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"Geld und Gesellschaft" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: mvp   
Samstag, 28. April 2012

Felix Buchbinder hat unter dem oben genannten Titel eine lesenswerte Analyse der Fehlstrukturen des monopolistischen Währungssystems und Untersuchung alternativer Geldsysteme als Bachelor Arbeit an der Hochschule Reutlingen vorgelegt. Grundlage sind die Erkenntnisse der Österreichischen Schule, hinzu kommt eine empirisch Fundierung durch Experteninterviews; befragt wurden Wilhelm Hankel, Frank Schäffler, Gregor Hochreiter und Michael von Prollius.

Die Arbeit setzt sich aus drei Teilen zusammen: Kritische Perspektiven auf das Geldwesen, Alternativen zum gegenwärtigen Geldsystem (Free Banking und Regionalwährungen) sowie die WIR Bank Genossenschaft als Beispiel für eine erfolgreiche Parallelwährung. Felix Buchbinder kommt zu dem Ergebnis, dass „unser gegenwärtiges Geldsystem einer Marktwirtschaft fremd ist, durch die Politik systematisch entwertet wird, Verschuldung anreizt und langfristig nicht bestehen kann.“ Die Experten gehen davon aus, dass sich das gegenwärtige Geldsystem innerhalb der nächsten drei Jahre stark verändert, was insbesondere für die Funktion der Zentralbank gilt, und in absehbarer Zeit zusammenbrechen könnte.

Die Arbeit zeigt auf gelungene Weise Geschichte, Merkmale und Umsetzungsmöglichkeiten alternativer Geldordnungen auf, beim Regio-Geld ausführlich am Beispiel des Donau-Talers, der als Verrechnungssystem und Ergänzung zum Euro dient. Die mittelständisch ausgerichtete WIR Bank emittiert in der Schweiz eine staatlich anerkannte bargeldlose Währung, die international unter dem Kürzel CHW firmiert, allerdings nicht im Ausland genutzt werden kann. CHW entsteht durch Kreditvergabe und Aufträge. Das System wird antizyklisch vor allem in Rezessionszeiten genutzt. Der Gesamtanteil an der umlaufenden Geldmenge betrug 2010 zwar lediglich 0,39% von M1, aber 22% aller KMU in der Schweiz besitzen ein CHW Konto. Zwei- bis dreitausend KMU sollen so eine Rezession überstanden haben.

Felix Buchbinder schließt seine Untersuchung mit dem Urteil: „Die wachsende Anzahl an Regionalwährungen und anderen Initiativen, macht deutlich, dass immer mehr Menschen auf der Suche nach alternativen Geldsystemen sind, sowohl um sich von zukünftigen Währungskrisen zu schützen, aber auch um sich unabhängig von gesetzlich festgelegten Zahlungsmitteln zu machen und gleichzeitig ihre Region zu fördern. Eine gesetzliche Zulassung und Unterstützung von konkurrierenden Privatwährungen, könnte diese Tendenz noch bekräftigen und zur Entwicklung von nachhaltig und langfristig stabileren Geldsystemen beitragen.“

So ist es!

 
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