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Der personale Faktor im Monetarismus PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: mvp   
Donnerstag, 27. Mai 2010

„A Monetary History of the United States, 1867-1960“ gehört zu den herausragenden geldpolitischen und wirtschaftsgeschichtlichen Büchern. Das liegt schon an der Fülle und Dichte der empirischen Daten. Und gerade weil es ein empirisches Werk ist, lässt sich die These vertreten, Milton Friedman (und Anna Schwartz) haben das Pferd zumindest ein Stück weit von hinten aufgezäumt. Das wird in „The Great Contraction 1929-1933“ deutlich, dem als separaten Band veröffentlichten siebten Kapitel der Monetary History. Die zentrale Lehre aus der Weltwirtschaftskrise lautet für Milton Friedman: Die Geldpolitik der Fed hat versagt. Sie hätte Liquidität bereitstellen müssen und können. Die Maßnahmen, die erst 1933 ergriffen wurden, hätten im Jahr 1929 für eine Abmilderung, wenn nicht Überwindung der Krise gesorgt. Die ausführliche abschließende Einordnung und Begründung hebt allerdings weniger auf ökonomische Argumente ab, sondern besteht in einer Würdigung der wichtigsten Person des Federal Reserve Systems: Benjamin Strong, Gouverneur der New York Bank, der bedeutendsten Bank. Strong starb 1928; er ist für Friedman der Mann, der die Verwerfungen antizipiert und repariert hätte: „If Strong had still been alive and head of the New York Bank in the fall of 1930, he would very likely have recognized the oncoming liquidity crisis for what it was, would have been prepared by experience and conviction to take strenous and appropriate measures to head it off, and would have had the standing to carry the System (sic!) with him.“

Tatsächlich fällt einzelnen Personen an historischen Wegmarken immer wieder entscheidende Bedeutung zu. Gleichwohl ist es erstaunlich, dass Friedmans monetaristische Theorie an zentraler Stelle historisch-personell und nicht ökonomisch-analytisch abgestützt wird (Zugleich wird in der Zusammenfassung der „Monetary History“ der multikausale Ansatz für den gesamten Untersuchungszeitraum stärker betont). Die monetaristische Lehre passt wiederum zu dem Befund: Das Fed System ist derart abhängig von einer kompetenten Führungsperson (bzw. mehreren), dass die Monetaristen empfehlen, potenzielle personelle Unwägbarkeiten durch ein determiniertes Geldmengenwachstum zu ersetzen. Schließlich war Milton Friedman nicht so naiv, auf die richtige, fähige Person zum richtigen Zeitpunkt zu setzen, zumal dass ja schon 1929 nicht der Fall war. Auf diese Weise konnte er seine beiden Hauptanliegen miteinander verbinden: systematische und personell nicht beeinflussbare sowie stets ausreichende Liquiditätsversorgung. Friedman war zu dem Schluss gelangt, dass die Krise von 1929-1933 nicht eine unausweichliche Konsequenz der Zeit zuvor, sondern der gewählten Politik während dieser Zeit war.

Ausgerechnet sein zentrales Anliegen, strikte Geldmengenregel statt flexible Zinssteuerung, ist nicht Bestandteil des heutigen Mainstreams geworden. Die praktizierte personenabhängige, irrtumsanfällige Geldpolitik folgt keiner Regel, auch nicht der Taylor-Rule, sondern bleibt letztlich willkürlich – eben personenabhängig und damit eine klassische „Anmaßung von Wissen“ im Sinne Hayeks. Eine Konsequenz ist die aktuelle Weltwirtschaftskrise. Zugleich sind viele Erkenntnisse, die Milton Friedman gegen den Zeitgeist schrieb, heute Bestandteil des Mainstreams. Das dürfte mit etwas Wohlwollen auch für die Kernthese der Nicht-Neutralität des Geldes gelten.

Sowohl das Geldsystem der Monetaristen als auch des Mainstreams sind der Geldordnung des Free Banking unterlegen.

 
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