Der Expertenfluch PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: tp/mvp   
Samstag, 21. Mai 2011

Wohl keine andere Form des Interventionismus hat so großen wirtschaftlichen und politischen Schaden angerichtet wie das staatlich beherrschte Geldsystem, in dem die staatlichen Zentralbanken das Monopol über die Geldmenge halten. Wenn aber die Öffentlichkeit nicht erkennt, dass die staatliche Geldproduktion die Missstände verursacht hat, wird der Druck zunehmen, das System der freien Marktwirtschaft zu drangsalieren und vor allem früher oder später auch den Geldwert zu zerstören.

Warum regt sich in der breiten Oeffentlichkeit kein Widerspruch gegen die Beschlüsse der Regierungen, mit dem Geld der Steuerzahler Konjunktur- und Rettungspaketen die Banken und Unternehmen(seiner) zu subventionieren, die am Markt gescheitert sind? Und vor allem: Warum wird der fatalen Kredit- und Geldschöpfung aus dem Nichts, zu der die Zentralbanken zusehends greifen, nicht Einhalt geboten? Eine wichtige Erklärung, warum das nicht geschieht, ist, dass staatstragende Ökonomen die Mehrheitsmeinung für sich eingenommen haben. Dies konnte insbesondere deswegen geschehen, weil die Krise, die aus dem Staatsgeldsystem erwachsen ist, von geradezu atemberaubender Komplexität ist, die von Außenstehenden kaum noch zu überblicken ist.

In der Tat ist das Kredit- und Geldsystem mit all seinen Institutionen und Regelwerken so unübersichtlich geworden, dass es, wenn überhaupt, nur noch von sogenannten Experten verstanden wird. Die Volksvertreter in den Parlamenten nicht oder kaum mehr in der Lage, die Quellen für Fehlentwicklungen des Systems zu identifizieren und eine geeignete Anti-Krisenpolitik zu formulieren und umzusetzen. Sie müssen sich vielmehr auf den Rat und die Umsetzungskraft von sogenannten Systemexperten verlassen.

Diese Systemexperten sind Fachleute, die ihre Berufskarrieren darauf verwandt haben, Experten des Systems zu werden. Sie erkennen überwiegend vorbehaltlos die Prinzipien an, auf denen das System ruht. Diejenigen, die den Prinzipien und Zielen des Staatsgeldsystems kritisch gegenüber stehen, werden kaum die Bereitschaft und Ausdauer haben, mit den Einzelheiten und Gepflogenheit des Systems vertraut zu machen; und sie wollen auch meist nicht ihre Zeit aufwenden, um den Systemrepräsentanten im Rahmen von ausufernden Gremiensitzungen entgegentreten. Systemkritiker werden folglich kein Gewicht haben, wenn es gilt, bei der Ursachendiagnose der Fehlentwicklungen und an der Formulierung von (System-)Reformen mitzuwirken.

Allein das wirtschaftliche Eigeninteresse der Experten, die sich dem System verschrieben haben, würde wohl verhindern, dass sich eine Reform durchsetzt, die das System zum Nachteil der bisherigen Systemexperten verändert, insbesondere wenn die Reform zum Verlust ihres Expertenstatus führt. Ist das staatliche System also erst einmal errichtet, so wird seine weitere Entwicklung so gestaltet, wie es diejenigen, die in seine Dienste getreten sind, für nötig und richtig erachten. Daher dürfen auch politische Beschlüsse (wie zum Beispiel auf den mittlerweile sich häufenden G-20 Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs) nicht überraschen: Mehr Interventionismus und weniger Kapitalismus, mehr Staatsschulden und noch mehr Kredit- und Geldschöpfung, so lauten die Empfehlungen der Systemexperten, um die Überschuldungskrise zu bewältigen und künftige Regulierungskrisen zu verhindern.

Quelle: Geldreform, S. 128-130.

 
Facebook MySpace Twitter Digg Delicious 
 
 
Bild