| Geldfreiheit statt Geldsozialismus! |
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| Geschrieben von: mvp |
| Freitag, 02. Dezember 2011 |
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Zentralbanken sind Inflationsbehörden. Ihr offiziell verkündetes Ziel ist eine Preisinflation, bei der EZB von 2 Prozent pro Jahr. Sobald diese Politik konsequent verfolgt wird, halbiert sich die Kaufkraft unseres Geldes innerhalb von 35 Jahren. Derzeit erleben wir indes, wozu Zentralbanken als Monopolisten unter politischem Einfluss, dem sie bei allem Gewese um ihre Unabhängigkeit stets ausgesetzt sind, fähig sind: Aufkauf von Schrottpapieren, Quantitative Easing, Negative Realzinsen usw., kurzum der Ruin der Währung und der Wirtschaft in bester Absicht. Inflationsbehörden und staatlich privilegierten Geschäftsbanken das wichtigste Gut der Wirtschaft zu überlassen – das allgemein akzeptierte Tauschmittel –, ist ungefähr so klug, wie Alkoholiker eine Brauerei leiten zu lassen. Zentralbanken müssen scheitern Es gibt eine Reihe schlagender Argumente gegen Zentralbanken, von zweien soll nachfolgend kurz die Rede sein: 1. Eine Behörde kann unmöglich Angebot und Nachfrage nach Geld in Einklang bringen. Dazu mangelt es ihr im Gegensatz zur dezentralen Koordination von Millionen Menschen auf Märkten an Wissen. Das ist das „Hayek-Argument“, der klassische Fall der „Anmaßung von Wissen“, den er in seiner Nobelpreisrede als Mahnung an seine Kollegen gerichtet hat. Bürokraten und Wissenschaftler flüchten sich daher in Hilfskonstrukte: Preisniveaustabilität, obwohl gar kein Preisniveau existiert, sondern eine unüberschaubare Vielzahl veränderlicher Einzelpreise; Begrenzung des Geldmengenwachstums, obwohl es eine behördliche Spekulation ist, ob die Geldmenge wachsen soll oder nicht, vielfach werden politische Wünsche nach einem angemessenen Wirtschaftswachstum geldpolitisch verfolgt. Das Ergebnis ist eine aufpolierte Trabbi-Währung. 2. Eine Wirtschaft lässt sich nicht wie eine Armee kommandieren. Nach einer begrenzten Zeit, kommt zwangsläufig der Zusammenbruch. Das ist das „Mises-Argument“: die Unmöglichkeit sozialistischer Wirtschaftssteuerung. Der real existierende Geldsozialismus – staatliches Geld, Zentralbanken, umfassende regulierte und privilegierte Finanzinstitute – erlaubt keine reinen Markt-, sondern nur administrativ manipulierte Preise. Hinzu kommt der von Experten zentral festgelegte Zins. Unter dem Banner progressiver Wissenschaft ist das Resultat das, was Ludwig von Mises bereits 1922 in „Die Gemeinwirtschaft“ konstatierte: „Sozialismus ist Aufhebung der Rationalität in der Wirtschaft“. Das Scheingeld, das der Staat als gesetzliches Zahlungsmittel ausgibt, würde auf natürlichem Wege, d.h. freiwillig, niemals akzeptiert werden. Es war einmal mehr Ludwig von Mises, der darauf mit seinem Regressionstheorem hingewiesen hat. Niemand kennt und akzeptiert freiwillig Geld, das nicht vorher bereits einen Wert an sich besaß, wie es bei Gold und Silber der Fall ist. Scheingeld ist ein Krisentreiber Die Folge staatlichen Geldes sind manipulierte Preise, manipulierte Zinsen und eine manipulierte Konjunktur. Geldpolitische Ziel ist der ewige Boom. Resultat ist die zyklische Krise: dem geldpolitisch künstlich angefachten Boom folgt zwangsläufig die Bereinigung, die fälschlicherweise als Krise bezeichnet wird, handelt es sich doch nur um die Offenlegung einer unmöglichen Entwicklung. Aktien, Rohstoffe, Immobilien und andere Vermögenswerte wachsen eben nicht in den Himmel. Ein Rentierdasein ist nur durch das Schaffen von echtem Wohlstand und nicht durch Geldillusionen möglich. Wir erleben gerade den Kulminationspunkt des staatlichen Geldsystems: Finanzkrise – Verschuldungskrise – Staatsschuldenkrise – Ruinierung der Währung – politische und soziale Spannungen. Von goldenen Zeiten zum Moralverfall Der Vergleich mit dem Goldstandard illustriert die Kläglichkeit der staatlichen Monopolbilanz genauso wie ein Blick in die Geschichte. Während alle Papiergeldsysteme seit den chinesischen Kaisern gescheitert sind, war ein dem Free Banking nahe stehendes Geldwesen regelmäßig zu erfolgreich, um von den Regierungen geduldet zu werden. Das liegt daran, dass Regierungen unbegrenzten Kredit erhalten und Banken ihre Gewinnmöglichkeiten drastisch erhöhen, wobei sie gleichzeitig das marktwirtschaftliche Risiko des Scheiterns nahezu vollständig beseitigen können. Wer als „systemrelvant“ akzeptiert wird, der hat es geschafft. Die Folge sind Großbanken und ein Kult des Kolossalen, immer größer, immer globaler, Renditejagd ohne Maß und Mitte. In einem freien Geldwesen würden absehbar Banker nicht in Marmorpalästen als Gralshüter der Wirtschaft gelten. Gleichzeitig ist dies nicht als „Banker-Bashing“ zu verstehen. Die Branche arbeitet unter den ihr gesetzlich vorgegebenen und von ihr durch erfolgreiche Lobbyarbeit sowie aktuell Angstmacherei beeinflussten Regeln und Anreizsystemen. Noch ein Wort zum Geld. Unser Geld ist Schulden- und Kreditgeld: „Der 'Turboantrieb'“ bei der Kreditschöpfung kommt durch das Tandem von Fractional Reserve Banking und Zentralbanken zustande, wobei der Staat als Kolossal-Schuldner noch die abschüssige Rennbahn beisteuert.“ urteilt Roland Baader in seinem Geldbuch und Vermächtnis „Geldsozialismus“. Der Privatgelehrte hebt zudem einen bisher wenig thematisierten Aspekt hervor: „Wenn eine grosse Zahl von Leuten – oder sogar die Mehrheit – von anderer Leute Geld lebt, und wenn den Empfängern sogar noch eingeredet wird, dass sie darauf einen Anspruch hätten, dann ergibt sich daraus nicht nur eine andere Auffassung von Wirtschaft, Arbeit, Eigentum, Staat und Politik, sondern auch eine Änderung der Persönlichkeits- und Charakter-Struktur der Bürger.“ Das ist des Pudels Kern: Unser marodes Geld ist kein rein wirtschaftliches Problem, sondern wirkt längst gesellschaftlich destabilisierend. Die Frage, wie unser Geld produziert werden soll, ist gleichbedeutend mit der Frage nach der Art und Weise wie wir leben (wollen). Von diesem Blickwinkel aus wird klar, wie die Dinge zusammenhängen, wenn von geistig-moralischem Verfall, spätrömischen Verhältnissen und dem Niedergang des Westens die Rede ist.
Die Alternative: Free Banking Für den Begriff „Free Banking“ gibt es im deutschen Sprachraum bisher keine adäquate Formulierung. Von Hans F. Sennholz stammt der Begriff „Geldfreiheit“. Auch wenn keine einheitliche Definition existiert, so lassen sich doch eine Reihe von Merkmalen herausstellen: Das Emittieren von Geld erfolgt nicht durch den Staat, sondern, wie bei anderen Gütern auch, privat durch im Wettbewerb stehende Unternehmen. Ein freies Geldwesen umfasst auch ein freies Bankenwesen – ohne Sonderprivilegien, idealerweise ohne Regulierung und ohne staatliche Bankenrettungen. Die am wenigsten regulierten Free Banking Systeme haben besonders gut abgeschnitten, wenn als Vergleichskriterien dienen: die Geldstabilität, wirtschaftliches Wachstum und die Vermeidung von Betrug, Falschmünzerei, Bankrun und übermäßiger Kreditvergabe. Selbstverständlich können die Marktteilnehmer frei entscheiden, was sie als Geld akzeptieren. Entpolitisiertes Geld In einem freien Geldwesen entfällt die gesamte Politisierung der Wirtschaft über das Geld. Es gibt keine Geldpolitik, keine Zinspolitik und auch keine staatlichen Vorgaben für Mindestreserven, außerdem keinen Lender of last Resort („Kreditgeber der letzten Instanz“) und keine Bailouts („aus der Klemme helfen“) mit Steuergeldern für am Markt gescheiterte Unternehmen. Das liegt daran, dass es kein Geldmonopol der Regierung gibt und auch kein gesetzliches Zahlungsmittel, das von einer Behörde ausgegeben wird, und daran, dass alle wettbewerblichen Alternativen sowie Bestrebungen nach einer Verbesserung des Gutes anders als heute erlaubt sind. Der freie Markt stellt das gewünschte Geld in der gewünschten Qualität und erforderlichen Menge zur Verfügung. Das Ergebnis kann sich historisch sehen lassen. Die Rede ist nicht nur von wunderbar anzusehenden Münzen aus Kupfer, Silber und Gold, sondern auch von einem ruhigeren Fluss der Wirtschaft, fehlender Teuerung von Produkten und vor allem keinen Währungszusammenbrüchen, geschweige denn Hyperinflationen. Die Aufgabe des Staates beschränkt sich in einem freien Geldwesen auf die Durchsetzung von Verträgen und insbesondere den Schutz des Privateigentums. Free Banking mit Volldeckung und Teilreserve Bei Geldfreiheit gibt es im wesentlichen zwei Wege, wie Geld herausgegeben werden kann. Statt von Zentralbanken ungedeckte Papierzettel herauszugeben und elektronisches Geld aus dem Nichts zu schaffen, hängt in einem Volldeckungssystem die verfügbare Geldmenge von der Menge des vorhandenen Gutes ab, das als Geld dient, z.B. Gold (und Silber), sowie von der geförderten Menge dieses Gutes. Banken wären anders als heute keine Geldproduzenten mehr, sondern Lagerstätten für Geld (Gold und Silber), die Banknoten nur als Äquivalent des eingelagerten Gutes ausgeben. Außerdem wären sie Anbieter von Zahlungsverkehrdiensten. Im Kreditgeschäft, das vom Einlagengeschäft getrennt ist, leiten sie vorhandene Geldbestände weiter, ohne die volkswirtschaftliche Geldmenge zu verändern. In einem Teilreservesystem, ohne Zentralbank, können die Geschäftsbanken nach eigenem Ermessen die Deckung ihrer Währung reduzieren. Die Kunden haben zwar einen Anspruch auf jederzeitige Einlösung des Geldes in ein Gut, jedoch nur ein Teil des zirkulierendes Geldes liegt in Form von Gütern in den Tresoren der Banken. Im Unterschied zum Scheingeld, das per Gesetz zum Zahlungsmittel gemacht wird, handelt es hierbei nicht um Fiat Money, sondern Fiduciary Money, also treuhänderisches Geld, das mit dem (vertraglichen) Versprechen verknüpft ist, einen spezifischen Betrag in Form von Gold oder Silber zu bezahlen. Eine Banknote, die in einem Teilreservesystem faktisch einlösbar ist und als solche angesehen wird, stellt kein Fiat Money (Scheingeld) dar. Wettbewerb ist stärker als jede gesetzliche Regulierung Wie für andere Güter gilt auch für Geld das „Gesetz“ von Angebot und Nachfrage. Da Geld neutral sein soll, also selbst keinen Einfluss auf die Preisbildung anderer Güter ausüben darf, Angebot und Nachfrage nach Gütern also nicht monetär beeinflusst werden sollen, scheidet ein steigender Preis für Geld bei steigender Nachfrage nach Geld und konstanter Geldmenge wie etwa in einem Volldeckungssystem aus. Das Ganze gilt auch für den umgekehrten Fall. Somit bleibt als Anpassungsmöglichkeit nur, bei steigender Geldnachfrage die Angebotsmenge auszuweiten. Und genau das ermöglicht ein Teilreservesystem. Banken reduzieren dann ihren Reservesatz, wenn sie merken, dass die Nachfrage nach Geld steigt. Das Ergebnis ist nicht Inflation, sondern die Vermeidung deflationärer Fehlentwicklungen und Exzesse. Dafür gibt es eine Reihe von historischen Beispielen. Besonders gut untersucht ist das Beispiel Schottlands um die Jahrhundertwende des 18. zum 19. Jahrhunderts. Zugleich wird so die erforderliche Koordination zwischen Marktzinssatz und natürlichem Zinssatz ermöglicht. In einem freien Geldwesen sorgen anders als im Zentralbanksystem nicht Vorschriften für eine Mindestreserve, sondern der Wettbewerb bestimmt den erforderlichen Reservesatz. Außerdem begrenzen Fiduciary Banksysteme die Geldschöpfung durch die verfügbare „Basisgeldmenge“ in Form von Gold (und Silber), während es in Fiat Money Systemen praktisch keine Grenze für die Geldschöpfung gibt. Stets steht der Geldschöpfung durch Kredite eine Geldvernichtung durch ihre Tilgung gegenüber. Volkswirtschaftlich betrachtet wird also zeitweise Geld geschaffen, und zwar solange wie die Kreditvergabe die Kredittilgung übersteigt. Das ist im Teilreservesystem eines freien Geldwesens sinnvoll, um auf eine steigende und sinkende Nachfrage nach Geld reagieren zu können. Nur so kann das monetäre Gleichgewicht gehalten werden, sonst müsste das Preisniveau monetär bedingt steigen und fallen. Und die Manipulation der Preise gehört zu den Todsünden, die eine freie Marktwirtschaft zerstören. Historisches Erfolgsmodell Heute können sich die meisten Menschen nur schwer vorstellen, dass Zentralbanken ein relativ junges Konstrukt von Politikern, ökonomischen Technokraten und geschäftstüchtigen Bankvorständen sind, die mit einer einzigartigen Geldentwertung und schweren Wirtschaftskrisen einhergehen. Noch weniger bekannt sein dürfte die Tatsache, dass die zahlreichen, weltweiten Erfahrungen mit Geldwesen, die einem freien Bankenwesen sehr nahe kommen, besser funktioniert haben als die heutigen Zentralbanksysteme. Dabei galt: je weniger Regulierung desto größer der Erfolg. Eine Fülle historischer Beispiele belegt das. Der amerikanische Ökonom Kurt Schuler konstatiert: „Free Banking war gebräuchlich im Britischen Empire, dem Orient und in Amerika. Selten kam es dagegen vor in Nord- und Osteuropa, Afrika, dem Mittleren Osten und in Kolonien, außer den britischen.“ Herausragende Erfolgsbeispiele finden sich in China (bereits vor 1000 Jahren), Brasilien und Schottland. Insbesondere in kleinen Ländern, wie eben Schottland oder auch Schweden und Belgien, konnte sich Free Banking erfolgreich entwickeln. In einer kompakten Übersicht listet Kurt Schuler rund 60 historische Beispiele für Free Banking weltweit auf. Die regulierende Rolle des Staates variierte dabei; Beschränkungen betrafen vielfach das Ausmaß, Banknoten im Verhältnis zum vorhandenen Kapital ausgeben zu können. Die historischen Beispiele belegen, dass ein Teilreservesystem die vertraglichen Verpflichtungen erfüllt, auf Verlangen der Kunden die Verbindlichkeiten einzulösen. Die Geschäftsbanken waren zudem nicht in der Lage, mehr Kredite zu vergeben, als sie an überschüssigen Reserven zur Verfügung hatten. Sie haben dazu auf unbedenkliche Weise ihre Reservesätze reduziert, wenn sie eine verstärkte Geldnachfrage erkannten. Wettbewerb mit Haftung, drohender Insolvenz und Gefahr der Übernahme stellten die Weichen in Richtung einer gesunden Kreditvergabe. Der Weg aus der Sackgasse Der Wechsel vom heutigen Geldsystem mit einer Zentralbank zu einem Free Banking-Geldwesen bedeutet eine Privatisierung oder Entstaatlichung des Geldes: „Denationalisation of Money“ – so der Titel des Buches, mit dem Friedrich August von Hayek 1976 die alte Debatte um Free Banking neu belebt hat. „Was wir nun brauchen“, forderte Hayek in seiner besagten Schrift, „ist eine Freigeld-Bewegung, die der Freihandels-Bewegung des 19. Jahrhunderts vergleichbar ist“. Geldfreiheit ist keine Utopie, bei der alles perfekt abläuft. Banker treffen Fehlentscheidungen, vergeben schlechte Kredite und tätigen Fehlinvestitionen. Bankinsolvenzen legen wirtschaftliches Fehlverhalten offen. Ohne perfekte Menschen gibt es auch kein perfektes Geldwesen. Allerdings ist ein freies Geldwesen der herrschenden monetären Planwirtschaft haushoch überlegen. Die aktuelle Schuldenkrise wäre in einem freien Geldwesen nicht möglich. Der Fall Griechenland hätte sich niemals ereignet. Das gilt auch für die Umverteilung von Steuerzahlern zu am Markt gescheiterten Regierungen und Unternehmern, ob Bankern oder Automobilbauern. Schließlich ist auch das nicht möglich, was noch auf uns zukommt: massive Geldentwertung, Konfiskation von Teilen des Vermögens, zentralistische Wirtschaftssteuerung, die uns nicht nur in Form von Glühbirnenverboten und absurden, aber harmlosen Warnhinweisen auf Luftballonverpackungen betreffen wird. Geldfreiheit stellt zudem eine natürliche Bremse für ausufernde Sozial- und Wohlfahrtsstaaten dar. Wie immer liegt es bei uns Freunden der Freiheit daran, ob wir eine utopisch anmutende, aber erfolgreiche Idee zum Nutzen gerade der normalen Menschen popularisieren können. Die Freihandelsbewegung, mit dem späteren „Held der Armen“ Richard Cobden an der Spitze, trat für die Abschaffung der Corn Laws (Getreidezölle) ein besiegte schließlich den Hunger – gegen die scheinbar übermächtige Aristokratie. Nun liegt es an uns, ob wir die mächtigen Profiteure des Geldsozialismus in die Schranken weisen können – zum Wohle von 99% der Bevölkerung. Quelle: Der Artikel ist erschienen in: espero 18 (2011) Nr. 70, 17-22. |




