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Gier als Krisentreiber – ein grandioser Irrtum PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: mvp   
Freitag, 30. Oktober 2009

Gier gilt derzeit geradezu als Inbegriff ökonomischer Sünde. Wiederholt wurde die (behauptete) Gier von Managern der Finanzbranche als zentrale Ursache der Weltwirtschaftskrise ausgemacht. Bemerkenswerterweise geschieht das nur kurze Zeit nachdem die Parole „Geiz ist geil“ den Zeitgeist treffend charakterisieren sollte – und ebenfalls Gegenstand wohlfeiler Kritik war.

Wer den herkömmlichen Schallmaienklängen etwas entgegensetzen möchte, sollte sich wohl lieber nicht auf Michael Douglas berufen, der in dem gleichermaßen legendären wie einseitigen Spielfilm „Wallstreet“ als Gordon Gekko Gier als Ideal heiligte: „Greed is right, greed works. Greed clarifies, cuts through, and captures the essence of the evolutionary spirit. Greed, in all of its forms; greed for life, for money, for love, knowledge has marked the upward surge of mankind.“ *  

Vielmehr ist der Begriff Gier lediglich eine umgangssprachliche Bezeichnung und steht für Begierde, Begehren, Drang. Diese weniger emotional belegten Begriffe erlauben einen nüchterneren Zugang: Wer ist schon frei von Begehren und dem Drang, etwas zu erreichen? Gier bezieht sich zudem stets auf das Beheben eines Mangels. Auch das kann keine Sünde sein.
Dem steht die Habgier gegenüber. Darunter verstehen wir das Streben nach materiellem Besitz unabhängig von seinem Nutzen. Nun unterliegt Geld wie jedes andere Gut auch dem Gesetz des abnehmenden Grenznutzens, d.h. die erste Million Euro ist für den Besitzer relativ mehr wert als die zweite und so weiter. Gleichwohl kann man den viel gescholtenen Manager kaum ein Streben nach nutzlosem Geld glaubhaft vorwerfen. Und genauso wenig existiert bis heute auch nur ein einziger tragfähiger Beleg dafür, dass Manager in diesem Jahrzehnt gieriger sind als in den Jahrzehnten zuvor; Oliver Stones Kapitalismuskritik spielt beispielsweise im Jahr 1985. Lediglich die Behauptung wird weltweit nachgekaut, ähnlich wie Kühe auf der Weide wiederkauen.

Don Boudreaux hat bekanntlich die Gier-Vorwürfe frühzeitig mit seiner Hochhaus-Metapher entkräftet. Mit Gier die Krise erklären zu wollen, bemerkte der Dekan der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der George Mason University, gleiche dem Versuch, die Ursache einer von einem Hochhaus gestoßenen Person mit der Schwerkraft erklären zu wollen. Was bedeutet das? Nun, zunächst ist Gier – zumal als Begierde oder Begehren – eine natürliche menschliche Eigenschaft. Sie existiert seitdem es Menschen gibt. Dann solten wir Gier und Gerechtigkeit nicht vermischen. Jedem das Seine fordert die Gerechtigkeit. Jedem das Selbe der Neid. Schließlich wirkt Begehren nur in übersteigerter Form abträglich, durch mangelndes Maßhalten. Das gilt für Geld verdienen genauso wie für den Verzehr von Gummibärchen. Nur welches Maß ist das Richtige? Viele der selbst ernannten Moralapostel dürften öffentlich die Gier der Banker geißeln und privat in ihren Depots saftige Gewinnen anstreben.

In Unternehmen sind die Eigentümer für das richtige Maß zuständig. Ihnen gehört das Unternehmen. Sie legen das Gehalt der Manager fest, die in ihrem Auftrag das Unternehmen leiten und lenken. Und die Kunden bezahlen die Gehälter. Wenn Ihnen als Kunde also die Gehälter von Top Managern ein Ärgernis sind, dann sollten Sie sich an die Eigentümer des Unternehmens wenden oder die Produkte des Unternehmens meiden. Hingegen sind Politiker die völlig falschen Adressaten. Weder haben sie ein Recht, sich in fremdes Eigentum einzumischen, noch sind sie erfahrungsgemäß in der Lage, moralisches Handeln zu begünstigen. Tatsächlich haben neben den Zentralbanken vor allem Politiker mit ihrer Regulierung unmoralisches Handeln begünstigt. Nahezu erschöpfend zeigt das Thomas Sowell in „The Housing Boom and Bust“ für den Immobiliensektor auf. Und die Rettung der am Markt gescheiterten Großunternehmen – von AIG bis Hypo Real Estate – stiftet zu neuem Moral Hazard an.

Auch Maßhalten wird entscheidend durch Anreize beeinflusst. Hier setzt die Ökonomie an; sie liefert Erklärungen für die Konsequenzen wechselnder Anreize bei gegebenen menschlichen Präferenzen. Für liberale Ökonomen, insbesondere seit Adam Smith, gelten Individuen nicht als grundsätzlich gut, sondern als selbst bezogen. Das bedeutet, Individuen stellen ihre Interessen einschließlich Familie und Freunde an erste Stelle. Alles was einen Preis hat, ist ein Gut und unterliegt auf dem Markt dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. Auf Märkten besteht der zentrale Anreizmechanismus in der Gewinn- und Verlustfunktion. Märkte belohnen gutes Verhalten ehrbarer Kaufleute. Märkte sind Moralstifter. Sie funktionieren auf der Grundlage des individuellen Respekts von Recht. Vertrauen wird erwidert. Anders als bei politischer Regulierung haben freie Märkte den Vorteil, dass sie Macht dezentralisieren. Ein Vielzahl privater Eigentümer steht miteinander in einem Verhältnis, dass durch Kooperation und Konkurrenz gekennzeichnet ist. Damit wird das Leben für Übeltäter und Unholde nachhaltig erschwert.

Wer die menschliche Natur als betrügerisch und bestechlich ansieht, muss der Politik besonders stark misstrauen, bündelt sich doch hier auf einzigartige Weise Zwangsmacht. Dem Staat kann man anders als Märkten nicht entkommen. Freie Märkte sind der offensichtlichste Ausdruck der Souveränität von Konsumenten und die beste Garantie für Demokratie. In der Debatte um Gier als Krisentreiber sind daher Macht dezentralisierende freie Märkte die Option der Wahl, nicht aber der Wunsch, vermeintlich auch moralisch überlegenen Experten oder gar Politikern die Verbesserung der Welt in die Hände zu legen, selbst wenn es sich so schön wie einfach anhört. Gierige Manager haben die Welt noch nie ruiniert, gierige Politiker bereits mehrfach.



* Am Rande bemerkt: Der Film ist trotz seiner fundamentalistischen Kapitalismuskritik im Grunde ein Plädoyer für die Zulassung von Insidergeschäften, wofür auch Don Boudreaux im Wall Street Journal plädiert.


 
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