Ökonomisierung PDF Drucken E-Mail
Samstag, 06. August 2005
„In dieser Bindung des Handelns an die in Geld errechnete Rentabilität [liegt] die wirksamste Begrenzung der Willkür der Mitmenschen.., die im gesellschaftlichen Verband erreichbar ist. Gerade sie macht den Unternehmer, den Kapitalisten, den Grundbesitzer und den Arbeiter, kurz alle, die für fremden Bedarf tätig sind, auf der einen Seite in ihrem Tun und Lassen von den Bedingungen des gesellschaftlichen Zusammenwirkens abhängig. … Man beklagt es, dass das Geld alle Beziehungen beherrscht. Doch das, was man hier beklagt, ist nichts anderes, als die Willkür, die Gunst und die Laune in jenem Teil des gesellschaftlichen Lebens, den wir rein wirtschaftlichen zu nennen pflegen, kaum noch etwas zu bedeuten haben, und dass hier alles nach jenen Erwägungen vor sich geht, die die gesellschaftliche Kooperation erfordert.
Das ist die Freiheit im äußeren Leben des Menschen, dass er unabhängig ist von dem Wohlwollen der Mitmenschen.“
Ludwig von Mises, Gemeinwirtschaft, 171.

„Wie viel aristokratischer Hochmut steckt doch in aller Geringschätzung des Wirtschaftlichen. Wie viel unwissende Nichtachtung der Gesamtsumme an Arbeit, Entsagung, Pioniergeist, Redlichkeit und Pflichterfüllung, von der das nackte Leben einer ungeheuer angewachsenen und noch täglich weiter anschwellenden Weltbevölkerung abhängig ist, die das gesamte Gebäude unserer Kultur trägt und ohne die es weder Freiheit noch Gerechtigkeit noch ein menschenwürdiges Da sein der Massen noch teilnehmende Hilfe gäbe.“
Wilhelm Röpke zitiert nach Gerd Habermann, Brevier, 50.

„Von Walter Rathenau stammt der viel zitierte Ausspruch, dass die Wirtschaft unser Schicksal sei. Dieses in der Vergangenheit leider so oft und so gründlich missverstandene Wort ist in der politischen Diskussion zumeist als hybride Überschätzung des Ökonomischen abgetan worden. Und doch ist der eigentliche und gemeinte Gehalt einer solchen Feststellung unbestreitbar. Niemand kann länger leugnen, dass die Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung heute mehr denn je zuvor – und zwar nicht nur in der westlichen Welt – für das Wohl der Völker und ihr Zusammenleben von schicksalhafter Bedeutung ist.
Ludwig Erhard, Wirtschaft und Wirtschaftsordnung in der modernen Politik. Beitrag zur Festschrift für Jacques Rueff, 6.Juni 1966, in Gedanken aus fünf Jahrzehnten, 1013.

„Die besondere Betonung des Wertes der Wirtschaft als wichtigen Teilbereich der Kultur ist deshalb notwendig, weil ein übersteigertes humanistisches Bildungsdenken, bisher vielfach die Möglichkeit einer echten Erziehung und Bildung des Menschen für wirtschaftliche Aufgaben and an Bildungsgütern, die dem Bereich der Technik und Wirtschaft entnommen wurden, leugnete. Ebenso wurden in der Vergangenheit der wahre Sinn und das Wesen der Wirtschaft sowohl durch die Theorien des frühen Kapitalismus als auch des historischen Materialismus verkannt und entstellt. Damit wurden im öffentlichen Denken eine Unterbewertung und Missdeutung des wirtschaftlichen Handelns und der wirtschaftlichen Aufgaben eingeleitet, die sich bis in die Gegenwart hinein schädlich auswirken.“
Ludwig Erhard, Wirtschaft und Bildung, in: Der Volkswirt, 17. August 1957.
 
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