Startseite Zur Inflationskrise Hintergründe Regulierung: So war es nicht gedacht
Regulierung: So war es nicht gedacht PDF Drucken E-Mail

Die Aufarbeitung der Ursachen für die Inflationskrise schreitet voran. Nach den Monographien von Thomas Sowell (The Housing Bust and Boom) und Thomas Woods (The Meltdown) hat nun Arnold Kling am Mercatus Center der George Mason University (GMU, USA) einen Arbeitsbericht vorgelegt, der den bezeichnenden Titel trägt: „Not what they had in mind: A History of Policies that Produced the Financial Crisis of 2008“. Kling ist ein Insider, hat er doch früher als Ökonom beim Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und der US-Zentralbank Fed gearbeitet; heute ist er Mitglied der Mercatus Financial Markets Working Group an der GMU. 

Seine Studie zeichnet den Pfad der jahrzehntelangen interventionistischen Wirtschaftspolitik nach und zeigt deren unbeabsichtigte Folgen auf. Dazu gehören schon in den 80er Jahren Regulierungsmaßnahmen zur Stabilisierung der infolge der Sparkassenkrise in eine prekäre Lage geratenen US-amerikanischen Finanzmärkte. Diese Eingriffe wirken heute prozyklisch, also Krisen verschärfend.

Für Kling sind die Kapitalregulierungen ausschlaggebender Verursacher der seit Sommer 2007 sichtbaren Turbulenzen, gerade in dem zuvor angedeuteten Sinne, dass (vermeintliche) Lösungen früherer Finanz- und Wirtschaftskrisen die Saat für die aktuelle Krise bilden. Sowohl bei den Marktteilnehmern als auch bei den Regulatoren sei ein nicht tragfähiger Glaube an „Financial engineering“ feststellbar, also die ingenieursmäßige Kunst, durch Entwicklung der richtigen Finanzarchitektur und Drehen der richtigen Stellschrauben ein stabiles, funktionsfähiges Finanzsystem errichten zu können. Die Marktwirtschaft ist jedoch eine spontane Ordnung und folgt den Gesetzen einer „Handelnsordnung“, gerade aber nicht mechanistischen Vorstellungen.

Kling untersucht fünf Politikfelder: Immobilienpolitik, Kapitalregulierungen für Banken, Branchenstruktur und Wettbewerb, ferner autonome Finanzinnovationen und schließlich die Geldpolitik. Dabei zeichnet er jeweils die historische Entwicklung nach, auch mit Übersichtsdarstellungen entlang eines Zeitstrahls, und fragt nach Alternativen.

Und das Ergebnis? Den Regulatoren fehlte der Wille und die Fähigkeit, Wettbewerb und Wettbewerbsgrenzen im Finanzsektor aufzubauen. Infolgedessen entstanden Finanzinstitute, die zu groß wurden, um sie Pleite gehen zu lassen. Zudem haben die Regulatoren die Risikoneigung von Marktteilnehmern nicht nur geschürt, sondern sogar mit staatlichem Druck überhaupt erst erzeugt.

Was bleibt? Regulierung ist zu komplex, um ihre Folgen überschauen zu können und daher ein gefährliches Spiel! Man sollte es weder sogenannten Experten, noch Bürokraten und erst Recht nicht Politikern überlassen. Die beste Regulierung dürften die Marktteilnehmer selbst zutage fördern, insbesondere wenn die harte Schule der Marktwirtschaft Erfolg mit Gewinn und Misserfolg mit Verlust entgelten darf.

 
Facebook MySpace Twitter Digg Delicious 
 
 
Bild