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Währungsreform: Back to the Future? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: mvp   
Samstag, 14. Juli 2012

Die von den Politikern umverteilten Unsummen müssen finanziert werden. Die Staatsschulden- und Bankenkrise ist ein Fass ohne Boden. Wahrscheinlich ist eine beträchtliche Besteuerung der relativ vermögenden deutschen Bevölkerung auch durch Zwangsabgaben. Sollte die Krise der Banken sich als politisch nicht beherrschbar erweisen, Stichwort systemische Effekte, und eine Abwicklung nach dem Tofall-Schäffler-Szenario nicht realisiert werden, dann bleibt noch eine Währungsreform als Ausweg. Diese könnte mit neuem politischen Personal unternommen werden. Eine Mehrheit könnte sich dann finden, wenn die Menschen eine echte Alternative zum jahrelangen Durchwursteln suchen, aus Angst vor der Zukunft.

1948 lief die Währungsreform so ab (Auszug aus meiner Wirtschaftsgeschichte):

Auf Anordnung der westlichen Alliierten und auf der Grundlage des Währungs- und des Emissionsgesetzes wurde am 20. Juni 1948 in der Trizone eine Währungsreform durchgeführt: Die Deutsche Mark ersetzte die Reichsmark. In Berlin (West) erfolgte die Umstellung am 25. Juni 1948. Jede natürliche Person erhielt einen Kopfbetrag von 40 DM gegen 40 RM, im August kamen noch einmal 20 DM pro Person hinzu. Unternehmen erhielten zudem pro Arbeitnehmer 60 DM. Am Währungsstichtag waren also scheinbar alle Menschen gleich. Anlass der Währungsreform war die zerrüttete Währung, die ihre Funktion als Tausch-, Wertaufbewahrungs- und Rechenmittel in Folge der ungehemmten nationalsozialistischen Kriegsrüstung verloren hatte. Ziel der Reform war die Sanierung des Geld- und Bankwesens. Dazu regelte eine Reihe von Militärgesetzen und Verwaltungsakten die Durchführung der Währungsreform und deren Details, von denen die wichtigsten die nachfolgende Übersicht zeigt.


Die vier Gesetze der Währungsumstellung

1.   Währungsgesetz (20. Juli 1948)

·    Bestimmung der Deutschen Mark als neue Währung

·    Umstellungsverhältnis RM zu DM grundsätzlich im Verhältnis 1:1

2.   Emissionsgesetz (20. Juni 1948)

·    Beschränkung des Rechts der Notenausgabe auf die Bank Deutscher Länder

3.   Umstellungsgesetz (27. Juni 1948)

·    Regelung Umtausch Altguthaben/ -forderungen (Verhältnis 10:1)

·    Regelung der Finanzierung der freigegebenen Mittel

4.   Festkontengesetz (4. Oktober 1948)

·    Umwandlung größerer Reichsmarkguthaben im Verhältnis 100:6,

Die wichtigsten Ergebnisse der Währungsreform bestanden in der Streichung der öffentlichen Schulden, also der Verbindlichkeiten des Deutschen Reiches in Höhe von rund 400 Mrd. RM, und in einer Tauschrate, die ein Umtauschverhältnis von 100 RM zu 6,50 DM ergab. Das bedeutete, dass von 100 RM Guthaben oder Schulden nur 6,50 DM übrig blieben. Die Verfügungsmöglichkeit über Aktiva außerhalb des Währungsgebietes, also vor allem der SBZ und der Ostgebiete, ging verloren. Das neue Geldvolumen betrug nun 4,4 Mrd. DM (Ende Juni 1948, bis Ende Dezember angewachsen auf 12 Mrd. DM) statt 145 Mrd. RM. Damit wurden über 93 Prozent der alten RM-Bestände aus dem Verkehr gezogen und der Geldüberhang erfolgreich beseitigt. In der nachfolgenden Zeit betrieb die Bank deutscher Länder eine „Politik des knappen Geldes“, mit anderen Worten war gutes Geld knapp und besaß daher Wert. Die bewusst niedrige Geldausstattung zielte darauf, die Lager aufzulösen und die Produktion anzukurbeln. Zugleich waren Haushaltsdefizite ausdrücklich per Gesetz verboten. Die Bankensanierung erfolgte im Wesentlichen über im Umstellungsgesetz geregelte „Ausgleichsforderungen“. Zur Regelung der Folgen der Währungsreform wurden in den folgenden Jahren weitere Gesetze erlassen. Zu ihnen gehörte beispielsweise das DM-Bilanz-Gesetz (21.08.1949), das den Unternehmen die Erstellung von Eröffnungsbilanzen in DM auf den Stichtag der Währungsreform vorschrieb (weitere Gesetze bei Buchheim: 1988, 218f.).

Die unmittelbaren Folgen der Währungsreform waren weithin sichtbar. Das Angebot an Konsumgütern stieg sprunghaft an, die Schaufenster füllten sich über Nacht und die gehorteten Warenlager wurden aufgelöst, die Produktion sprang an und die Schwarzmärkte verschwanden. Meinungsumfragen in der US-Zone zeigen eine Trendwende in den Hauptsorgen der Bevölkerung. Nicht mehr Güter wie Lebensmittel und Kleidung, sondern das knappe Geld wurde zum wichtigsten Engpass. Der Anreiz, gegen Geld zu arbeiten stieg wie die wöchentliche Arbeitszeit. Hinzu kam ein enormer psychologischer Effekt, Aufbruchsstimmung machte sich breit. Ja sogar die Kühe schienen den Leistungsanreizen zu folgen, denn die Butterlieferungen stiegen bereits in der ersten Woche an. Die Währungsreform schien, anders als in der SBZ, ein voller Erfolg zu sein.

Quelle: Deutsche Wirtschaftsgeschichte nach 1945, 63-65.

 
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