
Glasbausteine und Verbotsschilder, dahinter Neodeckenleuchten, Behörden-PVC und weiß-graue Abfertigungsschalterfreundlichkeit – der Charme der öffentlichen Kundenbewirtschaftung nahm mich sofort gefangen. Überraschend schnell konnte ich als dritter und letzter in der modernen „amerikanischen Warteschlange“ meine Benachrichtigungskarte und meinen Personalausweis vorzeigen. Für Stirnrunzeln sorgte die fehlende Benachrichtigung des Logistikdienstleisters.  Der Staatsbedienstete sprang über seinen großen Schatten und wandte den Grundsatz „Gnade vor Recht“ an. Ein ansehnliches Paket mit den vermuteten, bestellten Büchern wurde vor mir auf den Tresen gestellt, nachdem ich mit einer Nummer in Händen den hässlichen Warteraum kennen gelernt hatte. Schnell stellte sich heraus, dass der Zoll weniger an dem – teilweise sicherlich politisch nicht korrekten Inhalt – interessiert war, sondern Mehrwertsteuer (tatsächlich Einfuhrumsatzsteuer) kassieren wollte. Da ich keinen Ausdruck der elektronisch versandten Rechnung dabei hatte, wurde ich aufgefordert, mich in meinen Account beim Händler in den USA einzuloggen und die Staatsdiener die Rechnung einsehen zu lassen. Ich verwies stattdessen auf die der Sendung beigefügte Rechnung. Tatsächlich konnte mein Vorgang nun bearbeitet werden und es hieß wieder warten. Drei Bürokratiesekunden später, seit meiner Ankunft waren gut 40 Minuten vergangen, durfte ich 17 Euro am Kassenhäuschen bezahlen und erhielt dafür einen vierseitigen DIN A4 Beleg.
Und die Moral von der Geschicht'? Ich halte dies für eine wichtige Erfahrung, die ich möglichst vielen Menschen ans Herz legen möchte. Unverhüllt wurde der Eingriff des Staates in unsere täglichen Einkäufe sichtbar. Der Händler in den USA und ich hatten einen beide Seiten besser stellenden Tausch Geld gegen hier in Deutschland nicht erhältliche Bücher vollzogen, der Logistiker hätte zeitgerecht geliefert. Nun stellt der Staat bei meinem Lesegenuss einen Mehrwert fest und drängt sich zwischen die beiden Geschäftspartner, in dem er die Ware vorübergehend konfiszierte und nur gegen ein Auslösegeld freigab Einen Mehrwert bietet der Staat keinem der beiden Handelspartner. Besser lässt sich das Diktum Rothbards, Steuern seien Diebstahl, nicht illustrieren. Schon ab 22 Euro Kaufpreis können Sie an dem Spiel teilnehmen, dann greift der Zoll erklärtermaßen zu, koste es, was es wolle. Oder Sie denken an diese Geschichte, wenn Sie die auf jeder Rechnung ausgewiesene Mehrwertsteuer betrachten.
 
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