| Warum es so schwer ist, die Inflation zu beenden |
|
|
|
| Geschrieben von: mvp |
| Dienstag, 10. Januar 2012 |
|
Technisch gesehen ist es denkbar einfach, die einmal in Gang gekommene Inflation zu beenden: Erforderlich ist lediglich, die Politik des Geldmengenwachstums zu beenden. Doch wenn der Staat die Macht über die Geldmenge innehat, ist das Stoppen des Geldmengenwachstums politisch nur schwer möglich. Das Ausweiten der Geldmenge schürt zunächst die Illusion des Reichtums. Das neue Geld lässt zunächst die Gewinne der Unternehmen steigen und verführt sie zu neuen Investitionen. Doch der Effekt ist von begrenzter Dauer. Sobald die Täuschung offenbar wird, fällt der Scheinaufschwung in sich zusammen. In der Inflation erblicken vor allem die Regierenden den vergleichsweise leichtesten Ausweg aus momentanen Schwierigkeiten. Inflation wird zum vermeintlichen Heilmittel, um die Missstände zu verdecken, die ihre (Inflations-) Politik heraufbeschworen hat. Wenngleich Inflation das Geld ruiniert, gibt es dennoch einen großen Anreiz für die Inflationspolitik. Denn ein Ausweiten der Geldmenge kann zunächst einen Scheinaufschwung in Gang setzen, der Produktion und Beschäftigung kurzzeitig erhöht, und erst später treten die schädlichen Folgen zutage, die dann zu einer noch stärkeren Inflationspolitik verleiten. Dazu schrieb Friedrich August von Hayek: „Die stimulierende Wirkung der Inflation wird also nur so lange anhalten, als sie nicht vorausgesehen wurde; sobald sie vorausgesehen wird, wird nur ihre Fortsetzung in verstärktem Maße die gleiche Prosperität erhalten. Wenn in einer solchen Situation die Preise weniger steigen würden als erwartet, wäre die Wirkung dieselbe wie die einer unvorhergesehenen Deflation. Sogar wenn sie nur so viel stiegen, als allgemein erwartet wurde, würde das nicht mehr den außergewöhnlichen Anreiz bilden, sondern es würde zeigen, welche Menge von Anpassung aufgeschoben wurde, solange der Anreiz andauerte. Damit die Inflation ihre ursprüngliche stimulierende Wirkung beibehielte, müsste sie mit einer Geschwindigkeit fortgesetzt werden, die immer größer ist, als erwartet wird.“ Reaktion auf den Zusammenbruch des Scheinaufschwungs Wenn der durch Kredit- und Geldschaffen aus dem Nichts angestoßene Scheinaufschwung in sich zusammenzubrechen droht, versuchen die Zentralbanken mit noch mehr Kredit und noch niedrigeren Zinsen die Konsequenzen abzuwenden, die zu viel Kredit und Geld, bereitgestellt zu zu niedrigen Zinsen, heraufbeschworen haben. Die Regierungen versuchen mit Steuergeldern, Banken vor dem Kollaps zu bewahren, indem sie deren Verbindlichkeiten garantieren und ihnen Eigenkapitalspritzen zur Verfügung stellen. Kreditfinanzierte Konjunkturprogramme werden aufgelegt, mit denen die Nachfrage gestärkt werden soll. Doch alle Maßnahmen, die die Staaten und ihre Zentralbanken angesichts der kommenden Bereinigungsrezession ergreifen, gehen am Kern der Krisenursache vorbei. Die eigentliche Krisenursache, also das staatliche System, in dem Geld per Kredit geschaffen wird, bleibt durch all diese Politikmaßnahmen unangetastet. Zugleich können die finanziellen Lasten, die aus steigender Staatsverschuldung für Konjunkturprogramme und Bankenrettungspakete erwachsen, schnell die Zahlungsfähigkeit und -bereitschaft der Steuerzahler überfordern und eine Situation heraufbeschwören, in der eine Politik der ungehemmten Geldentwertung als das vergleichsweise kleinste Übel angesehen wird, um der Misere zu entkommen. Aus Sicht der Österreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre illustriert die internationale Kreditmarktkrise, die im Herbst 2007 sichtbar ihren Anfang nahm, und die sich natürlich auf die internationale Produktions- und Beschäftigungslage auswirkt, dass das staatlich kontrollierte Geld- und Kreditsystem kein Geld bereitzustellen vermag, welches mit dem System freier Märkte vereinbar ist. Vielmehr ist es ein Störfaktor, der unweigerlich Finanz- und Wirtschaftskrisen verursachen muss. Bemühungen, mit mehr und besseren staatlichen Regulierungen der Finanzmarktakteure ein stabileres Finanzsystem zu errichten, sind vergebens, sie führen in die Irre. Quelle: Thorsten Polleit/ Michael von Prollius: Geldreform, 122-124. |




