| Konsumeinschränkung zur „Tea-Time“ |
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Ein befreundetes Ehepaar war zu Kuchen und Tee auf der Terrasse eingeladen. Nachdem die Unterhaltung einige Zeit dahin geplätschert war, kamen die beiden zur Sache: Kulturkrise und Ökonomisierung lauteten die Schlagworte mit denen sie den Gang der jüngsten Weltgeschichte zu erklären suchten. Das eigentliche Problem unserer Zeit sei der produktionelle Überfluss. Es sei doch völlig überflüssig, T-Shirts in einer Unzahl von Farben zu produzieren, dozierte die ganz in schwarz gekleidete Dame. Dies lenke die Menschen nur ab, mache sie unglücklich, schließlich werde das Streben der Menschen darauf ausgerichtet, stets das Neueste zu erwerben und besser als der Nachbar dazustehen.
Zumindest unmittelbar in der Diskussion zeigte die teils sachliche, teils emotionale Argumentation über das Versagen des Sozialismus und die Anmaßung über die Lebensweise gegenüber anderen Menschen nur wenig Wirkung. Ja sicher, konzidierte der in der DDR sozialisierte, wenn auch systemkritische Ehemann, sei der Sozialismus ein falscher Ansatz gewesen, aber der Kapitalismus führe offensichtlich auch in die Sackgasse, nicht nur wegen der Vernutzung der Erde, sondern auch, weil er den Menschen von den eigentlich wichtigen Dingen des Lebens ablenke. Vermutlich wäre es überzeugender gewesen, einfach nur Fragen zu stellen: Wer soll die Farben für die T-Shirts festlegen? Wie viele Farben sollen angeboten werden? Welcher Maßstab würde den Entscheidungen zugrunde liegen? Haben Sie schon darüber nachgedacht, dass nicht nur weniger T-Shirts im Geschäft hängen, sondern eine derartige Entscheidung die weltweite Produktionskette bis hin zu den Baumwollbauern in Indien betrifft? Das Ehepaar müsste eigentlich für Importverbote plädieren. Und sicherlich macht die Einschränkung der Konsum- und Produktionsvielfalt nicht bei Bekleidung halt. Was sollten die Menschen eigentlich statt Shoppen tun – Hegel oder lieber Hayek lesen? - und was passiert, wenn sie das nicht tun? Eine erneute Verwirklichung dieses antikapitalistischen Irrtums hätte im Übrigen ganz praktische Folgen: Apfelkuchen würde es beim nächsten Mal nicht geben; er gehört nicht ins zugelassene Sortiment, auch wenn er den beiden ausgesprochen gut geschmeckt hat. |




