| Mit dem Geld anderer Leute spielen als Krisenursache |
|
|
|
| Geschrieben von: mvp |
| Samstag, 29. Mai 2010 |
|
Die US-Regierungen haben, so Roberts, die natürlichen Schutzmaßnahmen der Marktwirtschaft ausgeschaltet. Dazu gehören steigende Zinsen und ein Stopp der Kreditvergabe. Zudem habe die Politik wiederholt signalisiert, dass sie mit scheinbar unerschöpflichen Ressourcen aus der Klemme helfen werde. Infolgedessen entstanden Anreize, Kredite in sehr Risiko reichen Situationen mit starken Hebeln zu vergeben. Sobald aus der Gewinn- und Verlust-Ordnung Markwirtschaft der Verlust herausgenommen werde, würden sich die Schleusen für gierige Spekulationen öffnen. Die Belohnungssysteme großer Finanzinstitute seien so ausgerichtet worden, dass die Manager stets verdienten, unabhängig davon, ob das Unternehmen Gewinne oder Verluste machte. In besonderem Maße haben die gigantischen staatlichen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac das Glücksspiel mit dem Geld der Steuerzahler auf unverantwortliche Weise angefacht, hebt Roberts wie viele Beobachter auch hervor. Besonders eindringlich beschreibt der Autor des lesenswerten Romans „The Price of Everything“, die pervertierten Anreizmechanismen für Kreditgeber und Eigenkapitalhalter. So wurde die Wachsamkeit der Kreditgeber seit den 1980er Jahren national in den USA und international seit der mexikanischen Peso-Krise geschwächt. Die Basel-Regulierung ermöglichte seit 2002 für AAA-Ratings einen 60 zu 1 Hebel (!), d.h. man musste nur 1,60 US-Dollar seines eigenen Geldes für eine 100 US-Dollar Investition verwenden. Lediglich 2 Prozent Wertverlust des Investments können also bereits eine Insolvenz oder einen Bankrott nach sich ziehen. Russ Roberts gelingt eine Erklärung der eigentlich seltsamen Entwicklung, dass wesentliche Akteure auf den Finanzmärkten sehenden Auges in das Verhängnis liefen. Es lohnt sich, die Details des komplexen Prozesses der Risiko reichen Kreditvergabe unter Anreizbedingungen des „Crony Capitalism“, des Kumpelkapitalismus, nachzuvollziehen, der sich durch politisch-ökonomische Seilschaften vom Kapitalismus grundlegend unterscheidet. In Deutschland nennt man das organisierter Kapitalismus oder klassenkämpferisch in einem späteren Stadium "Stamokap". Wall Street ist keineswegs unschuldig, schließlich sind einige politische Auswüchse das Resultat intensiver Lobbyarbeit. Russ Roberts zeigt auch den Ausweg auf: eine Rückkehr zum Gewinn- und Verlustmechanismus. Dann kann sich die natürliche Vorsicht wieder entfalten, etwa im Hinblick auf Verbriefungen. Der Traum, dass jeder Amerikaner in einem Eigenheim wohnen solle, sei kein amerikanischer Traum, sondern das Ziel der National Association of Home Builders. Die Regierung müsse sich aus der Hypothekenfinanzierung in allen Facetten zurückziehen. Das Zentralbanksystem Fed sei Teil des Problems, aber vermutlich nicht Teil der Lösung. Eine Verbesserung wären strikte Geldmengenregeln. Der organisierte Kapitalismus müsse entpolitisiert werden. Ein Stopp der obszönen Umverteilung von Wohlstand sei dringend geboten. Außerdem müsse Schluss sein mit der Vollkaskoversicherung des Staates, der die Bankrotteure in keinster Weise an den Kosten des Bankrotts beteilige. Sie sollten höchstens 50 Cent für jeden Dollar bekommen. Der angesehene und vielseitige Ökonom, der einen mehr als eine Milionen Mal angeklickten Rap-Song zur Finanzkrise kreiert hat ("Fear the Boom and Bust"), blickt über die Wirtschaft hinaus, wenn er konstatiert: „Rescuing rich people from the consequences of their decision with money coming from average Americans is bad for democracy.“ Was bleibt? Die Lösung liegt bei uns! Wir müssen als Bevölkerung eine andere ökonomische Philosophie im Hinblick auf die Beziehung zwischen Politik und Wirtschaft verfolgen als bisher. Wir sollten eine Beziehung favorisieren, in der es Gewinn und Verlust gibt. Und, so ließe sich hinzufügen, wir müssen aufhören, für unser eigenes Fortkommen Wohltaten und Begünstigungen vom "Staat" und den Politiker einzufordern. |





Die Marktwirtschaft ist eine Ordnung, die auf Gewinn und Verlust beruht. Diese unumstößliche, besonders von Milton Friedman hervorgehobene Erkenntnis, stellt die zentrale Lehre zur Erklärung und Überwindung der Weltwirtschaftskrise dar. Zumindest ist das die Auffassung von Russ Roberts, der eine lesens- und hörenswerte Synthese seiner zahlreichen Gespräche mit Insidern und Beobachtern unter dem Titel „