Startseite Zur Ordnungspolitik Für Sie erlebt Kunst zersetzt Herrschaft
Kunst zersetzt Herrschaft PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: mvp   
Samstag, 19. Januar 2013

Kunst kann Politik entlarven. Kunst kann Ideologie spiegeln und zersetzen. Kunst kann verstören, nicht zuletzt die Machthaber. In totalitär angelegten Systemen verbieten die Machthaber Kunst, die geeignet ist, ihre Herrschaft und Ideologie herauszufordern. Geschlossene Gesellschaften vertragen keine Meinungs- und Ausdrucksvielfalt. Die Ausstellung Geschlossene Gesellschaft. Künstlerische Fotografie in der DDR 1949-1989 in der Berlinschen Galerie vermittelt einen Eindruck von der Perspektivenvielfalt auf das Leben, von der subversiven, Herrschaft zersetzenden Kraft der Kunst, von der grauen Tristesse der Spießerdiktatur, die versuchte einen schönen Schein für die Gleichheitsgesellschaft zu schaffen. Dieser Schein hält nicht einmal dem ersten Blick stand. Die Fotos zeigen wie öde und leer das Massendasein der Mitläufer sein konnte. Sie entlarven den Popanz der Marschkapellen und Militärparaden. Sie nehmen den Betrachter in letztlich bedrückenden Alltagszenen gefangen. Geradezu aufatmen kann man im Zentrum des Gebäudes, wo eine kreuzende Freitreppe inmitten des hallenartigen Raumes steht. Zugleich ist der Kontrast der Fotos zur heutigen Hochglanzhyperästehik so stark, dass auch von unserer inszenierten Design- und Kitschwelt heute mancher Lack abplatzt.

Die neuen künstlerischen Ausdrucksformen ab Mitte der 70er Jahre verstören in erheblichem Maße: Schlachthaustod, doppeldeutige Portraits wie die Puppe mit dem Gebiss eines Ungeheuers und eine Serie mit Selbstportraits, bei denen der nackte Körper sich in verkohltes Holz verwandelt. Nicht nur bei künstlerisch verödeten Landschaftsbildern gibt es erheblichen Interpretationsspielraum, den die Künstler selbst geöffnet haben, aber in der Bandbreite und Assoziationsvielfalt der Betrachter nicht erahnen konnten.

Das macht Kunst so unbeherrschbar. Deshalb ist Kunst auch in ihren unverständlichen Erscheinungsformen so wichtig für eine offene, unfertige Gesellschaft. Und der Zustand der Kunst sagt viel über den Zustand der Gesellschaft und ihre Zukunft voraus.

 
Facebook MySpace Twitter Digg Delicious 
 
 
Bild