Arabischer Frühling PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: mvp   
Sonntag, 05. Juni 2011

Tahar Ben Jelloun: Arabischer Frühling. Vom Wiedererlangen der arabischen Würde, Berlin Verlag, 2. Auflage 2011, 128 S., 10,00 Euro.

Menschen in der arabischen Welt stehen auf und fallen – für ihre Würde, für die Freiheit eines jeden Einzelnen; sie kämpfen mit Worten, Gesten, Präsenz und zum Teil Gegengewalt, um sich von den menschenverachtenden Regimen zu befreien, die sie über Jahrzehnte überwacht, drangsaliert, geknechtet und gefoltert, korrumpiert und vielfach in Himmel schreiender Armut im Verhältnis zum Luxus ihrer Diktatoren festgehalten haben.

Der marokkanische Schriftsteller Tahar Ben Jelloun hat in „Arabischer Frühling“ eindringlich die Freiheitsrevolution skizziert – als Aufstand zum Wiedererlangen der arabischen Würde. Seine Mischung aus literarischen Passagen und Sachbuchtext ermöglicht einen Zugang zum Lebensgefühl der Freiheitsrevolutionäre und gibt schlaglichtartige Einblicke in die Vorgeschichte. Erinnerungswürdig ist die Kritik an der verlogenen Politik des Westens, die die Machthaber jahrelang hofiert hat und nun „Diktatoren!“ ruft. Dazu ein etwas längeres Zitat: „Bei offiziellen Europabesuchen wurde Ben Ali beglückwünscht, gefeiert, als Beispiel vorgeführt, weil er angeblich 'die Demokratie gut voranbrachte'. Man glaubte zu träumen. Als er sich nun jüngstens wie ein Dieb davonstahl (genauer gesagt als Dieb), gruben die Fernsehsender die Reden von Chirac, Sarkozy, Strauss-Kahn, Berlusconi und anderen zu dem Thema aus. Es war unglaublich, das, was diese Leute in Anwesenheit Ben Alis von sich gegeben hatten, mit dem zu vergleichen, was sie anlässlich der Flucht dieses Gauners stammelten. Aber das nennt man wohl 'Realpolitik'.

Erhellend ist zudem die Formulierung, die Machthaber hätten die Länder in „Privatbesitz“ genommen. Tahar Ben Jelloun gibt vielen Opfern zudem einen Namen. Und er thematisiert das Ekel erregende Foltern, die perverse Willkür, unter der noch dazu Unschuldige litten und starben. Im Mittelpunkt stehen Tunesien und Ägypten, gestriffen werden auch Algerien, Jemen, Marokko und ausführlicher die bizarre Herrschaft Gaddafis über Libyen.

Der in Paris lebende, bedeutende Vertreter französischer Literatur ist der Überzeugung, dass der arabische Frühling Früchte trägt – nach hartem Ringen das Verschwinden vieler Diktatoren und ihrer Regime, weil die Freiheitsrevolutionäre sich nicht mehr unterjochen ließen. Die Islamisten hätten bereits eine Niederlage erlitten. Außerdem hat er eine Botschaft für die Menschen im Westen parat: Die Freiheitsbewegung werde „nicht vor den kränkelnde multikulturellen Vororten europäischer Großstädte Halt machen“.

Michael von Prollius

 
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