Startseite Zur Inflationskrise Hintergründe Die Kosten von Inflation werden unterschätzt
Die Kosten von Inflation werden unterschätzt PDF Drucken E-Mail

Die Auffassung, Inflation habe zumindest eine positive Seite, dürfte immer noch verbreitet sein. Sei es, dass Inflation das Wirtschaftswachstum schmiere oder immer noch besser als Arbeitslosigkeit sei. Beides ist natürlich Unsinn.
Tatsächlich hat Inflation keine positiven Folgen, sondern nur negative Konsequenzen. Gleichwohl tendiert auch die herkömmliche Wissenschaftssicht zur Unterschätzung der Inflationskosten. Steven Horwitz komme der Verdienst zu, in „The Cost of Inflation Revisited“ auf die gravierenden – teilweise versteckten – Kosten von Inflation systematisch hingewiesen zu haben. 

Die neoklassische Standardbetrachtung hebt hervor, dass Inflation den Wert des Geldes mindert und wie eine Steuer wirkt. Hinzu kommen sogenannte Schuhlederkosten, bedingt durch die Notwendigkeit, häufiger zur Bank gehen zu müssen, um Geld abzuheben. Inflation verteilt anerkanntermaßen zudem den Wohlstand von Gläubigern zu Schuldnern um, was eine Verringerung oder gar Verweigerung der Kreditvergabe zur Folge haben kann. Schließlich bindet Inflation zusätzliche Ressourcen durch häufige Preiswechsel (sogenannte Menükartenkosten).

Während diese Kosten allesamt auf Änderungen des Preisniveaus insgesamt beschränkt sind, verweist Horwitz auf die inflationsbedingten, mit relativen Preisänderungen einhergehende Kosten. Im Mittelpunkt steht die Fehlallokation von Ressourcen und damit ein beträchtlicher Wohlfahrtsverlust. Inflation verzerrt das Preisgefüge im Verhältnis zu den Wünschen und Bedürfnissen der Marktteilnehmer und führt zu Fehlinterpretationen, zumal zunächst unklar ist, ob die Preisänderungen permanenter oder kurzfristiger Natur sind und wie viel der Änderung inflationsbedingt ist. Hinzu kommt, dass Inflation nicht bedeutet, dass gleichsam über Nacht alle Preise steigen – als hätte Geld man mit dem Helikopter über das ganze Land verstreut.

Tatsächlich trennt Inflation Preise von den ihnen zugrunde liegenden Einflussfaktoren wie Geschmack, Technologie und Ressourcen. Inflation stört die ex ante, ex post und Entdeckungsfunktion der Preise, die weniger verlässlich werden, auch als Indikatoren für vergangene und zukünftige Handlungen. Damit zersetzt Inflation die monetäre Kalkulation – das Herzstück der Marktwirtschaft – als Voraussetzung unternehmerischer Aktivitäten und Entdeckungen.

Damit sind aber immer noch nicht alle Kosten benannt. Hinzu kommt ein anderer Gütereinsatz von End- und Vorprodukten als ohne Inflation. Unternehmer werden zu nur durch Inflation rentabel erscheinenden Aktivitäten verleitet, sprich: zu Spekulation, etwa im Immobilienmarkt. Kapital und Arbeit können aber nicht einfach über Nacht in neue Verwendungen transferiert werden, da beide verwendungsspezifische Merkmale besitzen. Kapital ist nicht einfach „K“ wie in keynesianischen Modellen, sondern branchen- und projektgebundenes, spezifisches Kapital. Hinzu kommen Kosten für Schutzmaßnahmen gegen Inflation, darunter Ausgaben für Berater und die Sicherung des Vermögens.

Schließlich wird es zunehmend attraktiver, anstelle des steinigen Weges auf dem Markt, den billigeren politischen Weg zu Erreichung persönlicher Ziele zu benutzen. Das aber führt zu einem dynamischen Interventionismus mit immer mehr Eingriffen in den Markt und extremen Konjunkturzyklen wie der aktuellen Weltwirtschaftskrise.

Die Ursache von Inflation ist die Ausweitung der Geld- und Kreditmenge. Die Heilung besteht darin, die Ausweitung der Geld- und Kreditmenge zu stoppen. Auch wenn es so einfach ist, werden wir bald an den offiziellen Konsumentenpreisindices sehen, wie schwer das den Politikern und Zentralbanken fällt.

 
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