| Gottes geheime Gedanken (V. J. Becker) |
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| Sonntag, 29. November 2009 |
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Dem Buch lässt sich eine Argumentation gegen die Existenz Gottes entnehmen, zumindest gegen die herkömmliche, dogmatische Sichtweise christlicher Kirchen. Volker J. Becker konstatiert, dass die Wissenschaft lange die Option Gottes offen hielt. Insbesondere mit der Stringtheorie ist das seiner Ansicht nach nur noch schwer möglich. So existieren Gesetze, die den Urknall erklären, ein Schöpfer sei nicht mehr erforderlich, es sei denn für die Gesetze selbst. Aber auch für die Gesetze bedürfe es keinen Gott, etwa weil der Urknall die erste Ursache sei und eine Erklärung in sich selbst trage. Zudem stellen sich für Becker zahlreiche Fragen, darunter: Wer hat Gott erschaffen? Was hatte Gott getan als er noch kein Universum erschaffen hatte? Hatte Gott keine Wahl als ein Universum als Schöpfer zu schaffen – ist Gott also in seiner Handlungsfähigkeit eingeschränkt? Ein Perspektivwechsel führt zu einer Frage, bei der Schmunzeln erlaubt ist: Wer erlöst die Bewohner anderer bewohnter Planeten? Sie müssten entweder in Sünde sterben oder auch Jesus gehabt haben. Zugleich wird die einem Taschenspielertrick nahe kommende konsequent positivistische Logik hier besonders deutlich. Das liegt daran, dass Becker mit Erkenntnissen aus der Naturwissenschaft argumentiert, die im Fall der Stringtheorie allerdings noch einen stark vorläufigen, teilweise auch metaphorischen Charakter besitzen, und diese vermeintlichen Fakten wie bewohnten Planeten und deren postulierter Erlösungsnotwendigkeit gegenüber gestellt werden. Der gelernte Industriemechaniker Volker J. Becker, der Philosophie und Physik studierte, kommt zu dem Schluss, dass Gott vermutlich von den Menschen geschaffen wurde, da diese sich nicht sinnlos vorkommen wollten, und schließt daran die Frage an: Muss alles Sein einen Sinn in sich tragen? Vielleicht lauten Plan und Ziel einfach zu sein. Vielleicht erschaffe unser Geist erst das Sein. Von da ist es nicht weit zum holistischen Postulat: Gott ist alles! Gott sei in jedem von uns. Der Geist sei selbst der Schöpfer. Mit anderen Worten kann für Becker keine Materie ohne unser Bewusstsein existieren. Schließlich stellt Becker die Frage, wann uns eine Seele eingepflanzt wird. Bei der Befruchtung? Stecke dann jeweils 50% der Seele in der weiblichen und in der männlichen Zelle? Sei Gott demnach ein Seelenmacher? Und wie passe das damit zusammen, dass es keines Schöpfers bedürfe um beseelte Wesen zu schaffen, wie das Klonen zeige? Für die Gottesfrage erscheint abschließend noch ein bekanntes Zitat des großen schottischen Aufklärers David Hume passend: „Sofern das Böse in der Welt zu Gottes Plan gehört und er es toleriert, kann er nicht gut sein; läuft es aber seinem Plan zuwider, ist er nicht allmächtig. Er kann nicht, wie die meisten Religionen es behaupten, zugleich gut und allmächtig sein.“ Im Spannungsfeld zwischen Naturwissenschaft und Mystik entwickelt Becker seine Philosophie des pantheistischen Idealismus. Das bedeutet, alles hängt mit allem zusammen, der Geist ist die Ursache aller Manifestationen, darunter Raum, Zeit und Materie, die wir als Realität ansehen, und die Grundsubstanz allen Sein ist geistig, geschaffen aus Geist und ohne Geist nicht unabhängig existent. Der Geist „ist unsterblich, nicht physikalisch, sondern raum- und zeitlos und transzendent.“ Michael von Prollius |






