Startseite Zur Inflationskrise Hintergründe Inflation – immer und überall ein Übel
Inflation – immer und überall ein Übel PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: tp/mvp   
Sonntag, 26. Juni 2011

Es sind die Regierungen und ihre Zentralbanken, die verantwortlich sind für Inflation und die mit ihr verbundenen gesellschaftlichen Übelstände. Sie versprechen, mit der rechten Hand die Misere zu bekämpfen, für die sie mit der linken Hand gesorgt haben, schrieb sehr treffend der US-amerikanische Publizist Henry Hazlitt (1894 – 1993). Dass das Geld heute immer noch inflationiert wird, und zwar ohne Aufbegehren der Geschädigten und damit gewissermaßen ungestraft, liegt vor allem an falschen ökonomischen Lehren, die sich zusehends verbreitet haben. Sie vernebeln die Ursache und das Wesen der Inflation.

Was Inflation wirklich ist

Unter Inflation wird üblicherweise ein dauerhaftes Ansteigen der Preise auf breiter Front verstanden. Um genauer zu sein: Die heutigen Mainstream-Ökonomen sprechen von Inflation, wenn der Konsumentenpreisindex um mehr als etwa 2,0 Prozent pro Jahr ansteigt. Diese Sichtweise hat ihre Wurzeln in den Arbeiten des amerikanischen Ökonomen Irving Fisher (1867 – 1947). In seinem Buch The Making of Index Numbers (1922) empfahl er, die Kaufkraft des US-Dollar gegenüber einem Preisindex zu definieren und – als politische Empfehlung – seinen Wert gegenüber dem Preisindex stabil zu halten.

Fishers Konzept leistete der Entwicklung Vorschub, den US-Dollar – und nachfolgend auch andere Währungen – nicht mehr, wie bis dahin üblich, als Bezeichnung für eine bestimmte Feingoldmenge zu verstehen, sondern als Kaufkraft für ein (beliebig) definiertes Bündel von (Konsum-) Gütern. Zudem wurde es mit Fishers Preisindexregime zur gängigen Praxis, die Zentralbank zu beauftragen, die Währung in bezug auf den Preisindex zu stabilisieren. Damit wurde auch die Scheinlegitimität für ständiges Eingreifen der Zentralbanken in das Marktgeschehen geschaffen. Sie begannen, die Geldmenge fortlaufend zu verändern.

Mit dem Verbreiten von Irving Fishers Preisindexregime hat sich auch das Verständnis der Inflation geändert. In der Öffentlichkeit wird die Veränderung der Preise als Maßstab für Inflation verwendet; die Entwicklung der Konsumentenpreise entscheidet darüber, ob Inflation diagnostiziert wird oder nicht. Steigen die Konsumentenpreise um mehr als 2,0 Prozent pro Jahr, so sprechen Mainstream-Ökonomen heute von Inflation. Doch Inflation ist viel komplizierter und ihre Wirkung viel tückischer, als es die heute gängige Inflationsdefinition nahelegt, die sich mittlerweile rund um den Globus verbreitet hat.

Aus ökonomischer Sicht ist Inflation das Ansteigen der Geldmenge in der Volkswirtschaft. Das Ansteigen der Preise auf breiter Front ist hingegen nur ein mögliches Symptom der Geldmengenausweitung. Um das zu zeigen, sei einmal angenommen, dass die Geldmenge in der Volkswirtschaft ansteigt. Wenn dabei das Güterangebot unverändert bleibt, werden früher oder später die Preise ansteigen. Das liegt daran, dass nunmehr mehr Geld zum Kauf der gleichen Gütermenge vorhanden ist. Das Ansteigen der Preise ist hier also das Symptom der gestiegenen Geldmenge.

Was geschieht aber, wenn die Geldmenge ansteigt und gleichzeitig auch die Gütermenge zunimmt? In einem solchen Fall würden die Preise tendentiell unverändert bleiben, und Mainstream-Ökonomen würden daher auch keine Inflation diagnostizieren. Doch das ist ein Fehlschluss, denn die Geldmengenausweitung bleibt keinesfalls folgenlos, nur weil keine Preisänderungen zu beobachten sind. Die erhöhte Geldmenge führt nämlich dazu, dass die Verkäufer des gestiegenen Güterangebots zu unveränderten Preisen verkaufen können, während es den Käufern der Waren verwehrt wird, das gestiegene Güterangebot zu verminderten Preisen zu kaufen: Schließlich wären die Preise ja gefallen, wenn bei steigendem Güterangebot die Geldmenge nicht erhöht worden wäre. Die Geldmengenausweitung führt also zu einer nicht erkennbaren Umverteilung, in der die Güteranbieter auf Kosten der Geldhalter profitieren.

Die einzelnen Güterpreise steigen dabei auch nicht gleichmäßig mit gleichen Raten an. Erst steigen die Preise der einen Güter, danach steigen die Preise der anderen Güter. Wenn die Geldmenge ausgeweitet wird, steigen die Preise zuerst in den Industrien und Sektoren, in denen das Geld zuerst zum Kaufen verwendet wird. Bereits der irische Bankier Richard Cantillon (1680 – 1734) erkannte diese bedeutsame Wirkung der Geldmengenausweitung: dass nämlich ein Ausweiten der Geldmenge verschiedene Menschen in unterschiedlichem Maße betrifft (Cantillon-Effekt).

Die ersten, die die neu geschaffene Geldmenge in die Hände bekommen, haben noch die Möglichkeit, zu unveränderten Preisen zu kaufen. Sie sind die Gewinner. Diejenigen, die sie erst etwas später erhalten, können die Güter und Dienstleistungen nur noch zu bereits gestiegenen Preisen kaufen, und die letzten, die die neu geschaffene Geldmenge erhalten, sind die Verlierer, weil die Preise bereits auf ihr endgültig höheres Niveau gestiegen sind, bevor sie die neu geschaffene Geldmenge erreicht. Ein Ausweiten der Geldmenge macht also die Tauschtransaktionen, bei denen Geld eingesetzt wird, nicht mehr für alle Beteiligten gleichermaßen vorteilhaft. Sie steht damit im Konflikt mit dem Grundprinzip einer freien Marktordnung, und das macht Inflation, um eine heute verbreitete Redewendung zu verwenden, sozial ungerecht.

Quelle: Thorsten Polleit und Michael von Prollius: Geldreform. Vom schlechten Staatsgeld zum guten Marktgeld, Lichtschlag Verlag, Grevenbroich 2010, 35-37

 
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