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Gottes geheime Gedanken (V. J. Becker) PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 29. November 2009

Volker J. Becker: Gottes geheime Gedanken. Was uns westliche Physik und östliche Mystik über Geist, Kosmos und Menschheit zu sagen haben, Lotos Verlag, Erste Auflage München 2008, 255 S., 17,95 EUR.
Volker J. Becker ist ein eigenständiger, ja eigentümlicher Denker. Seine Philosophie des Universums regt zum Nachdenken an – immerhin das Beste was ein Buch leisten kann und dadurch auch noch klug macht. Der Rückentext verspricht nicht zu viel: „Nie wurden die verborgenen Zusammenhänge zwischen wissenschaftlichem Weltbild und Spiritualität so anschaulich und spannend dargelegt. Ein überraschendes, faszinierende Buch, das Grenzen zwischen Wissenschaft und Mystik einreißt.“ Ein Blick auf einige Thesen des Buches belegt das:

  • Ein Schöpfer ist weder für den Urknall erforderlich, noch für die Gesetze, nach denen das Universum funktioniert. Gott könnte demnach allenfalls so etwas wie eine alles durchdringende Weltseele sein.
  • Der menschliche Geist ist die Ursache allen Seins.
  • Auf der Ebene der Quanten hängt alles mit allem zusammen.
  • Zeitreisen sind möglich, es fehlt nur noch die Technik.
  • Ufos sind wie Astrologie Unfug, Telepathie ist im Sinne eines holistischen Universums indes plausibel.

Dem Buch lässt sich eine Argumentation gegen die Existenz Gottes entnehmen, zumindest gegen die herkömmliche, dogmatische Sichtweise christlicher Kirchen. Volker J. Becker konstatiert, dass die Wissenschaft lange die Option Gottes offen hielt. Insbesondere mit der Stringtheorie ist das seiner Ansicht nach nur noch schwer möglich. So existieren Gesetze, die den Urknall erklären, ein Schöpfer sei nicht mehr erforderlich, es sei denn für die Gesetze selbst. Aber auch für die Gesetze bedürfe es keinen Gott, etwa weil der Urknall die erste Ursache sei und eine Erklärung in sich selbst trage. Zudem stellen sich für Becker zahlreiche Fragen, darunter: Wer hat Gott erschaffen? Was hatte Gott getan als er noch kein Universum erschaffen hatte? Hatte Gott keine Wahl als ein Universum als Schöpfer zu schaffen – ist Gott also in seiner Handlungsfähigkeit eingeschränkt? 

Ein Perspektivwechsel führt zu einer Frage, bei der Schmunzeln erlaubt ist: Wer erlöst die Bewohner anderer bewohnter Planeten? Sie müssten entweder in Sünde sterben oder auch Jesus gehabt haben. Zugleich wird die einem Taschenspielertrick nahe kommende konsequent positivistische Logik hier besonders deutlich. Das liegt daran, dass Becker mit Erkenntnissen aus der Naturwissenschaft argumentiert, die im Fall der Stringtheorie allerdings noch einen stark vorläufigen, teilweise auch metaphorischen Charakter besitzen, und diese vermeintlichen Fakten wie bewohnten Planeten und deren postulierter Erlösungsnotwendigkeit gegenüber gestellt werden.

Der gelernte Industriemechaniker Volker J. Becker, der Philosophie und Physik studierte, kommt  zu dem Schluss, dass Gott vermutlich von den Menschen geschaffen wurde, da diese sich nicht sinnlos vorkommen wollten, und schließt daran die Frage an: Muss alles Sein einen Sinn in sich tragen? Vielleicht lauten Plan und Ziel einfach zu sein. Vielleicht erschaffe unser Geist erst das Sein. Von da ist es nicht weit zum holistischen Postulat: Gott ist alles! Gott sei in jedem von uns. Der Geist sei selbst der Schöpfer. Mit anderen Worten kann für Becker keine Materie ohne unser Bewusstsein existieren. 

Schließlich stellt Becker die Frage, wann uns eine Seele eingepflanzt wird. Bei der Befruchtung? Stecke dann jeweils 50% der Seele in der weiblichen und in der männlichen Zelle? Sei Gott demnach ein Seelenmacher? Und wie passe das damit zusammen, dass es keines Schöpfers bedürfe um beseelte Wesen zu schaffen, wie das Klonen zeige?

Für die Gottesfrage erscheint abschließend noch ein bekanntes Zitat des großen schottischen Aufklärers David Hume passend: „Sofern das Böse in der Welt zu Gottes Plan gehört und er es toleriert, kann er nicht gut sein; läuft es aber seinem Plan zuwider, ist er nicht allmächtig. Er kann nicht, wie die meisten Religionen es behaupten, zugleich gut und allmächtig sein.“

Im Spannungsfeld zwischen Naturwissenschaft und Mystik entwickelt Becker seine Philosophie des  pantheistischen Idealismus. Das bedeutet, alles hängt mit allem zusammen, der Geist ist die Ursache aller Manifestationen, darunter Raum, Zeit und Materie, die wir als Realität ansehen, und die Grundsubstanz allen Sein ist geistig, geschaffen aus Geist und ohne Geist nicht unabhängig existent. Der Geist „ist unsterblich, nicht physikalisch, sondern raum- und zeitlos und transzendent.“

Michael von Prollius

 
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