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Sternstunden der katholischen Kirche PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: mvp   
Montag, 22. November 2010

Thomas E. Woods jr.: Sternstunden statt dunkles Mittelalter. Die katholische Kirche und der Aufbau der abendländischen Zivilisation, MM Verlag, Aachen 2006, 304 S., 22,00 EUR.

Das „dunkle Mittelalter“ ist ein Klischee. Thomas E. Woods macht das mit seinem Plädoyer für ein anderes Verständnis der katholischen Kirche überzeugend deutlich. Angehörige der katholischen Kirche haben im Mittelalter eine Fülle bahnbrechender Leistungen vollbracht. Das Positive der Kirchengeschichte einem breiten Publikum aufzuzeigen, noch dazu in sehr gut lesbarer Form, war ein überfälliges Unterfangen. Kritische Leser werden indes in Kenntnis der anderen, dunklen Seite der Kirchengeschichte bei der Lektüre hin und wieder die Stirn runzeln.

„Die katholische Kirche hat nicht nur zur Entwicklung der westlichen Zivilisation beigetragen – sie hat diese Zivilisation geschaffen.“ so lautet die Botschaft des konvertierten Katholiken und Bestsellerautors. Woods mit viel Verve vorgetragene Erzählung reicht von den Mönchen als Retter und Bewahrer der Zivilisation bis zur entscheidenden Prägung der westlichen Moral mit der Würde und dem Wert des einzelnen unabhängigen Menschen. So haben Angehörige der katholischen Kirche die Universität und die (vor)moderne Wissenschaft begründet, Meilensteine in Kunst und Architektur geschaffen und insbesondere Jesuiten verdanken wir die Ursprünge des internationalen Rechts sowie die Grundlagen der Ökonomik. Schließlich veränderte die katholische Nächstenliebe die Welt.

Auch wer nicht davon überzeugt ist, dass der Gott des Katholizismus die Menschen liebt und nur ihr Bestes will, wie der amerikanische Historiker im Schlusskapitel schreibt, wird viele kleine und große Erkenntnisse lesenswert finden. Dazu gehören vielleicht Hinweise wie: Mönche schufen viele praktische Dinge, darunter die erste Uhr im Jahr 996 für die Stadt Magdeburg und Wasserkraftwerke, aber auch die einzigartige karikative Arbeit der Kirche und schließlich sogar bedeutende Beiträge der Jesuiten zur Seismologie.

Zweifelsohne bot die katholische Kirche einen einzigartigen Entfaltungsraum für diese und andere Errungenschaften. Für kluge, erfinderische und beherzte Menschen gab es praktisch kaum gleichwertige Alternativen zu dieser vielfältigen Organisation. Durch die Dualität von Kirche und Welt fielen folglich die Errungenschaften gleichsam automatisch der katholischen Kirche zu. Um so bedeutsamer ist es, dass Thomas E. Woods der Fülle allzu präsenter düsterer Kapitel der Kirchengeschichte das Licht vieler Sternstunden entgegen stellt.

Michael von Prollius

 
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