Ode an die Freiheit! Drucken
Geschrieben von: mvp   
Sonntag, 09. November 2014

Sir Simon Rattle brachte die Philharmonie bei der Aufführung der 9. von Beethoven zum 9. November 2014 zum Beben. Seine Interpretation und Integration der Berliner Philharmoniker zusammen mit Gesangssolisten und dem Rundfunkchor Berlin war ein großartiges Musikereignis – ein Magic Moment, für jeden Anwesenden spürbar. Allenfalls etwas mehr Intensität durch ein (noch) größeres Orchester wäre möglich gewesen.

25 Jahre zuvor war die nur wenige hundert Meter entfernte Mauer gefallen. Die Äußerungen des schlecht informierten SED-Funktionärs Schabowski zur Reisefreiheit führten zu einem ungeplanten, friedlichen Sturm auf die Mauer und deren Öffnung. Anlässlich der Feierlichkeiten tummeln sich, dicht gedrängt, Menschen aus aller Welt auf dem früheren Todesstreifen.

Fast 7.000 weiße Lichtkugeln ziehen sich bis heute Abend wie eine Perlenkette 15 Kilometer entlang durch Berlin. Sie erinnern an die Mauer, mit der das menschenverachtende DDR-Regime die Menschen einsperrte, und sie sind ein leuchtendes Symbol für Freiheit und Hoffnung. Am heutigen 9. November 2014 werden sie in den Berliner Abendhimmel aufsteigen. Eine sehr schöne Idee und Geste.

Es kann gar nicht intensiv genug an das menschenverachtende Regime erinnert werden, das gegen millionenfache Flucht und Abwanderung aus der DDR eine Mauer errichtete. Die DDR war weder spezifisch deutsch, noch demokratisch, noch eine Republik. Vielmehr handelte es sich um eine weitere Form des Sozialismus, der zwangsläufig in die Knechtschaft und zur Verarmung führt – in der DDR Variante verkörpert durch eine ausgeprägte Spießerideologie.

Es kann zudem gar nicht intensiv genug an die Freiheit erinnert werden. Freiheit ist Voraussetzung für eine Herrschaft des Rechts, für selbstverantwortliches Handeln und Wohlfahrt für alle statt privilegierte Funktionäre! Die Freiheitsrevolution von 1989 ist eine zeitlose Mahnung, heute mit der Botschaft dem schleichenden Sozialismus auf seinen Samtpfoten entgegenzutreten. Ob im Bundestag mit der Gitarre an der Hand, aber nicht nur an die linke Drachenbrut selbst gerichtet, sondern an alle Mitglieder, oder im Alltag. Eine Umkehr im Denken ist 25 Jahre nach der Implosion des roten Sozialismus für die Eliten Deutschlands und Europas genauso wichtig wie für die Masse der (politisch korrekten) Mitläufer.

Inspiration bietet das Gedicht des großen Volks- und Freiheitsdenkers Friedrich Schiller. Für die Aufführung der 9. Symphonie von Beethoven am 23. und 25. Dezember 1989 hatte Leonard Bernstein dessen Gedicht entscheidend nuanciert und aus „Freude schöner Götterfunken“ die universale Botschaft „Freiheit schöner Götterfunken“ geschmiedet. Freiheit bringt Freude mit sich. Freiheit ist die Voraussetzung für Einheit in Vielfalt im besten Sinne Schillers. Sobald Freiheit herrscht gilt: „Alle Menschen werden Brüder, Wo dein sanfter Flügel weilt.“