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Überoptimiert - zur Lage gebildeter Frauen auf dem Heiratsmarkt PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: mvp   
Dienstag, 17. Dezember 2013

Faszinierende Gespräche mit Freunden und Bekannten fördern Sichtweisen abseits üblicher Denkroutinen zu Tage. Die nachfolgende Überlegung ist ein Teil dieser alltäglichen Sphäre mit Tiefgang. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum eine nennenswerte Zahl attraktiver Frauen heute partnerlos bleibt (Alleinlebendenquote Frauen 18-34 Jahre in Deutschland 1991: 12,7% und 2011: 20,4%). Schließlich ist es so leicht wie nie zuvor, weltweit mit Menschen in Kontakt zu treten, ob virtuell oder real. Kein Stand, keine Schicht, kaum eine Kommunikationsbarriere steht dem Kennenlernen im Weg. Von Online-Foren und Partnerschaftsbörsen über Speed-Dating bis zu einem immer globaleren Austausch von Menschen in Beruf und Freizeit reichen die Möglichkeiten. Wie begrenzt war dagegen der Heiratsmarkt eines Dorfes oder einer Kleinstadt in den fünfziger Jahren Westdeutschlands. Versagt heute der Markt?

Partnerschaft im Wandel – Kontinuität der Attraktivitätsmuster, so könnte eine These zur Lage von Frauen auf dem Heiratsmarkt lauten. Offenkundig ist die Erosion der klassischen Institutionen Ehe und Familie. Mehr Ehen denn je werden geschieden (2012: 179.147 – 1991: 136.317) viele Partnerschaften werden weder vor Gott, noch vor der Gemeinde bezeugt (2007: 2,4 Millionen – seit 1996 + 34%). Patchworkfamilien nehmen zu (2007 etwa jede siebte Familie). Verschiedene Kinder von unterschiedlichen Vätern und Müttern in einer Familie sind kein außergewöhnliches Lebensmodell mehr und längst nicht nur in Großstädten keineswegs mehr gesellschaftlich geächtet. Im Gegenteil scheint das neue Modell wenn nicht als Vorbild so doch als Option zur Selbstverwirklichung zu dienen. Hirnforscher mit ähnlichem Lebenslauf wie Gerald Hüther können der multipolaren Familienordnung sogar etwas für die Entwicklung von Kindern abgewinnen.

Längst erodieren auch die klassischen Rollen von Mann und Frau. Als Alleinverdiener und Familienvorstand würde ein Mann zur paläo-konservativen Spezies zählen. Die repräsentative, versorgungsabhängige Hausfrau und Mutter ist Teil derartiger überholter Lebensweisen. Gleichberechtigung in der Partnerschaft, persönlich, finanziell und was die berufliche Karriere betrifft, ist das Mindestmaß heutiger Partnerschaft. Werden die Beziehungsschwierigkeiten groß, ist Trennung nur ein (vermeintlich) kleiner Schritt. Was hält uns auf? Ob die Menschen damit glücklicher sind, erfordert nicht nur eine individuelle Antwort, sondern führt auch von der eigentlichen Frage weg.

In der modernen Partnerschaft ist mehr Selbstverwirklichung indes nicht ohne steigende Opportunitätskosten zu haben. Wenn alles möglich ist, dann steigen auch die Erwartungen: Gestählter Mann, einfühlsam, aber straight, kinderfreundlich, klug und knackig – schicke sportive Frau, spannende Gesprächspartnerin, sexy und tolle Mutter zugleich. Beide coachen einander und geben Input für kontinuierliche Selbstverwirklichung. Auf Selbstverwirklichung verzichten werden beide müssen in verschiedenen Phasen, je nachdem wer sich um die Kinder kümmert. Neuer Lebensabschnitt, besser passender Partner? Für Männer gilt noch mehr als sonst, sie müssen sich beweisen, um glücklich zu sein.

Festhalten lässt sich, die Komplexität von Partnerschaft ist gestiegen. Und, wie der Philosoph Robert Pfaller aufzeigt, Frauen haben mit dem Verlust ihrer traditionellen Rolle im öffentlichen Raum wichtige Waffen verloren. Kein Wandel ohne Kosten.

Die Familie ist und bleibt indes ein geschlossener privater Raum. Sie ist die kleinste Ordnungszelle von Gemeinschaften und Gesellschaft. „The Nature of the Family“ ließe sich mit Ronald Coase sagen, besteht darin, dass die Familie geringere Transaktionskosten und weitere Vorteile gegenüber der täglich flexiblen Koordination über Märkte besitzt. Einen Partner und eine Familie zu haben ist nicht nur ein Quell der Freude, aber Kontinuität und Exklusivität sind einem regelmäßigen Partner- und Familienwechsel überlegen. Im Mittelpunkt steht etwas sehr Profanes, die routinierte, verlässliche Organisation des Alltags. Folglich erweisen sich Ehe und Familie zwar als unzulängliche, aber seit Jahrtausenden unübertroffene Institution. Und genau danach streben die attraktiven alleinstehenden Frauen.

Was haben die vorstehenden Überlegungen mit der Frage zu tun, warum eine zunehmende Zahl Frauen partnerlos bleibt? Aus Männersicht ist für eine Familie immer noch der Typus der 50er Jahre Frau attraktiv. Dementsprechend hoch dürften die Marktchancen für Frauen sein, die diesem Bild nahe kommen. Karriere orientierte Männer können bodenständigen Frauen viel abgewinnen, die sich (zunächst) primär um die Kinder kümmern, die alltagstaugliche Ratgeber sind, nicht aber Konkurrenten bei der persönlichen Entwicklung, gar Muskel und Intellekt gestählt. Die attraktiven (über)optimierten, gecoachten Frauen überschätzen sich in ihrem Marktwert. Sie schätzen ihren Marktwert hoch ein und haben entsprechende Ansprüche an einen Partner. Sie übersehen ihre Macken und Unzulänglichkeiten im Zuge ihrer kontinuierlichen Fokussierung von Selbstverwirklichung und Weiterentwicklung. Zugleich erkennen sie die Fehler potenzieller Partner ganz genau. Und die wollen keine Karrierefrauen. So lautet die Analyse einer Frau. Auf geradezu tragische Weise brachte es Julia Schaaf in der FAZ auf den Punkt: „Der letzte Mann, der Helene Maier so richtig gut gefiel, hat zu ihr gesagt: ‚Ich wünsche dir jemanden, der dir gewachsen ist und deine Lebensziele teilt.’ Dann hat er sie verlassen."

 
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