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Der Schwarze Schwan (N. N. Taleb) PDF Drucken E-Mail
Freitag, 17. September 2010

Nassim Nicholas Taleb: The Black Swan. The Impact of the Highly Improbable, (Erstauflage 2007) Penguin Books London 2008, 366 S., 8,30 Euro.

Der Schwarze Schwan ist eine Metapher, die Nassim Nicholas Taleb für sehr seltene Ereignisse mit extremen Folgen verwendet – 1914 und 1989, der Börsenkrach von 1987 und 9/11, aber auch die Verbreitung des Internets und die aktuelle Weltwirtschaftskrise.

Schwarze Schwäne sind nach der Überzeugung des gebürtigen Libanesen geeignet, unser Weltbild zu verändern, und genau das sollten sie auch. In 19 Kapiteln schreibt, ja fast scheint es, erzählt Taleb dem Leser auf einem langen Spaziergang wie die Anatomie von Schwarzen Schwänen beschaffen ist; der langjährige Börsenhändler berichtet über Skaleneffekte und Wahrscheinlichkeiten genauso wie wir vom Leben und Sterben eines Truthans lernen können. Weitere Themen sind unsere Voreingenommenheit für Bestätigungen von Ansichten, eine Fülle alltäglicher Trugschlüsse, darunter die Geschichte von Fat Tony, die Unfähigkeit gerade von Experten zuverlässige Vorhersagen zu treffen und eine grundsätzliche Abrechnung mit der Portfolio-Theorie, die Wissenschaft und Investmentwelt gleichermaßen dominiert.
Taleb hält das globale Finanzsystem durch ein verheerendes „Schwarzer Schwan Ereignis“ für stark zusammenbruchsanfällig. Regulierung ist für den Finanzmarktinsider zum Scheitern verurteilt. Schon Voraussagen seien insofern sinnlos als sie durch einen Schwarzen Schwan zur Makulatur werden. Und genau das solle Regulierung ja eigentlich verhindern. Folglich seien Veränderungen in Richtung eines Free Banking Systems von großer Bedeutung.

Für Freiheitsfreunde ist es erfrischend zu lesen, wie begrenzt unsere Möglichkeiten sind, durch Beobachtung und Erfahrung zu Lernen, wie fragil unseres Wissen ist, dass Vieles außerhalb unserer Wahrnehmung und Erwartungen liegt. Die Philosophie, die das Buch durchzieht, die Erfahrungen und Überlegungen des selbst ernannten „Flaneurs“ sind ein Plädoyer für Individualität, Einzigartigkeit und eine offene Gesellschaft.

Das Buch bietet einen ungewohnten (zweiten) Blick auf unsere Welt und die Art und Weise wie wir sie erklären. Taleb konstatiert, die Welt werde beherrscht von den mächtigen, nicht von den richtigen Ideen.
Das philosophische (Selbst-)Gespräch enthält viele autobiographische Elemente, so dass der Leser immer wieder zum Lebensbegleiter von Taleb wird, dessen Großvater libanesischer Minister war. Nassim Nicholas Taleb hat einen Bestseller geschrieben, der sich herkömmlichen Kategorien entzieht. „The Black Swan“ ist ein starkes, sehr unterhaltsames Buch, literarisch-essayistisch und mathematisch-empirisch sowie philosophisch zugleich, weltmännisch im eigentümlich modernen, historisch verwurzelten Sinne. Der Rezensent hat  nicht alles verstanden. Das dürfte ganz im Sinne des Autors sein, schließlich ist das entscheidend , was wir nicht wissen. Oder aber: „Missing a train is only painful if you run after it!“

Michael von Prollius

 
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