Startseite Zur Inflationskrise Hintergründe Free Banking: Wettbewerb und Verträge als Schutz gegen einen Bank-Run
Free Banking: Wettbewerb und Verträge als Schutz gegen einen Bank-Run PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: mvp   
Montag, 31. Mai 2010

In der Geschichte des Finanzwesens gab es Ordnungen, die dem Free Banking nahe kommen. Free Banking bedeutet, dass der Staat die Eigentumsrechte schützt, aber keine Vorschriften für die Produktion und Verteilung von Geld macht; das schließt ein staatliches Monopol auf die Geldproduktion in Form einer Zentralbank aus. Schottland in der Zeit von etwa 1720 bis 1845 und Kanada bis zur Etablierung einer Zentralbank 1935 sind zwei Beispiele, die Larry White, Professor an der George Mason University, in seinem Gespräch mit seinem Kollegen Russ Roberts (EconTalk) erwähnt. Etwaige Utopismus-Vorwürfe übersehen also eine große – zudem positive – historische Erfahrung.

Angesprochen auf die Bankenkrisen Ende des 19. Jahrhunderts in den USA, gibt White wie bereits zuvor George Selgin zu bedenken, dass die US-Banken einer gravierenden zweifachen Regulierung unterlagen: So war den Finanzinstituten „Branch banking“ verboten, d.h. eine Diversifizierung ihrer Geschäftstätigkeiten über die Grenzen eines Bundesstaates hinaus und teilweise sogar innerhalb eines Bundesstaates. Außerdem erlaubte die Regierung Banken das Halten von Bargeld nur bis zu einer (zu geringen) Menge, was insbesondere durch die starke Liquiditätsnachfrage von Farmern im Herbst regelmäßig zur Insolvenz führte. Banken waren in den USA zu wenig diversifiziert und zu wenig kapitalisiert – aufgrund staatlicher Regulierung. Außerhalb der USA ist es vergleichsweise selten zu einem Bank-Run, der Stürmung einer Bank durch ihre Kunden gekommen, die panikartig ihre Einlagen abheben wollten.

Was taten Banken, um sich gegen mangelnde Liquidität oder gar einen Run abzusichern? An erster Stelle sorgte der Wettbewerb als natürliche Sicherung für ein sorgfältiges Geschäftsgebaren. Die Banken mussten sonst fürchten, dass ihre Kunden samt Kapital zur Konkurrenz abwanderten. Zudem verfügten Banken über Liquiditätsreserven in verschiedenen Wertpapieren und Vermögensgegenständen. Zusätzlich wurden zuweilen Verträge zwischen Bank und Kunde abgeschlossen, die eine Anzeigepflicht für die Abhebung der gesamten Einlage mit 60-90 Tagen im Voraus festschrieb. In Schottland mussten die Anteilseigner der Bank unbegrenzt Haften und waren verpflichtet, etwa im Fall sinkender Vermögenswerte oder fauler Kredite, Liquidität nachzuschießen. Wenn eine Bank dennoch zusammenbrach, verloren nicht die Sparer ihr Geld, sondern die Anteilseigner. Bemerkenswerterweise fand ein Bank-Run erst dann statt, wenn die betroffene Bank bereits insolvent war. Insgesamt sorgte das entstandene Anreizsystem dafür, sich seine Bank sorgfältig auszusuchen und sich nicht auf die Aufmerksamkeit anderer zu verlassen.
Trotz des derzeit zementierten Zentralbanksystems kann Larry White einen Silberstreif am Horizont erkennen. Ähnlich wie im Fall der staatlichen Post könnte die Bedeutung des staatlichen Geldmonopols durch eine schrittweise Marktöffnung sinken, im Fall der Post durch Übernachtbriefsendungen von UPS und FEDEx. Außerdem sollten Innovationen im Bereich der Zahlungsabwicklung den Menschen Zugang zu anderen Formen von Geld ermöglichen. Schon heute kann ein Hauskauf legal vertraglich etwa in Gold oder einer ausländischen Währung vereinbart werden.

Auch wenn in Deutschland die Rechtslage trotz Vertragsfreiheit nicht ganz eindeutig ist, lässt sich die (begrenzt) hoffnungsvolle Perspektive auf Deutschland übertragen. Ein gangbarer Weg dürfte das allmähliche Ersetzen des Staatsmonopols durch zunehmende Marktöffnung sein. Dieser Weg besitzt für viele Menschen zudem den Vorteil, das gewohnte Zahlungsmittel nicht aufgeben zu müssen und zugleich von besseren privaten Produkten profitieren zu können.

 
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