| "Die Nationalökonomie" |
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| Mittwoch, 08. September 2010 |
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Die Nationalökonomie ist bekanntlich der Nukleus von Mises' Hauptwerk "Human Action", das bis heute nicht in deutscher Sprache vorliegt. Einen bisher wenig beachteten und dennoch zentralen Aspekt von "Die Nationalökonomie" hebt Michael Kastner in seinem nachfolgenden Beitrag hervor. Gastbeitrag von Michael Kastner „Die Nationalökonomie“ verkörpert zweifelsohne die zentrale Abhandlung der Österreichischen Schule. In dem Maße, in dem Alfred Marshall in seinen „Principles of Economics“ den Stand der Neoklassik brilliant zusammengefaßt hat, hat auch Ludwig von Mises die gesamte Österreichische Schule in seiner Abhandlung einer Bestandsaufnahme unterzogen. Während die Neoklassik jedoch mit Marshalls „Principles“ unzweifelhaft ihren Höhepunkt und auch ihren theoretischen Endpunkt erreicht hatte, verfaßte Mises mit der Nationalökonomie ein Werk, das nicht nur das bisherige analytische Instrumentarium zusammenfaßte, sondern gleichzeitig auch die Türen zu neuen Erkenntnissen öffnete. „Alles Handeln ist zielgerichtet, sucht Ziele zu erreichen und Zwecke zu verwirklichen." stellt Mises als Prämisse voran und leitet daraus, lediglich basierend auf logischen Schlüssen, ein ökonomisches Erklärungsmuster ab. Dieser rigorose Apriorismus sei reine Tautologie wurde ihm oftmals vorgeworfen. Sofern es tautologisch ist, wird dadurch die Aussagekraft der Theorie jedoch nicht geringer. Die Erklärungen, die Mises in der Nationalökonomie für ökonomische und soziologische Phänomene liefert, sind tatsächlich verblüffend. Dabei ist Mises von der ersten bis zur letzten Seite ein Radikaler. Obwohl es sich bei der „Nationalökonomie“ nicht um ein politisches Buch handelt, rechnet Mises mit den negativen Auswirkungen, sowohl des Sozialismus als auch des Konservativismus ab. Ständischen Hierarchien, seien sie durch Parteiämter oder durch althergebrachte Traditionen begründet, erteilt er ein Absage. Daß Mises dem Sozialismus feindlich gegenüberstand, dürfte dabei wenig überraschen. Aber daß er den Konservativismus aufs Schärfste analysierte und als gefährlich erachtete, ist in Vergessenheit geraten. Insbesondere seine Absage an den Traditionalismus, die Traditionsgebundenheit als Ideologie, dürfte manchem Konservativen, der sich heute gerne auf ihn beruft, schwer verträglich sein (Nationalökonomie, S. 171): „Unter Traditionsgebundenheit versteht man eine Ideologie, die das Festhalten an von den Vorfahren oder von den vermeintlichen Vorfahren überlieferten oder vermeintlich überlieferten Wertungen und Techniken als richtig oder zweckmäßig erklärt. … Dabei war Mises kein Bilderstürmer. Aber er wußte, wo der Liberalismus, z.B. im Verhältnis zur Kirche, zu verorten war (S. 174): „Wenn der Liberalismus dennoch nicht nur Duldung des Katholizismus, sondern auch Achtung der Überzeugung der katholischen Mitbürger zu seinem Programm machte, geschah es gewiss nicht aus der Erwägung heraus, dass in diesem - in seinen Augen sinnlosen - Gehaben vielleicht doch die Wahrheit zu finden wäre. Der Liberalismus wollte Frieden auf Erden, und den Frieden, meinte er, könne nur die Duldung jeder Überzeugung und jeder Glaubenslehre bringen. Wer den Irrtum ausrotten wolle, müsse ihn mit dem Geist bekämpfen und nicht mit Gewalt.“ Mises räumt dabei mit mancherlei, insbesondere auch heute unter Konservativen weit verbreiteten Legende auf. So ist etwa der Rückgang der Geburtenzahl und die zunehmende Verbreitung von Verhütungsmitteln für Mises nicht auf linke Propaganda zurückzuführen, sondern auf die Verbesserung der Lebensumstände breiter Bevölkerungsschichten im Kapitalismus (S. 610f.): „Auf die Bewahrung der erreichten höheren Lebenshaltung bedacht, beginnen sie [die Arbeitermassen, die sich immer mehr dem bürgerlichen Lebensstil anpassen, Anm. MK] Geburtenregelung zu üben. In dem Maße, in dem der Kapitalismus fortschreitet, greift auch die Geburtenregelung als allgemeine, von allen Schichten des Volkes geübte Handlungsweise um sich. Der Übergang zum Kapitalismus ist daher bevölkerungsstatistisch durch zwei Tatsachen gekennzeichnet: Sinken der Geburtenzahl und Verlängerung der durchschnittlichen Lebensdauer.“ Die Erkenntnisse, die Mises in der Nationalökonomie herausarbeitet, sind sowohl, was die Ökonomie, als auch, was die Soziologie angeht, nicht nur für ihre Zeit bahnbrechend. Sie haben auch für unsere Zeit ihre Gültigkeit bewahrt und werden wohl auch in Zukunft von unschätzbarem Wert sein. Mises' Ausführungen sind jedoch vor allem auch eines: ein Beispiel für couragierte und kompromißlose Wissenschaft. |






Es ist eine kleine Sensation! "Die Nationalökonomie" von Ludwig von Mises ist endlich wieder verfügbar. Der Dank gebührt Michael Kastner, Gründer von