Der Annahmezwang PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: wz   
Sonntag, 23. September 2012

Obschon der allgemeine Annahmezwang für die Banknoten in der Gegenwart so natürlich erscheint, dass die meisten sich ein Zahlungsmittel ohne ihn kaum vorzustellen vermögen, hat sich dieses System erst in neuerer Zeit allgemein durchgesetzt. Hierfür mögen zwei Beispiele genügen. So bestimmte in Deutschland nach § 2 des Bankgesetzes vom Jahre 1875:

"Eine Verpflichtung zur Annahme von Banknoten bei Zahlungen, welche gesetzlich in Geld zu leisten sind, findet nicht statt und kann auch für die Staatskassen durch Landesgesetz nicht begründet werden."

Erst im Jahre 1900 wurde diese Vorschrift durch ihr Gegenteil ersetzt, indem nunmehr Art. 3 des Gesetzes vom 1. Juni 1900 verordnete:
"Die Noten der Reichsbank sind gesetzliche Zahlungsmittel."

Ähnlich war die Entwicklung in der Schweiz. Dort war der Annahmezwang für Banknoten noch durch Art. 39 der Bundesverfassung von 1874 ein für allemal verboten. Aber schon im Jahre 1891 wurde die Verfassung geändert und die Annahmeverpflichtung wurde dann alsdann 1914 eingeführt.
Der Annahmezwang begründet die Abhängigkeit der Währung von der Zentralbank.

Die gesetzliche Annahmeverpflichtung für die Noten der Zentralbank erschöpft sich keineswegs darin, die Währungsgrundlage zu verfälschen. Sie macht zugleich das Schicksal der Währung von dem der Zentralbank und damit häufig genug von dem des Bankensystems überhaupt abhängig. Ist die Zentralbank aus irgend einem Grunde nicht mehr in der Lage, ihre Noten einzulösen oder deren Parität aufrechtzuerhalten, sinken also die von ihr ausgegebenen Schuldscheine im Kurse, so wird vermöge der gesetzlichen Gleichstellung zwischen den Noten dieser Bank und dem gesetzlichen Wertmesser die gesamte Wertrechnung hiervon mitgerissen. Dementsprechend war es im wesentlichen die Lage der Bank von England, welche im Jahre 1931 die Aufgabe des Goldstandards herbeigeführt hat, und in ähnlicher Weise hat im Jahre 1935 in Belgien die Nationalbank den Anstoß zur Abwertung gegeben. Schon Lord Overstone hatte diese Zusammenhänge klar erkannt, als er vor fast hundert Jahren schrieb:

"Wenn ich meine Privatbank ruiniere, so bin ich ruiniert. Begeht indess die Bank von England einen großen Fehler, so kann sich die Bank zwar selbst retten, aber das ausgedehnte Unheil verbreitet sich über das ganze Gemeinwesen."

Der Annahmezwang als Voraussetzung für jede Inflation.

Dazu kommt, dass der Annahmezwang für Banknoten die gesetzliche und begriffliche Voraussetzung einer jeden Inflation bildet. Ohne  Annahmezwang mag es allenfalls Bankenzusammenbrüche mit all ihren Folgen geben, niemals aber eine Inflation; denn die Zerstörung des Wertmessers, die Verfälschung aller Geldbeziehungen, welche die Kennzeichen einer jeden Inflation bilden, können durch den Zusammenbruch einer einzelnen Bank niemals herbeigeführt werden. Erst durch die gesetzliche Gleichstellung der Noten dieser Bank mit dem allgemeinen Wertmesser tritt diese Verwirrung ein. Erst der Annahmezwang hat jenen unheilvollen Satz der deutschen Inflation: "Mark gleich Mark" ermöglicht. Und es hat niemals in der Geschichte eine Inflation gegeben, die nicht auf der gesetzlichen Annahmeverpflichtung beruht hätte.

Quelle: Der vorstehende Auszug wurde der Schrift "Ein Ausweg aus dem Währungschaos" von Dr. Walter Zander entnommen. Sonderdruck "Deutsche Sparer-Zeitung, Berlin, 1935.

 
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