| Stürmische Zeiten |
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| Geschrieben von: mvp |
| Samstag, 15. Mai 2010 |
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Nichts wird mehr so sein wie es einmal war. Das ist der Tenor einer Reihe von Querdenkern. Einige von Ihnen haben in der Vergangenheit den Verlauf der aktuellen Ereignisse treffsicher prognostiziert. „Der Markt kann sich halbieren – das wird ungemütlich“ urteilt Claus Vogt, Chefanalyst der Berliner Quirin Bank und Autor des Erfolgsbuches "Das Greenspan-Dossier". Der Chefredakteur von "Sicheres Geld" hatte die Weltwirtschaftskrise vorhergesagt und warnt nun vor der zweiten großen Pleitewelle im US-Immobiliensektor, die spätestens im Herbst auch die Börsen nach unten ziehen werde. Der aktuellen künstlichen Hausse gehe der Treibstoff aus Konjunkturpaketen und billigem Geld aus. Das alle westlichen Industrieländer überschuldet sind, wenn auch in unterschiedlichem Maße, sei "Griechenland .. nur der Vorbote für das, was uns in Europa, den USA und Japan bevor steht." Vogt warnt seit langem vor einem Platzen der US-Staatsanleihen als größter Spekulationsblase aller Zeiten, so auch hier: "Ihr Platzen wird das nächste große Missgeschick sein, dass die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft durchschüttelt. Die Auswirkungen steigender Zinsen sowohl auf die Wirtschaft als auch die Staatsfinanzen werden verheerend sein." Angesichts der allein in den USA geplanten Verdopplung der Regierungsschulden auf 18,6 Billionen US-Dollar innerhalb der nächsten zehn Jahre wird deutlich wo die sprichwörtliche Kuh steht: mitten auf dem Eis. Was Sie als Anleger angesicht der Achterbahnfahrt an den Börsen tun können, verrät der mit dem Ideenbaukasten der Österreichischen Schule der Ökonomik arbeitende symapthische Claus Vogt am Ende seines Interviews im Handelsblatt. Noch düsterer schätzt Gerald Celente, Gründer des Trends Research Institutes, die Lage ein: Eine globale Katastrophe sei möglich, konstatiert Celente in „Wir laufen in eine große Depression“. Mit dem Auslaufen der Stimulierungspakete würden erst der Immobilienmarkt und dann die Finanzmärkte zusammenbrechen. Das ganze System funktioniere nur noch mit niedrigen Zinsen und damit billigem Geld. Euro und US-Dollar seien wie Titanic und Lusitania. Dem europäischen Währungsunion drohe der Zusammenbruch. Tatsächlich bildet die Eurozone längst keinen einheitlichen Finanzraum mehr. Der Traum, die stockende politische Union durch eine ökonomische Einigung voranzubringen, ist geplatzt. Da von Beginn an ökonomische Gleichheit oder zumindest eine starke Angleichung der wesentlichen wirtschaftlichen Parameter nicht möglich war, musste der Euro als Einigungssysmbol herhalten. Damit verbunden war die Hoffnung vieler EU-Zentristen, das mit der Realität unvereinbare herbeizupolitisieren. Nun driften Peripherie und Zentrum als Anlageraum auseinander, wie Holger Zschäpitz in "Die Welt" aufzeigt. Die normalen Sparer hätten ein gutes Gespür für die (mangelnde) Stabilität und (prekäre) Zukunft des Euro. Im ersten Quartal des Jahres 2010 hätten sie eine Dreiviertel Milliarde aus Europafonds abgezogen und fast 500 Mio. Euro in Aktienprodukte mit Anlageschwerpunkt USA investiert. "Anscheinend zu recht. Denn Europa scheint als einheitliche Anlageklasse ausgedient zu haben." urteilt Holger Zschäpitz. Die Börsen im Club Med sind abgestürzt, innerhalb Europas bestehen Differenzen von bis zu 60 Prozentpunkten in der Kursentwicklung, der europäische Investmentmarkt driftet oder besser fällt auseinander, stark unterschiedliche konjukturelle Entwicklungen kommen hinzu. Nicht erst seit dem bizarren Auftritt von Josef Ackermann ist klar, dass Griechenland weder seine Schulden noch die vermeintlichen Rettungsmaßnahmen begleichen wird. Nun hat EZB-Präsident Jean-Claude Trichet eingestanden, dass man sich „zweifelsohne“ noch immer „in der schwierigsten Situation seit dem Zweiten Weltkrieg, vielleicht sogar seit dem Ersten“ befinde. Eine drastischere Lagefeststellung kann es für das europäische Finanzsystem kaum geben. Dessen Zerrüttung war durch enorme Kriegsschulden, Aufhebung des Goldstandards, einem aller ökonomischen Vernunft widersprechenden Friedensvertrag und Hyperinflation die ökonomische Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, um das bekannte Zitat von George F. Kennan abzuwandeln. Ohne die ökonomischen Missstände hätte es den Aufstieg des Faschismus zumindest nicht in dem Ausmaß gegeben. Immerhin gab es in in den 1930er Jahren weniger Demokratien als autoritäre Herrschaftssysteme in Europa. Mark Twain wird der Ausspruch zugeschrieben, Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. |




