| Sackgassenpublizistik - noch ein Dritter Weg |
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| Geschrieben von: mvp |
| Sonntag, 24. Juli 2011 |
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Zweifelsohne spricht de Roger de Weck mit seinen Äußerungen einer Menge Menschen aus dem Herzen: Kapitalismus sei eine Religion. Marktwirtschaft ja, aber gezähmt, gezügelt und nur dort, wo das Volkswohl nicht Opfer von Gier und zerstörerischem Wettbewerb wird. Für einen anderen Kapitalismus greift auch de Weck auf den tschechischen Sozialismusreformer des Prager Fühlings Ota Sik zurück. Anders Eigentum soll es geben. Welches bleibt unklar. Anders Geld wäre auch bedenkenswert. Leider bleiben die Ausführungen über Schwundgeld und Volldeckung letztlich hilflos. Der mit vielen internationalen Ämtern und Aufgaben etablierte Volkswirt nennt in einer Überschrift sein eigentliches Programm: „Den Staat befreien“. Hintergrund sind Überlegungen wie: „Ein demokratischer Kapitalismus … sorgt für viel Unabhängigkeit der Politik von Wirtschaftsinteressen“ und „Ein stabiler Kapitalismus verbietet die Spekulation, wo sie viel Schaden stiftet“ oder „Ein nachhaltiger Kapitalismus lenkt den Eigennutz auf soziale und ökologische Ziele statt allein auf das Gewinnziel“ sowie „Ein ausgewogener Kapitalismus braucht Mechanismen zur Mäßigung der Gier“ und „Schranken für den Steuerwettbewerb“. Zur Finanzmarkt- und Schuldenkrise kommt der Ehrendoktor der Universität Luzern zu folgender Erkenntnis: „Weder Markt noch Staat, weder Regulierung noch Deregulierung sind Allheilmittel – das ist der Erkenntnisgewinn aus der Krise, und er lädt zum Differenzieren ein.“ Kontrafaktisches findet sich auch, etwa „Der Wettlauf der Staaten um niedrigere Kapital- und Unternehmensteuern bewirkte ohnehin eine Umverteilung von unten nach oben“. Krude wird es hier: „Triebfeder der Marktwirtschaft ist im Grunde der Plan.“ Das Beispiel steht pars pro toto: Freiheit ist Sklaverei, so ließe sich in Anlehnung an Orwell eine zentrale Argumentationsweise des Publizisten kennzeichnen. Die Lösung sieht für Roger de Weck so aus: „Ein liberaler Kapitalismus vermeidet es, in den Markt zu intervenieren, scheut sich aber nicht, ihn zu regulieren.“ Also muss einmal mehr ein dritter Weg her, hier eben eine „ökosoziale Marktwirtschaft“. Recht geben muss man ihm zumindest an einer Stelle: „Allseits vermengen sich Markt und Staat“ - besonders in diesem Buch. Anthony de Jasay, der vielleicht erfrischendste politische Denker unserer Zeit, hat aufgezeigt, dass Marktsozialismus und Dritter Weg ein „offener begrifflicher Widerspruch wie heißer Schnee, jungfräuliche Prostituierte, fettes Skelett, rundes Quadrat“ sind. Wer sich ärgert, der wird die Auswirkungen publizistischer Propaganda nicht nur „Nach der Krise“ im Blick haben. Wer gelangweilt einschläft, ist ermattet vom Gedanken an die bereits existierende Fülle ähnlicher Sackgassenpublizistik. Michael von Prollius |






Roger de Weck: Nach der Krise. Gibt es einen anderen Kapitalismus?, Nagel & Kimche im Carl Hanser Verlag, München 2009, 112 S. 10,00 Euro.