Startseite Zur Inflationskrise Hintergründe 700 Mrd. USD Rettungsplan wird Marktbereinigung verschleppen
700 Mrd. USD Rettungsplan wird Marktbereinigung verschleppen PDF Drucken E-Mail
Die sich derzeit abzeichnende Einigung auf das so genannte „Rettungspaket“ für die US-Finanzbranche verfolgt im Kern zwei Ziele: Erstens soll die Finanzkrise psychologisch und finanzpolitisch überwunden werden. Dazu dient das nach geradezu hektischen Bemühungen hinter den Kulissen ausgesandte Signal: der Staat übernimmt alle faulen Kredite. Zweitens soll mit einer Art Kickstart der Vertrauens- und Liquiditätsmangel im Finanzsektor überwunden werden. Diesem neuen Wirtschaftswachstum dient das Einpumpen frischen Geldes.

Dieser Plan krankt an einer Reihe von Unzulänglichkeiten, die symptomatisch für die Lenkung einer Wirtschaft von den Kommandohöhen des Staates ist. Zunächst einmal ist die so genannte Finanzkrise eine marktwirtschaftliche Bereinigung staatlicher Verzerrungen infolge einer jahrelangen Politik des billigen Geldes mit zu niedrigen als realwirtschaftlich erforderlichen Zinsen. Die vermeintliche Finanzkrise ist also tatsächlich ein Gesundungsprozess als Reaktion auf die Inflationskrise. Folglich sind Liquiditätsengpässe und sinkende Preise Teil der Gesundung und nicht der Krankheit. Hinzu kommt, dass den vermeintlichen staatlichen Rettungsmaßnahmen ein weit reichender Trugschluss zugrunde liegt: Geld wird mit wertschöpfendem Kapital verwechselt. Frisches Geld ohne Produktionszuwachs führt lediglich zum Aufblähen der Geldmenge, also Geldentwertung oder Inflation. Wertschöpfendes Kapital wird jedoch dem Konsum entzogen und für Investitionen und damit späteren Konsum zurück gehalten, ohne dass sich die Geldmenge ändert.

Unüberwindbare Schwierigkeiten dürften den vermeintlichen Rettern ihr eng begrenztes Wissen bereiten. Wie sollen sie faule Kredite identifizieren? Wie sollen sie diese bewerten ohne über Marktpreise zu verfügen? Welche Unternehmen sind rettungswürdig und welche nicht? Diese beiden Probleme, die Unfähigkeit zur Wirtschaftsrechnung und das Wissensproblem, beruhen auf dem Fehlen von Marktpreisen, die uns die unerlässlichen Signale senden, damit wir wissen, was wir zu tun haben. Diese beiden Erkenntnisse nutzten Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek für ihren wissenschaftlichen Sieg über den Sozialismus.

Der Rettungsplan ist ein weiterer Schritt in der Interventionsspirale. Zweifellos entsteht großer Schaden für die Marktwirtschaft und ihre Reputation. Die massenhaften Proteste von US-Bürgern gegen die staatlichen Eingriffe sprechen für das in den USA noch verbreitete marktwirtschaftliche und anti-korporatistische Gespür. Die Regierung beabsichtigt nämlich faule Kredite zu kaufen noch bevor Unternehmen sich in Schieflage befinden. Ist dies bei gescheiterten Unternehmen bereits mit einer Marktwirtschaft unvereinbar – sie steht und fällt mit dem Gewinn- und Verlustprinzip – belohnen nun die US-Politiker mit einem präventiven Blankoscheck sämtliche vom Markt als falsch bewerteten Unternehmungen und mit ihnen die Unternehemnsführer. Kapital wird damit in strukturellen Problemzonen konserviert statt in bessere Verwendungen zu fließen. Der „Mega-Bailout“ erschwert zudem Unternehmen den Zugang zu „normalen“ Krediten. Zugleich findet eine massive Umverteilung statt: Weg von den Steuerzahlern hin zu Aktienbesitzern und Gläubigern, weg vom Privateigentum hin zum Staatsbesitz wie die Pläne über eine staatliche Beteiligung an Gewinnen geretteter Unternehmen aufzeigen.

Insgesamt bleibt unklar warum Banken mehr Kredite als bisher vergeben und die Preise am Hypothekenmarkt steigen sollten. Es sind große Zweifel angebracht, dass der Kickstart gelingt. Schließlich besteht das Problem der zu losen Geldpolitik unverändert fort. Und ohne sinkende Preise, die ja durch das eingepumpte Geld künstlich zu hoch geklettert waren, kann die Krise nicht überwunden werden.
Tatsächlich wird die US-Wirtschaft ihren Charakter sichtbar verändern. Die Rede ist nicht von den Umwälzungen im Bankensektor, sondern von dem massiven Staatseinfluss, der mit dem  „Rettungspakets“ einhergeht einschließlich der einzigartigen Verstaatlichungswelle. Nur selten ist es gelungen, die einmal erlangte Macht wieder in ihre ursprünglichen Schranken zu weisen.

Es liegt in der Natur der Sache, dass der substanzielle Heilungsprozess durch den nach der Großen Depression massivsten Interventionismus verzögert wird. Neue Krisen sind absehbar, Stagflation ist das kontraproduktive Wesen des vielfach herbeigesehnten großen Rettungsplans. Indes liegen Vorschläge für billigere und bessere Rettungsmaßnahmen seit geraumer Zeit vor. Dazu zählt auch die Pflicht zur verbesserten Eigenkapitalausstattung der Finanzinstitute. Dies kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der politische Rettungsplan nicht mehr als eine Krücke des staatlich konstruierten und regulierten Finanzsystems und damit das Problem und nicht die Lösung ist.

 
Facebook MySpace Twitter Digg Delicious 
 
 
Bild